Lernen mit Aggression

WELSCHBILLIG-HELENENBERG. Eine Projektwoche zum Thema Gewalt liegt hinter den Jugendlichen der Valdoccoschule auf dem Helenenberg. Gestern präsentierten die Teilnehmer ihre Ergebnisse und Werke.

Pause auf dem Schulhof - Thomas sieht, wie zwei Mitschüler Drogengeschäfte abwickeln und erzählt das seinem Lehrer. Der stellt die Jugendlichen zur Rede, doch die Sache verläuft im Sand. Die Kids schwören Rache und knöpfen sich Thomas vor. Dann erscheint eine großformatige Todesanzeige für Thomas. Einen Moment herrscht absolute Stille im Saal, dann kräftiger Beifall. Dieser Vorfall hätte sich auf jedem Schulhof Deutschlands abspielen können. Zum Glück ist es aber nur ein Theaterstück einer der sechs Projektgruppen der Valdoccoschule. "Gewalt an unserer Schule - Wer nichts tut, macht mit", lautete das Motto der Projektwoche, während der sich die Schüler mit allen Aspekten von Gewalt beschäftigten. Die Ergebnisse dieser Woche präsentierten die Jugendlichen nun ihren Mitschülern, Lehrern und Pädagogen. Während eine Gruppe das besagte Theaterstück schrieb und einübte, entwarf eine andere eine dreidimensionale Gipscollage. Zwei Körper, zahlreiche Hände sind zu sehen. "Gemeinsam sind wir stark!", lautet der Titel der Arbeit. Nur viele Hände zusammen können das Thema Gewalt an den Schulen entschärfen, so die Botschaft. Stolz präsentieren die Jugendlichen ihr Werk und erklären sein Entstehen. Die eigenen Hände waren es, die die Schüler "abgegipst" haben und zum gemeinsamen Kunstwerk gestalteten. Eine dritte Gruppe trainierte praktische Übungen zur Gewaltprävention. Spielerisch aufgearbeitete körperliche Auseinandersetzungen bildeten die Grundlage. Da wurde gedrückt, gerungen, wurden Abwehr- und Wurftechniken geübt. "Das wichtigste dabei ist das gegenseitige Vertrauen. Sonst läuft da gar nichts", erklärt der begleitende Pädagoge den staunenden Zuhörern. Auch mit verbundenen Augen, nur auf das Körpergefühl hörend, üben die Kinder. Für alle eine ganz neue Erfahrung. Neue Erfahrungen macht auch die Gruppe, die sich mit den rechtlichen Aspekten der Gewalt befasste. Dazu gehörte der Besuch einer Gerichtsverhandlung und der Wittlicher Jugendstrafanstalt. Unterstützt wurde die Gruppe durch den Jugendbeauftragten der Polizei Trier. Aus Zeitungen schnitten die Schüler Artikel aus, die sich mit dem Thema Gewalt beschäftigten, und staunten, wie viele Artikel da im Laufe einer Woche zusammen kamen. Ihre Ergebnisse präsentierten sie in einer Zeitungscollage und auf Plakaten. Einige Schüler tauchten in die "emotionale Erlebniswelt" ab. Wie fühle ich mich, wenn ich Gewalt ausübe? Wie fühle ich mich, wenn ich Gewalt erlebe? Welche Formen der Gewalt habe ich an der Schule schon selbst erlebt? Erstaunlich, was dabei für eine lange Liste heraus kam. In praktischen Übungen erlebten die Kinder ihre eigene Aggression beim Boxen auf Zeitungen. Was spielt sich ab, wenn ich schlage? Wohl zum ersten Mal beschäftigten sich die meisten Schüler damit so bewusst. Die letzte Gruppe verwandelte den Medienraum der Valdoccoschule in ein Kino. Mit einem selbst gedrehten Videofilm dokumentierte sie die Projektwoche. Sie besuchte die anderen Gruppen, filmte, interviewte die Mitschüler und schuf eine spannende Dokumentation, die 27 Minuten lang die Zuschauer in ihren Bann zog. Zum zweiten Mal beschäftigten sich die Schüler der Valdoccoschule im Rahmen dieser Projektwoche mit Gewalt. Die erste Veranstaltung dieser Art vor zwei Jahren war sehr erfolgreich. "Wir bauen auf Nachhaltigkeit und haben langfristige Strategien erarbeitet", sagt Schulleiterin Christa Jakobs. Diese Woche sei ein Teil davon gewesen. Sie wünsche sich, dass vieles davon bei den Jugendlichen hängen bleibe.