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Leserbrief zum Kneipensterben: Gute Ideen aus Frankreich

Ihre Meinung : Leserbrief zum Kneipensterben: Gute Ideen aus Frankreich

Infrastruktur

Zum Bericht „Hier wurde Menschlichkeit großgeschrieben“ (TV vom 1. April) über das seit Ende 2019 geschlossene Gasthaus Stenglein in Trier-Ruwer:

Der Bericht ist leider kein Einzelfall, denn mehr und mehr schließen Gaststätten und Kneipen in unserer Region. Wir hatten zum Beispiel auf Mariahof in Trier zwei Gaststätten, die in den vergangenen zwei Jahren geschlossen haben. Ein Gaststättenbesuch ist für die 3500 Einwohner also nicht mehr möglich auf Mariahof.

Unsere französischen Nachbarn haben da nach einer Lösung gesucht, um das auch bei ihnen voranschreitende Bistro-Sterben in kleinen Gemeinden zu bremsen. Premierminister Édouard Philippe rief auf zur Gründung von 1000 Cafés in Frankreich. Man gründete eine SOS-Gesellschaft. Diese wählte unter Hunderten von Bewerbern zunächst die Kandidaten aus, die auch die Anforderungen erfüllten: Unter 3500 Einwohner pro Gemeinde, es darf kein zweites Bistro im Ort vorhanden sein, es sollte möglichst eine Lokalität am Ort vorhanden sein und so weiter. Ich kann nicht alles aus dem Artikel vom 18. 2. 2020 aus dem Journal Sud Ouest zitieren, was an Begeisterung aufgrund der Aktion in vielen Gemeinden entstanden ist. Ich glaube, in Deutschland könnte man sich auch langsam einmal mit dem Thema beschäftigen. Es gäbe bestimmt Gemeinden, die mitmachen würden. Eine weitere gute Idee für Bistrots in kleinen Ortschaften haben meine Frau und ich in einem kleinen Ort in der Nähe von Troyes kennengelernt: Sämtliche Pakete der verschiedensten Paketdienste wurde im Bistrot abgegeben. Die Empfänger wurden vom Kurierdienst per SMS benachrichtigt und konnten ihr Paket abholen. Die Vorteile: ein Anfahrtsweg der Kurierdienste, kein Zeitfenster der Anlieferung, Abholung bis Ladenschluss möglich, Meeting Point für die Bürger  und Umsatz für den Betreiber. Der Besitzer bestätigte uns, dass er mit der Regelung sehr zufrieden sei.

Herwarth Reh, Trier