Leserbrief zum Nordbad Trier: Leidtragend ist die Gesellschaft

Ihre Meinung : Leidtragend ist die Gesellschaft

Schwimmbad

In ihrem Artikel bezweifelt die Autorin die Glaubwürdigkeit der Stadt Trier, die in ihrem Aktionsplan Entwicklungspolitik Ziele und Maßnahmen für eine nachhaltige Zukunft der Stadt aufzeigt und gleichzeitig am 1. Mai die Freibadsaison einläutet. Durch die Öffnung des Freibades zum 1. Juni könne eine echte Energie- und Kosteneinsparung erreicht werden.

Welch grandiose Idee! Aber dann doch bitte konsequent. Ich sehe schon die Schlagzeile vor mir „Stadt Trier schließt alle klimaschädlichen Einrichtungen zum Schutze des Klimas“. Klimastadt wäre Trier dann auf jeden Fall.

Durch den aktuellen Klimahype scheinen andere Aspekte in Vergessenheit zu geraten. Kommunale Einrichtungen verbrauchen nicht nur Energie, sondern fördern den gesellschaftlichen Zusammenhalt: Sie werden von Menschen unterschiedlichen Alters, jedes sozialen Milieus und jeder Herkunft genutzt. Sportliche Einrichtungen, zu denen auch das als „Sportbad“ bekannte Nordbad gehört, begünstigen des Weiteren die nachhaltige Gesunderhaltung unserer Gesellschaft.

Gerade zu Zeiten, in denen laut einer Forsa-Umfrage die Hälfte der zehnjährigen Kinder nicht mehr richtig schwimmen kann, ist die Schließung eines Freibades ein Schritt in die falsche Richtung.

Die Saisoneröffnung von Mai auf Juni zu verschieben, wäre energietechnisch gesehen – wie die Autorin richtig erkennt – „nur ein klitzeleiner Tropfen auf den glühenden Stein“. Die Zahl der Leidtragenden beschränkt sich aber gerade nicht auf eine „überschaubare“ Zahl an Frühschwimmern: Leidtragend ist die Gesellschaft, der ein bezahlbares soziales Angebot genommen wird, was mit einer Verschlechterung der Schwimmausbildung der Kinder einhergeht.

Um es mit den Worten von DLRGVizepräsident Achim Haag zu sagen: „Wer Bäder schließt, um Kosten zu senken, handelt fahrlässig und verantwortungslos“

Charlotte Steffen, Trier

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