Leistung zahlt sich aus
Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit tut sich Revolutionäres in den Amtsstuben: Beim neuen Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst fallen Vergünstigungen weg und Leistung wird stärker belohnt.
Trier. Der öffentliche Dienst soll für junge Leute wieder interessanter werden; Leistung soll sich am Monatsende in barer Münze auszahlen. Das sind zwei wesentliche Kriterien, die vor eineinhalb Jahren zu einem neuen Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVÖD) geführt haben. Darin wurden die Tarife für Arbeiter und Angestellte im Bund und bei den Kommunen neu geregelt. Der neue TVÖD kommt einer Revolution in den Amtsstuben gleich, denn viele Automatismen wie Bewährungs- und Zeitaufstiege sowie finanzielle Berücksichtigung von Lebensalter, Familienstand und Kindern sind abgeschafft worden. Auch das Urlaubsgeld sowie Techniker- und Meisterzulagen sind weggefallen. Allerdings haben die Beschäftigten bessere berufliche Perspektiven in der Verwaltung. Ab Oktober 2007 wird neben dem Grundentgelt als zweite Säule eine variable Leistungsbezahlung eingeführt, die im Extremfall ein Monatsgehalt pro Jahr ausmachen kann. Der Rathaus-Job soll damit auch für junge, leistungswillige Leute an Attraktivität gewinnen. Systematische Bewertung übers Jahr hinweg
Die Bewertung für die Festlegung des Leistungsentgelts kann entweder durch eine Zielvereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer festgelegt werden oder durch eine systematische Leistungsbewertung durch den Vorgesetzten, die sich an der über das ganze Jahr erbrachten Leistung orientiert. Letztere Variante haben die meisten Verwaltungen gewählt, so auch die Verbandsgemeinde (VG) Trier-Land. Grundsätzliche Regelungen dazu wurden bereits in einer Dienstvereinbarung zwischen Verwaltungsspitze, einer eigens aufgestellten TVÖD-Betriebskommission und dem Personalrat abgestimmt. Feinheiten zum Punktesystem, etwa wie bei Halbtagskräften oder im Fall von Erziehungsurlaub vorgegangen wird, sollen noch festgelegt werden. Neben den rund 120 Mitarbeitern der VG-Verwaltung müssen auch rund 80 Beschäftigte der Gemeinden bewertet werden, vom Hallenwart und dem Gemeindearbeiter über die Schulsekretärin und den Hausmeister bis hin zur Putzfrau.Die Höhe des Leistungsentgelts beträgt zunächst ein Prozent der ständigen Monatsentgelte des Vorjahres aller unter den TVÖD fallenden Beschäftigten des Arbeitgebers. "In dieser Übungsphase dürfen wir uns noch Fehler leisten", sagt Gabi Thebach, Personalleiterin bei der VG-Verwaltung Trier-Land. "Bei der Zielgröße von acht Prozent geht es schon ans Eingemachte." Die Umsetzung des TVÖD sei schon ein enormer Aufwand, sagt Verwaltungschef Wolfgang Reiland. Grundsätzlich findet Reiland das neue Tarifsystem gut ("Dann wird der Beruf für Neueinsteiger interessanter"), aber er kritisiert auch, dass die soziale Komponente bei Neueinsteigern wegfällt. So werde ein 45-jähriger Familienvater genauso behandelt wie ein Junggeselle mit 20.