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Leserbrief zu "alte weiße Männer" Trier: Moderatoren statt Brandstifter

Ihre Meinung : Moderatoren in öffentlichen Debatten statt Brandstifter

Stadtrat

Zu den Berichten „Grüne Frauen, weiße Männer und rote Tücher“ und „Erst Turbulenz, dann Rückenwind“ sowie zum Kommentar „Klare Distanzierung fehlt“ (Trierischer Volksfreund vom 8. Juli) erreichten uns mehrere Zuschriften von Lesern:

Dass eine Zeitung über politischen Streit zwischen Parteien berichtet, gehört zu ihren Aufgaben. Nicht zu ihren Aufgaben gehört es allerdings, einen unnötigen Streit zu provozieren, um dann einen Gegenstand zu haben, über den sie berichten und den sie kommentieren kann.

Genau das ist im Falle eines Facebook-Postings der Stadträtin der Grünen, Caroline Würtz, passiert. Da wird ein Social-Media-Beitrag, der an den politischen Kontrahenten gerichtet ist und den Ausdruck „alte weiße Männer“ enthält, zu einer diskriminierenden Äußerung skandalisiert, der Konflikt auf eine ganz Zeitungsseite aufgeblasen und im Kommentar sogar eine öffentliche Distanzierung von  der Autorin erwartet.

Das erinnert an die regelmäßig kritisierten Empörungsspiralen im Internet, wenn Wutbürger wegen nichtiger Anlässe sich verbal in die Wolle bekommen und am Ende nur noch „hate-speechen“ (hasserfüllt sprechen oder schreiben). Journalisten – schon gar nicht, wenn sie in einer Monopolstellung sind – sollen aber keine Brandstifter sein, sondern Moderatoren in öffentlichen Debatten, von denen es derzeit in Trier genug gäbe.

Für die Fragen, was die Globus-Entscheidung für die Geschäfte in der Innenstadt bedeutet, wie sie im Hinblick auf die Erklärung des Klimanotstandes gewertet werden soll oder wie die erwartbaren Verkehrsprobleme gelöst werden können, ist das Bohei um ein Posting absolut irrelevant. Wenn der Volksfreund nicht zu einer lokalen Boulevardzeitung werden will, sollte er sich eher um derartige Probleme kümmern, anstatt eine junge Politikerin an den Pranger zu stellen.

Es ist derzeit viel von Politikmüdigkeit die Rede, in Kommunen fehlen die Kandidaten für politische Ämter. Kampagnen wie diese sind weder geeignet, diese Situation zu verbessern, noch schaffen sie Vertrauen in die Politik.

Im Übrigen handelt es sich bei dem Ausdruck „alte weiße Männer“ längstens um eine feststehende Redewendung – einen sogenannten Phraseologismus –, den man genauso wenig wörtlich verstehen soll wie den Ausdruck „lügen wie gedruckt“. Oder würde der Volksfreund deswegen eine Sonderseite zum Thema „Wahrheit und Presse“ bringen?

Hans-Jürgen Bucher, Trier

Dr. Prof. em. Medienwissenschaft