Leserbrief zur Pauluskirche Trier: Antikenfestspiele in der Kirche

Ihre Meinung : Antikenfestspiele in der Basilika

Infrastruktur

Zum Artikel „St. Paulus und die Frage nach der Zukunft“ (TV vom 13. Januar):

Die Idee, eine leerstehende Kirche einer alternativen Nutzung zuzuführen, hat etwas Prickelndes, etwas Herausforderndes. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Architektur-Büros viel Freude daran haben, planerisch mal so richtig aus dem Vollen schöpfen zu dürfen/können.

Es gab einmal eine Zeit, in der man in Trier die Antikenfestspiele zu Recht für ein Festival ersten Ranges hielt und alles dafür einsetzte, um auf diesem Kultur-Feld zu säen und ernten zu können. Damals sprach man noch nicht von Klimawandel und Klimakatastrophe, dennoch waren es ganz normale „Mistwetter“, die diese Saat nicht auflaufen ließen und mehr Missernten verursachten als hoffnungsvolle Erwartungen erfüllten. Es fehlte einfach eine wetterfeste und damit planungssichere Unterkunft. Wer buchte schon gerne im Vorverkauf einen Platz, wenn die Aussicht auf verregnete Festspielwochen sehr hoch war? Wer ergötzte sich, wenn er bei gutem Wetter und in bester Event-Laune an einer Spielstätte auf den Charme einer Großbaustelle traf, ausgelöst durch die mit Abdeckplanen überdachten Gerüste für die Musiker, die auch als Bühnenbild getarnt nur begrenzt ein positives Festival-Feeling vermittelten? Ein regenbedingter Umzug zwischen erstem und zweitem Akt vom Spielort in die St. Maximin-Halle wurde auch nur selten als originelles Happening betrachtet.

Sicher würden Paulus-Kirche, -Platz und Umgebung dem Anspruch einer antiken Spielstätte nicht im vollen Umfang gerecht. Wenn aber die evangelischen Mitchristen die Pauluskirche übernehmen würden und damit die Konstantin-Basilika, die ja im Ursprung alles andere als eine Kirche war, für die Antikenfestspiele freigeben würden, wäre eigentlich allen gedient. Die Katholiken hätten eine Zuviel-Kirche weniger, die evangelische Gemeinde eine für den Zweck des täglichen wie auch feierlichen Gottesdienstes angemessene neue, ebenfalls denkmal-geschützte Heimat. Und Trier hätte eine Antikenfestspielstätte, die weit und breit vergeblich ihresgleichen suchte. Die Festspiele könnte eine Renaissance erleben, die ungeahnte künstlerische und auch wirtschaftlich tragbare und risikofreie Möglichkeiten bieten würde, andere artverwandte Nutzungsformen eingeschlossen. Authentischer kann eine Bühne dafür kaum sein, an Wetterfestigkeit ist sie nicht zu übertreffen.