Leserbrief zu Schülerdemos: Handelt an der richtigen Stelle

Ihre Meinung : Handelt endlich, aber an der richtigen Stelle

Umweltschutz

Zu den Schülerdemonstrationen für Klimaschutz und zum Leserbrief „Wir Eltern stehen hinter unseren Kindern“ (TV  12. April):

Das Engagement der Schüler für die Welt von morgen ist definitiv lobenswert und sollte von ihren Eltern unbedingt unterstützt werden. Doch ist hier der Oberbürgermeister der richtige Adressat?

Eine ökologische Verkehrswende wird in besagtem Leserbrief vom OB eingefordert. Ja, diese ist dringend notwendig. Aber gerade dieser Punkt wird unglaubwürdig angesichts des Verkehrschaos, das von einem Großteil der Eltern- und Schülerschaft tagtäglich verursacht wird. Davon kann sich jeder überzeugen, der zu Zeiten um Unterrichtsbeginn oder -ende an Trierer Gymnasien vorbeikommt. Eltern, die ihre Kinder am liebsten bis vor die Schultafel fahren würden beziehungsweise ungeduldig in ihren SUV auf diese warten, die rücksichtslos Parkplätze, Einfahrten und ganze Bürgersteige blockieren und den Verkehr geradezu lahmlegen, verschmutzen gedankenlos die Luft, anstatt ihre Kinder den Schulweg eigenständig per Fahrrad, Bus oder zu Fuß meistern zu lassen.

Zur Forderung nach einer klima­freundlichen Schulkost mit regionalen und saisonalen Bioprodukten: Ein jeder, der dies fordert, sollte einmal ein Schulessen beaufsichtigen. Die regionalen Produkte bleiben liegen, weil sie zu „bio“ aussehen, zugunsten von knallbuntem Wackelpudding im Plastikbecher oder mitgebrachten Süßigkeiten. Ähnliches gilt für Getränke. Die meisten Schulen verfügen über Spender mit kostenlosem Wasser. Dennoch bringen viele Schüler Süßgetränke in Plastikflaschen mit, die später achtlos auf dem Boden entsorgt werden.

Ja, es stimmt, an diesen Punkten muss dringend etwas geändert werden. Das Engagement der Parents for Future Trier für eine Kehrtwende in allen Ehren, aber müsste es nicht an anderer Stelle ansetzen, nämlich dort, wo die Missstände entstehen? Müsste nicht zunächst das Gros der Eltern- und Schülerschaft sensibilisiert werden, bevor man auf die Straße geht und von anderen, vermeintlich Verantwortlichen fordert, zu beheben, was diese nicht in erster Linie zu verantworten haben? Demonstrationen (zur Unterrichtszeit) wären dann sicherlich authentischer und würden größere Akzeptanz genießen.

Mein Appell richtet sich an die Parents for Future Trier, diese Überzeugungsarbeit in Angriff zu nehmen: „Handelt endlich“, aber an der richtigen Stelle.

Marlis Stolz, Trier

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