Letzte Sehnsüchte

Seit 1994 ist die Cusanus Lecture jährlich ein fester Bestandteil des universitären Lebens. Sie ist mit einer öffentlichen Vorlesung Werk und Wirkung des Cusanus' gewidmet. Der emeritierte Züricher Literatur-Professor Alois Maria Haas benannte den diesjährigen Beitrag "... das Letzte unserer Sehnsüchte erlangen".

Trier. Die Cusanus Lecture soll an die spätmittelalterliche Entstehung der Trierer Universität erinnern und die Präsenz des Cusanus-Gedankengutes demonstrieren. Mit Alois Maria Haas, von 1972 bis 1999 Professor für ältere Literatur an der Universität Zürich, hatten das Institut für Cusanus-Forschung und die Cusanus-Gesellschaft in diesem Jahr einen der "bedeutendsten Gelehrten der Gegenwart auf dem Gebiet der Mystik-Forschung" eingeladen, wie Institutsdirektor Walter Andreas Euler den Wissenschaftler vorstellte.Die Mystik interessiert Haas, der zahlreiche Arbeiten und Monographien dazu veröffentlicht hat, nicht nur auf philologischer und literatur-historischer Ebene. Zwar sei er kein Theologe und kein echter Gelehrter des Cusanischen Werkes, sagte Haas, führte das aber mit hoher Kompetenz ad absurdum. Bereits in seiner Jugend gab es erste Berührungspunkte mit Mystik-Literatur. Mit großer Intensität beschäftigt sich Haas mit der Mystik nicht nur des Mittelalters, und die Mystik ist ohne ihren religiösen Hintergrund nicht denkbar.In seinem Referat stellte er Nikolaus von Kues als Mystiker, dessen Werk, die mystische Theologie und sein Gedankengut vor. Im Hinblick auf die Rezeption, aber auch die Entstehungszeit interpretierte Haas die Mystik-Diskussion, erläuterte die antiken Grundlagen, den Sehnsuchts-Begriff und den von Cusanus niedergeschriebenen Weg zur Erfahrung des Göttlichen.