Leise rieselt der Putz

Trier-Ruwer . (HWG) Er erinnert ein wenig an den Helden der irischen Pfarrerkrimis, Pater Brown, der unentwegt mit der Sammelbüchse unterwegs war, um den Neubau seiner Pfarrkirche zu finanzieren: der Ruwerer Pfarrer Rainer Justen. Als ob er nicht schon mit der Sanierung des in die Jahre gekommenen Ruwerer Kindergartens genug hätte, muss nun seine Gemeinde St. Clemens auch die Sanierung der 1870/71 gebauten Pfarrkirche finanziell stemmen.

Pfingsten 2005 rieselten in der Ruwerer Kirche St. Clemens erste Putzstückchen von der Decke. "Gott sei Dank erst nach dem Gottesdienst", sagt Pfarrer Rainer Justen. Bei der sofort begonnenen Ursachenforschung wurde offenbar: Die während des Deutsch-Französischen Krieges errichtete Kirche im neo-romanischen Stil hat einige hausgemachte Konstruktionsmängel. Zusätzliche Belastung für das Dach bedeuteten die heißen Sommer der Jahre 2003 und 2006. Statiker und Architekten wollen nun die Strebebögen zwischen dem Hauptschiff und den Seitenschiffen entlasten. Dafür muss die Holzkonstruktion in Teilen des Dachtragwerks umgestaltet werden. So sollen "technische Risse" in Zukunft minimiert werden. Außerdem will man Holzteile im Bereich der Altarvierung ausbessern, die derzeit noch zu stark auf das Gewölbe drücken. Pfarrer Justen betont ausdrücklich: Es besteht aktuell keinerlei Gefahr für die Gottesdienstbesucher oder gar Einsturzgefahr. Das hätten Baugutachter und Statiker bestätigt. Allerdings hat man mehrere Kirchenbankreihen mit rot-weißen Trassierbändern abgesperrt, um Gläubige vor herabbröckelnden Putzstückchen zu schützen. Die Fehler seien bei der letzten großen Sanierung der Kirche in den 1970er-Jahren nur "zugeschmiert" worden, ärgert sich Pfarrer Justen. Das fordert von der im wahrsten Sinn des Wortes finanziell gebeutelten Kirchengemeinde St. Clemens und ihren Mitgliedern nun erhöhte gemeinsame Anstrengungen. Konnte man die Dachsanierung des Kindergartens (der TV berichtete) noch aus einem eigens dafür ersonnenen Erbbaupacht-Vertrag realisieren, ist es bei dem aktuellen Kirchenprojekt schwieriger, den Eigenanteil aufzubringen. Eine ungeahnte Herausforderung für den im Frühjahr 2005 gegründeten Förderverein "Freunde von Ruwer St. Clemens". Dessen Vorsitzender Thomas Bund hat mit inzwischen 89 Mitgliedern in der kurzen Vereinsgeschichte bereits 25 000 Euro gesammelt. Das Geld wird dringend gebraucht: Der Eigenanteil an der Kirchensanierung beträgt 77 470 Euro. Das Bistum steuert weitere 96 100 Euro bei. Wie dringlich die Sanierung in der Bischöflichen Bauabteilung gesehen wird, lässt der bereits festgestellte Baubedarf erkennen. Damit die Arbeiten möglichst schnell beginnen können, finanziert das Bistum außerdem den Kredit für den Eigenanteil vor. Erste Aufträge sind vor der Sommerpause erteilt worden. In der heißen Phase der Bauarbeiten werden die Ruwerer Kirchenbesucher ihren Gottesdienst gut drei Monate in St. Martin in Mertesdorf feiern müssen. Für nicht motorisierte Gottesdienstbesucher will man einen Fahrdienst organisieren. Pfarrer Justen ist zuversichtlich, Weihnachten wieder in der Ruwerer Kirche feiern zu können. Der Ruwerer "Pater Brown" hofft, dass es keine weiteren Überraschungen gibt und das Geld ausreicht, bei der Neubemalung der Deckengewölbe farbliche Akzente setzen zu können. Die ursprüngliche Farbfassung von 1870 kann laut Justen nicht mehr rekonstruiert werden, weil sie bei der Sanierung in den 1930er-Jahren zerstört wurde.