Leuchten statt stürzen

TRIER. Lichtloser Leichtsinn: Radfahrer ohne intakte Velo-Beleuchtung gefährden nicht nur sich selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) und die Polizei raten deshalb allen Pedaltretern, ihr Zweirad vom Fachmann auf Vordermann bringen zu lassen.

Déja vue auf dem Velo: Pünktlich zum Start der dunklen Jahreszeit versagt die Lichtmaschine. Defektes Birnchen, streikender Dynamo, zerrissenes Kabel - was an hellen Sommerabenden nicht weiter störte, wird über Nacht zur Gefahr. Denn wer sich aufs lichtlose Rad schwingt, gefährdet leichtsinnig sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer. "Sehen und gesehen werden ist ein wichtiger Grundsatz für die Teilnahme am Straßenverkehr", weiß Andreas Peters, Vorsitzender der Verkehrswacht Trier-Stadt. Radfahrer müssen auffallen! "Diejenigen, die abends ohne Licht unterwegs sind, handeln nicht nur verkehrswidrig, sondern vor allem verantwortungslos", redet auch Bert Hallerbach, Pressesprecher der Kreisgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), seiner Klientel ins Gewissen. Und Rolf Lamberty von Zweirad Henn ist überzeugt: "Die eigene Gefährdung des Radfahrers ist weitaus größer." Fakt ist: Auch in Trier radeln dunkle Schatten über die Straßen, und sie werden desto zahlreicher, je früher es dämmert. ADFC-Chef Matthias Bellmann ruft deshalb alle Velo-Besitzer dazu auf, "spätestens jetzt die lang vergessene Lichtanlage bei einem Fahrradhändler auf Funktion und Leichtgängigkeit prüfen zu lassen". Dabei sollten auch gleich "alle Komponenten, die im Herbst und Winter stärker beansprucht werden", mit auf den Prüfstand, rät Bellmann und nennt unter anderem Bremsen und Profil der Laufräder.Dynamo bleibt unersetzlich

Was eine optimale Lichtanlage ausmacht, daran scheiden sich derweil die Geister. Voreilig verkündeten ZDF und einige Zeitungen in der vergangenen Woche schon das Ende des Dynamos, doch dann stellte das Bundesverkehrsministerium klar: "Aus Verkehrssicherheitsgründen" könne auf die "unerschöpfliche Energiequelle" nicht verzichtet werden. Im Klartext: Batteriebetriebene Zusatzbeleuchtungen sind zwar zulässig, doch der Dynamo bleibt unersetzlich. Schließlich könne "bei Versiegen des Batteriestroms jederzeit auf Lichtmaschinenbetrieb zurückgeschaltet werden", argumentiert das Stolpe-Ministerium. Peters ist da skeptisch: "Auf Grund der technischen Entwicklung" sei es fraglich, ob diese Regelung noch zeitgemäß ist. Wo der Dynamo angebracht werden muss, schreibt die Straßenverkehrszulassungsordnung nicht vor. Pedalprofis empfehlen deshalb, nach Möglichkeit auf einen Nabendynamo umzusteigen. Dabei ist der Dynamo in die Nabe des Vorderrads integriert. "Das hat den Vorteil, dass der Strom ohne Reibungsverluste erzeugt wird", erläutert Zweiradmechaniker Stephan Olk vom Trierer Bürgerservice. Technisch ausgereifte Nabendynamos sind sogar mit Lichtsensoren ausgestattet; diese sorgen dafür, dass die Beleuchtung in der Dämmerung automatisch einschaltet. Doch mit funktionierendem weißen Vorder- und rotem Rücklicht ist es längst nicht getan. Karl-Peter Jochem, Verkehrssicherheitsberater der Polizei, nennt weitere Pflichtausstattungen: "Speichenrückstrahler sind unbedingt notwendig, damit der Radfahrer auch von der Seite, beispielsweise beim Überqueren einer Kreuzung oder beim Abbiegen, gesehen wird." Auch an einem mit einem "Z" gekennzeichneten roten Großflächen-Rückstrahler führe kein Weg vorbei. Jochem rät außerdem zu auffälliger Kleidung. "Jacken, Hosen, Schuhe und Helme mit integrierten Reflektoren erhöhen die passive Sicherheit", empfiehlt auch Hallerbach vom ADFC. Um die Sicherheit vor allem an Ampeln zu erhöhen, sollen ab Januar alle Neuräder zusätzlich mit einem Standrücklicht ausgestattet werden. Alte Fahrräder werden von der Neuregelung voraussichtlich nicht betroffen sein. Sicht bringt Sicherheit: Matthias Bellmann rät Radlern auch deshalb zu einer funktionierenden Beleuchtung, weil "sich nur mit gutem Licht der Radwegverlauf in Trier überhaupt erkennen lässt".