Leuchtende Bilder mit Botschaft
Ein schwergewichtiges Werk ist die Dissertation von Li-Pen Yu. Auf 528 Seiten edlem Kunstdruckpapier und über 300 zum Teil farbigen Abbildungen hat der Kliomedia-Verlag die wissenschaftliche Arbeit "Die Glasmalerei in Trier" publiziert. Die chinesische Doktorin der Kunstgeschichte schließt mit ihrem Werk eine Lücke in der kunsthistorischen Forschung.
Trier. (cofi) An der Vorstellung ihrer als Buch erschienenen Doktorarbeit konnte Li-Pen Yu nicht teilnehmen. Denn die gebürtige Chinesin erhielt nach Abschluss ihrer Studien in Trier einen Lehrauftrag für europäische Kunstgeschichte an einer Universität in ihrem Heimatstaat Taiwan. Umso stolzer stellte ihr Doktorvater Franz Ronig nach seinem Vortrag über die Glasmalerei von der Gotik bis zur Moderne ihre wissenschaftliche Untersuchung der Trierer Glasmalerei und ihrer Wiederentdeckung im 19. und 20. Jahrhundert vor.Geschichte der Glasmalerei bislang völlig unerforscht
Passend gewählt war der Ort der Veranstaltung mit dem Werkstatt-Turm der Glaswerkstätten Binsfeld, wo viele leuchtende Fensterbilder entstanden sind und noch heute angefertigt werden. Denn Yu konnte die Archive mit Skizzen und Zeichnungen sowie die Auftragsbücher des Trierer Traditionsbetriebes einsehen und wertvolle Hinweise für ihre Forschungen daraus ziehen. "Es ist ein Glücksfall, dass die Archive nicht im Krieg zerstört wurden", sagt Ronig. Allerdings sei die Geschichte der Glasmalerei "in der Kunstgeschichte wie ein weißer Fleck auf der Landkarte", der mit Yus Arbeit nun für Trier ausgefüllt wurde."Diese Auseinandersetzung mit der Trierer Glasmalerei wurde wie eine Entdeckungsreise in einem Labyrinth, zwar oftmals mühsam, jedoch voller Überraschungen und Spannungen", schreibt Yu im Vorwort. Sie liefert ein grundlegendes Werk über die künstlerischen und stilistischen Gesichtspunkte der Glasmalerei zwischen 1860 und 1930 und die Neuentdeckung alter Techniken, ordnet diese Kunstgattung aber auch in kulturelle und politische Zusammenhänge ein. Überdies enthält das Buch Kapitel zu einzelnen Künstler-Viten und somit auch Beiträge zum Kunstleben Triers. "Dieser wichtige Aspekt zieht sich durch das gesamte Buch, war aber ein ausgesprochen dornenvolles Thema, denn die Zuordnung der Werke zu ihren Künstlern musste durch den Vergleich bestimmt werden", erklärt Ronig.Nicht zuletzt ist die Dissertation aber auch eine Aufarbeitung Trierer Wirtschaftsgeschichte. Denn die in den Trierer Glaswerkstätten hergestellten Kirchenfenster finden sich nicht nur innerhalb der Grenzen des Bistums und des ehemaligen Deutschen Reiches wieder, sondern wurden auch ins benachbarte Ausland und sogar bis nach Übersee geliefert.Das Buch ist im Buchhandel und beim Kliomedia-Verlag zum Preis von 46 Euro erhältlich.