Leserbrief zum Thema Riverissiedlung in Trier

Ihre Meinung : Ankündigungen lösen keine Probleme

Stadtentwicklung

Zum Bericht „Zeit drängt in der Riverissiedlung“ (TV vom 18. Januar):

Die jetzt freundlicherweise auch vom TV aufgegriffene Diskussion um die Riverissiedlung ist ein Lehrstück dafür, wie Verwaltung und Rat mit Menschen nicht umgehen dürfen. Ich habe volles Verständnis, dass das Misstrauen der Sinti-Großfamilie gegenüber der Stadtverwaltung groß ist.

Als ich mich in meiner seinerzeitigen Funktion als Kürenzer Ortsvorseher für eine faire Lösung im Sinne der Sinti einsetzte und gemeinsam mit dem Pfarrgemeinderat St. Bonifatius die Auflösung des Wohngebietes als einen traurigen Höhepunkt einer wenig überzeugenden Politik darstellte, wurde ich von der Verwaltung und Teilen der politischen Mitstreiter als Panikmacher abgestempelt. CDU und SPD  (außer Edith Centner) stimmten damals für die Auflösung, UBM und Grüne dagegen. Durch diesen Mehrheitsbeschluss wurde ein Teil der Bewohner gegen ihren Willen aus dem Wohngebiet vertrieben. Nach dem Auszug der letzten Mieter hatte sich niemand um die Erhaltung der alten Substanz gekümmert.

Erfreulich, dass jetzt mit dem geplanten Projekt „Energie- und Technikpark Trier“ die freiwerdende Wohnsiedlung einer geordneten Nutzung zugeführt werden soll, so wie ich dies mehrfach gefordert hatte. Bevor diese geordnete Nutzung eingeleitet wird, wäre es nach meinem Verständnis erforderlich gewesen, die Stadt hätte ein konkretes Angebot für einen Umzug der Sinti-Familien unterbreitet. Leider gibt es dieses konkrete Angebot immer noch nicht. Stattdessen kündigt man an, möglichst rasch einen Umzug der derzeit 40 Bewohner der Riverissiedlung zu erreichen.

Man kann nur hoffen, dass mit der vagen Ankündigung nicht jener Teil der Wahrheit verdeckt wird, der für die Politik eher unangenehm ist. Mit vagen Ankündigungen werden die seit Jahren anstehenden Probleme nicht gelöst. Hier gilt wieder einmal: „Hoffnungen zu wecken ist gut. Taten im Sinne der Wohnbevölkerung sind besser.“ Ohne politischen Druck von den Fraktionen wird sich nach meiner Einschätzung zeitnah nichts ändern.