Lernen bei Live-Operationen im Mutterhaus

Lernen bei Live-Operationen im Mutterhaus

Erfahrene Chirurgen im Operationssaal, interessierte Nachwuchsärzte und Fotografen im Übertragungsraum: Das Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier nutzt moderne Methoden zur Fortbildung.

Trier. Die Abteilung Hals-Nasen-Ohren im Mutterhaus Trier besteht seit 40 Jahren. Zum Jubiläum lud das Krankenhaus zum Zusehen bei zwei Operationen ein. Etwa 60 Menschen verfolgten auf einer Leinwand live, wie die Oberärzte Titus Kaldenbach und Peter Kress mit ihren Teams Patienten einen Tumor im Hals beziehungsweise Polypen in den Nasennebenhöhlen entfernten. Während die Spannung in beiden OP-Sälen steigt, führt Chefarzt Friedrich-Peter Schwerdtfeger die Zuschauer in die Thematik ein. Er stellt die Ärzte und die hochmodernen OP-Säle vor. Die operierenden Mediziner beantworten Fragen des Publikums direkt aus dem OP-Saal.Laut Schwerdtfeger ermöglicht diese Methode ein besseres Lernen: "Bei einer Live-OP können viel einfacher Fragen gestellt und auch schneller beantwortet werden. Für die Ärzte im Publikum ist das besser als jeder Lehrfilm." Zu den beiden parallel ablaufenden Operationen halten die Leitenden Oberärzte Peter Schäfer und Rüdiger Schneider Vorträge über die Entwicklung der Kopf-, Hals- und Nasennebenhöhlen-Chirurgie seit 1972. Eine schmale, schlauchförmige Endoskop-Kamera liefert eindrucksvolle Bilder der inneren Organe. Zwischendurch wird in den zweiten Operationssaal umgeschaltet, wo Kress eine Halsgeschwulst entfernt. Immer weiter schneidet der Arzt den Hals auf. Das Blut wird dabei abgesaugt. Die Sicht auf den Tumor ist über die Kameras jederzeit optimal. Während die teils blutigen Bilder für einige bereits so etwas wie Routine sind, können es sich manche Unerfahrene im Zuschauerraum nicht verkneifen, das ein oder andere Mal den Blick abzuwenden oder das Gesicht zu verziehen. Interessant ist es für alle Beteiligten allemal. Der Applaus am Ende beider Operationen bestätigt die Organisatoren darin, verstärkt auf solche Fortbildungsmethoden zu setzen.volksfreund.de/videosExtra

Dr. Friedrich-Peter Schwerdtfeger, 1949 in Mainz geboren, studierte an der Universität in Mainz Medizin und ist seit 1994 Chefarzt der Hals-Nasen-Ohren-Abteilung im Mutterhaus Trier. Mit ihm sprach unsere Mitarbeiterin Anya Delen. Wie viele Mitarbeiter sind in der HNO-Abteilung tätig? Schwerdtfeger: Wir sind derzeit 15 Ärzte. Insgesamt sind 70 Mitarbeiter für die HNO-Abteilung zuständig. Wie viele Patienten hat die HNO-Klinik jährlich, und von wo kommen sie? Schwerdtfeger: Wir haben pro Jahr ungefähr 10 000 ambulante und 5 000 stationäre Patienten. Nur etwa 30 Prozent kommen direkt aus Trier, die anderen 70 Prozent von außerhalb, auch aus dem angrenzenden Saarland und aus Luxemburg. Welche Operationen werden am häufigsten gemacht? Schwerdtfeger: An erster Stelle die Tonsillektomie, die Mandelentfernung. An zweiter Stelle chirurgische Maßnahmen im Nasen- und Nasennebenhöhlenbereich. ade