Leiter der Stadtbibliothek Weberbach präsentiert 55. Ausgabe des Kurtrierischen Jahrbuchs
Trier · Sie kommen aus Trier und Umgebung oder interessieren sich für kurtrierische Kultur: 22 Autoren haben sich auf 433 Seiten mit der Kultur, Geschichte, Architektur und Literatur der Region befasst. Das Ergebnis: die 55. Ausgabe des Kurtrierischen Jahrbuchs, das erstaunliche Erkenntnisse für den Leser bereithält.
Mittelalterliche Geschichten und Legenden, bislang nicht veröffentlichte Bilder aus dem Trierer Kesselstatt-Album und das Schicksal eines Wittlicher Oberförsters, der NS-Propaganda entlarvte und wegen Denunziation vor Gericht gestellt wurde - Michael Embach, der Leiter der Stadtbibliothek Weberbach und des Stadtarchivs, hat rund 50 Geschichts- und Kulturinteressierten die 55. Auflage des Kurtrierischen Jahrbuchs vorgestellt. Es enthält zwölf wissenschaftliche Beiträge, eine stadttrierische Chronik des Jahres 2014 und Buchbesprechungen.
Franz Irsigler hat eine neue, bislang unbekannte Quelle über die Privatisierung des Wiltinger Weingutes Scharzhof zu Beginn des 19. Jahrhunderts ausgewertet. "Da ist ein kleiner Krimi herausgekommen", sagt Embach.
Aber nicht nur "alte" Geschichten sind zu lesen. Die jüngste Autorin, Hannah Völker aus Trier, hat das Gebäude der KPMG Hauptverwaltung auf dem Kirchberg in Luxemburg unter die Lupe genommen. Sie untersucht, inwieweit Architekt Francois Valentiny - der auch den Turm Luxemburg auf dem Petrisberg entworfen hat - den Bau trotz seiner "radikalen Individualität" in seine Umgebung integriert.
Paul Dräger stellt den Zuhörern in der Stadtbibliothek die Ergebnisse seiner Forschung vor und stellt dabei gewagte Thesen auf: "Ich stelle das mal auf den Kopf und behaupte, die Hystoria korrigiert die Gesta Treve rorum." Damit widerspricht er bisherigen Datierungen der historischen Werke.
Mit einer Schweigeminute gedenken die Besucher des ehemaligen Vorsitzenden des Vereins Kurtrierisches Jahrbuch, Richard Laufner, und des Autors und Redaktors Hans-Joachim Kann. Letzterer hatte bis zuletzt noch an der Drucklegung der 55. Ausgabe gearbeitet.Extra
Als Kurtrier wird das Territorium, das von Trierer Kurfürsten - die gleichzeitig Erzbischöfe waren - verwaltet wurde, bezeichnet. Grob handelt es sich um das Gebiet zwischen Mettlach im Süden und Siegen im Norden. Das Erzbistum war viel größer und umfasste auch französische Gebiete. Man spricht von Kurtrier ab Mitte des 14. Jahrhunderts bis 1803. aweb