Leseratten treffen auf Polizeischwein Leila

Leseratten treffen auf Polizeischwein Leila

Mit drei Veranstaltungen rund ums Lesen hat die Stadtbibliothek Trier den Lesesommer Rheinland-Pfalz beendet. Im Palais Walderdorff las Autorin Andrea Hensgen aus vier ihrer Kinderbücher. Die Kleinen hörten erwartungsvoll zu. In Trier nahmen insgesamt 225 Kinder am neunten Lesesommer teil.

"Heute bin ich besonders aufgeregt. Ich habe noch nie vor einer so gemischten Gruppe gelesen. Das ist für mich eine Premiere. Wisst ihr, was eine Premiere ist?", fragt Kinderbuchautorin Andrea Hensgen. Die 30 Kinder vor ihr schauen sich fragend an. Sie erklärt: "Wenn ihr zum ersten Mal alleine mit dem Zug zur Oma fahrt, ist das eine Premiere."

Die Stadtbibliothek Trier hat den Abschluss des Lesesommers Rheinland-Pfalz gefeiert. Zwei Monate lang hatten die Kinder die Chance, Bücher auszuleihen und zu lesen. Unter dem Motto "Bücher zu lesen ist viel cooler als sie zu überfliegen" wurde die landesweite Aktion schon das neunte Mal organisiert. Die Stadtbibliothek Trier ist von Anfang an dabei.Schnüffeln und Gangster jagen


Für die Teilnehmer der ersten bis zur fünften Klasse las Kinderbuchautorin Andrea Hensgen aus vier ihrer Romane vor. Sie begann mit der Geschichte der Sau Leila. Diese möchte zur Polizei gehen, da sie so gut schnüffeln kann. Zufällig kommt sie einem Gangster auf die Spur und scheucht ihn auf. Die Kinder im Saal rutschen auf die Stuhlkante und strecken sich, um ja nichts von der Handlung zu verpassen. Sie kleben förmlich an Hensgens Lippen.

Die 57-jährige Autorin erzählt sehr authentisch und bildhaft, was auch bei den Eltern gut ankommt. Hensgen erläutert: "Nirgends komme ich den Menschen näher als beim Lesen. Es eröffnet neue Welten. Gerade in den Sommerferien haben die Kinder viel Freiraum. Da finde ich es gut, dass der Lesesommer die Kleinen zu den Büchern lockt."

Die achtjährige Rebekka hat während des neunwöchigen Lesesommers vier Bücher gelesen. Besonders gut gefallen habe ihr das Buch "Zombie-Alarm" der Reihe "Die Jungs vom S.W.A.P". Ihre Mutter Michaela Casper-Eiden lobt das Förderprojekt: "Lesen verbessert den sprachlichen Ausdruck. Durch den Lesesommer werden die Kleinen auf Neuerscheinungen oder ein neues Genre aufmerksam. Ich hoffe, dass damit in Zeiten des E-Books der Bezug zwischen den Kindern und den gedruckten Büchern nicht verloren geht."

Jugendbibliothekarin Mechthild Brezing ist mit dem Lesesommer zufrieden: "Den Kindern gefällt die Aktion, und sie haben Spaß am Lesen. Das ist unser Ziel." In diesem Jahr haben 225 Kinder teilgenommen (siehe Extra). Sie mussten sich kostenlos anmelden und erhielten eine Büchereikarte. Jedes gelesene Buch wurde in einen Ausweis eingetragen. Zur Kontrolle wurden die Teilnehmer über das zurückgegebene Buch befragt. Der Teilnehmer, der mehr als drei Bücher gelesen hatte, bekam eine Urkunde.

Ganz weit vorne liegt Lucia. Sie ist sieben Jahre alt und geht in die zweite Klasse: "Ich habe 28 Bücher gelesen. Abenteuergeschichten finde ich toll. Mein Lieblingsbuch heißt ,Ungeheuerlich'. Das ist total witzig."
Am Nachmittag jagten die Teilnehmer ab der sechsten Klasse mit einer Rallye durch die Stadtbibliothek. Zudem bot Hensgen eine Schreibwerkstatt für die Großen an.Extra

Beim Lesesommer 2016 haben sich in Trier 225 Kinder angemeldet. Davon waren 152 Mädchen. "Mädchen lesen einfach mehr. Keine Ahnung, warum so wenige Jungen teilnehmen. Es liegt nicht daran, dass es zu wenig Literatur für sie gibt. Ich beobachte oft, dass die Mädchen auch die Lektüre der Jungen lesen", sagt Bibliothekarin Mechthild Brezing. 856 Mal wurden Bücher ausgeliehen. Allein 450 Bücher hat die Stadtbibliothek für die Aktion neu angeschafft. Diese stammen aus Literaturlisten für den Lesesommer. Brezing achte vor allem darauf, dass Fortsetzungen von Büchern aus dem letzten Jahr ins Regal kommen. Landesweit haben sich 187 Bibliotheken am Lesesommer beteiligt. beh

Mehr von Volksfreund