Leonie Zeimet (20) aus dem Stadtteil Olewig wird 71. Weinkönigin von Trier

Brauchtum : Zum Wohl: Das ist Triers nächste Weinkönigin

Leonie Zeimet wird am 31. Juli gekrönt. Aber am Mittwoch erfüllt sie schon beim Abendmarkt auf dem Viehmarkt eine Mission.

Warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Das fragt sich Peter Terges, der Vorsitzende der Vereinigung Trier-Olewiger Winzer, inzwischen auch. Denn die Suche nach der nächsten Weinkönigin gestaltete sich in diesem Jahr „lange Zeit sehr schwierig“, wie der 65-Jährige sagt: „Es gab zwar mehrere Bewerbungen, aber die hatten alle einen Haken.“ Denn die jungen Damen sind politisch engagiert – und das sei angesichts der bevorstehenden Kommunalwahl zu heikel: „Egal ob Jusos oder Junge Union. Das geht diesmal einfach nicht.“

Und so stand Terges noch vor wenigen Wochen vor einem großen Personalproblem. Bis zum 3. März. Da gratulierte er in seiner Funktion als Vize-Ortsvorsteher im Namen der Stadt seinem Mitbürger Cornelius Zeimet zum 85. Geburtstag – und hatte „sogleich eine Erleuchtung“. Denn der Jubilar hat ja eine Enkelin, die dem Anforderungsprofil vortrefflich entspricht: „Das hätte mir auch früher einfallen können ...“

Gedacht, gefragt. Und die spontan Auserwählte ließ sich auch nicht lange bitten. „Ich hatte tatsächlich damit gerechnet, irgendwann einmal angesprochen zu werden“, sagt Leonie Zeimet (20). „Nicht, dass ich größenwahnsinnig wäre. Aber eigentlich liegt es auf der Hand, mal wieder auf unsere Familie zurückzukommen.“

Wohl wahr. Schließlich steht der Name Zeimet für eine lange Weinbautradition in Olewig. Der Urahn, der wie die meisten der männlichen Erstgeborenen der Dynastie Cornelius hieß, ist anno 1774 erstmals urkundlich erwähnt. Mitte des vergangenen Jahrhunderts hatten die Zeimets das nach der Familie von Nell zweitgrößte Weingut im Ort.

Leonie Zeimets Urgroßoma Maria war Mitglied im Festausschuss, der 1949 das erste Trierer Weinfest aus der Taufe hob, deren Töchter Rosemarie (1953) und Katharina (1956) waren Weinköniginnen von Trier. 2019 also wieder eine Zeimet, was laut Terges „ein Glücksfall ist, denn so knüpfen wir zum Jubiläum ,70 Jahre Trierer Weinfest in Olewig’ an unsere Wurzeln an.

Die Majestät in spe hat, wie die meisten ihrer Amtsvorgängerinnen aus jüngerer Zeit, keinen direkten Bezug zum Winzerberuf. Die Wingerte sind in der vorletzten Generation verkauft worden, auch die Villa Zeimet am Ortseingang ist nicht mehr in Familienbesitz. Leonies Familie wohnt genau gegenüber.

„Doch als traditionsbewusstes Olewiger Mädchen traue ich mir zu, die Trierer Winzer und ihre Produkte würdig zu repräsentieren“, erklärt die Absolventin des Humboldt-Gymnasiums, die nach dem Abi 2018 (Note: 1,7) ein BWL-Studium an der Uni Trier begonnen hat und nebenher in der Olewiger Weinstube Herbert Oberbillig jobbt.

Die Vorfreude aufs Ehrenamt sei „schon riesig“. Mit der amtierenden Weinkönigin Katja Leiendecker (23) und Sandra Roth (29; Weinkönigin 2015/16) stehe sie in engem Kontakt: „Sie geben mir wichtige Tipps.“ Außerdem besucht sie in Bullay ein Fachseminar bei Weinberaterin Janine Reichert (36), Mosel-Saar-Ruwer-Weinkönigin 2001/02. Praxis-Luft will sie auch beim ersten Trierer Abendmarkt (siehe Info) am Mittwoch auf dem Viehmarkt schnuppern. Dann wird sie am Weinstand von Peter Terges helfen.

Das Weinfest, das gleich am Anfang ihres Majestätenjahres liegt, kennt sie „seit Kindesbeinen. Das ist für die Familie immer so eine Art Pflichtveranstaltung der Marke ,Da simmer dabei!’. Wir haben noch nie Anfang August Urlaub gemacht.“

Diesmal wird Leonie I. die Hauptperson sein – in einem „Traumkleid“, das im Atelier ihrer Mutter Stephanie entsteht. Die 53-jährige Damenschneidermeisterin hat schon mehrere Trierer Weinköniginnen eingekleidet: „Und diesmal ist es mir eine ganz besondere Ehre.“ Und womöglich nicht die letzte. Sie hat theoretisch gute Chancen, noch ein weiteres mal „Queen Mum“ zu werden. Denn schließlich hat Leonie noch eine „kleine Schwester“, die 17-jährige Isabel, die gerade die Jahrgangsstufe 12 des Humboldt-Gymnasiums besucht. Für „Königinnen-Auswähler“ Peter Terges ist Isabel Zeimet „auf jeden Fall eine Option für die Zukunft. Wenn sie 20 ist und möchte, dann werden wir bestimmt bei ihr anklopfen“. Die Großeltern Helga (81) und Cornelius Zeimet vernehmen’s wie im Falle Leonie mit Stolz und Freude.

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