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Leserbrief zu Verkehr in Trier: Warum nicht Tempo 30 einführen?

Ihre Meinung : Warum nicht Tempo 30 einführen?

Verkehr

Zum Bericht „Freie Stadt für Radler – zumindest für einen Tag“ (TV vom 9. März):

Wer durch Brüssel fährt, kann dies bis in die Vororte nur lärmreduziert mit Tempo 30 tun. Wer in Zürich einen Parkplatz sucht, der wird nicht fündig und steigt direkt auf den ÖPNV um.

Vor diesem Hintergrund habe ich mir seit dem Votum für ein klima­freundliches Trier verkehrspolitisch mehr erwartet als begrünte Bushaltestellen, Planungen für ein paar autofreie Wohngebiete oder viel Aufwand um einen einzigen autofreien Tag in der Innenstadt.

Vor allem war ich sicher, dass es Parteien links von der Mitte gelingen könnte, nicht nur ihr Klientel zu bedienen, sondern stattdessen sozial ausgleichend wirken zu wollen. Warum nicht auch in Trier mutiger sein, in der Verkehrspolitik die ganze Stadt und dabei besonders benachteiligtes Wohnen im Auge haben?

Zu diesem Zweck hatte ich am Beispiel der Avelsbacher Straße, an der ich selbst wohne, einen wiederholten Vorschlag für eine erste (!) unkompliziert umsetzbare Lärm- und Verkehrsreduktion für ein klimafreundliches Trier gemacht.

Straßen, durch die jeden Tag Zehntausende Fahrzeuge fahren und die zusätzlich durch eine Bebauung bis zur Bordsteinkante einen ungeahnten lärmsteigernden Tunneleffekt erzeugen, wo Schallschutzfenster nicht ausreichen, weil jeder durchfahrende LKW zusätzlich die Hausmauern erschüttert, wo Nachtruhe nur zwischen 0 und 4 Uhr möglich wird, wo Wohnraum also im Grunde „enteignet“ ist – diese Straßen sollten in einer ersten verkehrspolitischen Maßnahme nur noch mit Tempo 30 befahren werden, um attraktiv bewohnbar zu bleiben. Viele andere Effekte einer Temporeduktion sind weitläufig bekannt.

Die Antworten seitens der Stadtverwaltung füllten im klimafreundlichen Trier viele Seiten, die so bereits vor 20 Jahren unter einem konservativen Stadtvorstand formuliert worden waren. Die Reaktionen der vermeintlich progressiven Parteien waren schmallippig oder blieben aus.

Egal welche Maßnahmen einer klimafreundlichen Stadt in Zukunft noch verabschiedet werden: Statt eindimensionalen Denkens und überkreativen Aktivismus wünsche ich mir den zusätzlichen Einbezug von Überlegungen zur sozialen Gerechtigkeit und natürlich die nötige Portion Gemeinsinn.