Leserbrief zur Stadtentwicklung von Trier

Ihre Meinung : Größer ist meistens nicht besser

Stadtentwicklung

Zum Bericht „Damit Trier nicht ausstirbt“ (TV vom 10. Januar):

Es bestehen wenige oder keine Zweifel, dass die Stadt Trier schon jetzt ihren Verpflichtungen zur Instandhaltung der Basis-Infrastruktur nicht nachkommen kann. So ist die vorgeschlagene Lösung der Stadt nicht verständlich, die Wasserversorgung, Strom- und Straßennetze, öffentliche und andere Infrastruktur mit neuen Baugebieten zu vergrößern, damit man die jetzigen Strukturen instandhalten kann. Diese Einzelheiten sollten den Bürgern genauer erklärt (vorgerechnet) werden.

Denn den Versuch, das jetzige Loch mit einem größer werdenden Loch zu stopfen oder zu verschlucken kann sich nicht jeder vorstellen. Anders ausgedrückt: Wenn man  sein jetziges Haus nicht mehr heizen kann, macht man es  größer, in der Hoffnung, es wärmer zu haben.  Wenn ich meinen Kleinwagen (weniger Infrastruktur) mit einem größeren Auto (größere Infrastruktur) austauschen möchte, muss ich irgendwann damit rechnen, mehr Geld da hineinstecken zu müssen. Ein Loch mit einem größeren stopfen geht wohl nur in der Politik, wo man das Geld der Bürger zur Verfügung hat.

„Neue Baugebiete gleich neue Bürger gleich neue Steuereinnahmen“: Diese alte Gleichung, die noch oft bei Kommunen aufgestellt wird, funktioniert schon lange nicht mehr. Die Gleichung geht, wenn überhaupt, nur sehr kurzfristig auf, wie auch bewiesen beim jetzigen Dilemma der Stadt.

Vielleicht sollte man sich erst mal darauf konzentrieren, die jetzige Infrastruktur instandzusetzen und vorhandene Potenziale der ­Innenentwicklung vermehrt zu nutzen, bevor man neue Gebiete bebaut. Und das, bevor man als Zahlungsmittel die Natur unwiderruflich zerstört. Größer ist meistens nicht besser. Vielleicht müssen weitere Neubürger die Innenentwicklung (mit entsprechender Weichenstellung) vorantreiben. Aber vielleicht hat Trier sein Wachstumspotenzial erreicht. Ein Wachstum, das ohne intensive Investments in die Verkehrsinfrastruktur ohnehin nicht möglich ist.

Ein weiterer Knackpunkt sind die Statistiken um die Einwohnerzahlen und der wirkliche resultierende Wohnungsbedarf für Trier. Aber auch da ist es schwer, die Weichensetzung bei der Stadtverwaltung zu verstehen. Wie kann es sein, dass schrumpfende Einwohnerzahlen neue und große Baugebiete nötig machen? Die Natur darf nicht das Zahlungsmittel sein! Auch diese Einzelheiten und Logik sollten den Bürgern genauer erklärt werden.

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