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Leuchtende Zeugnisse aus vergangenen Zeiten

Leuchtende Zeugnisse aus vergangenen Zeiten

55 historische Wappenscheiben aus dem Eingangsbereich zur Schatzkammer der Stadtbibliothek sind restauriert worden. Darunter finden sich etwa Wappen des Klosters Himmerod, von Kurfürst Karl Kaspar von der Leyen oder auch Szenen zur Weihnachtsgeschichte. Begutachten kann man sie wieder ab Herbst.

Trier. Man hätte den Blick nach oben richten müssen, um sie zu bemerken: Jahrzehntelang hingen die 55 historischen Wappenscheiben in den Oberlichtern der Eingangshalle zur Schatzkammer der Stadtbibliothek an der Weberbach. "Ich bin auch immer daran vorbeigelaufen", gesteht Josef Peter Mertes, Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Stadtbibliothek Trier.
Bereits 1985 war die wertvolle Sammlung restauriert worden, unterstützt durch die Trier-Gesellschaft. Nun war eine erneute Instandsetzung notwendig. Michael Embach, der Leiter der Stadtbibliothek, berichtet: "Teile der Sammlung waren aufgrund von Witterungseinflüssen von einer giftigen Substanz befallen. Man hätte sie der Öffentlichkeit gar nicht mehr zeigen dürfen."
Für die Kultur und Geschichte der Großregion seien die Scheiben von herausragender Bedeutung. Die Trierer Firma Binsfeld restaurierte die Bleiverglasungen, die Kosten von 8300 Euro übernahm die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Stadtbibliothek. Im Rathaus sind die erneuerten Wappenscheiben nun symbolisch an Oberbürgermeister Klaus Jensen und Bürgermeisterin Angelika Birk übergeben worden.
Michael Embach und Restaurator Norbert Kölzer haben eines der insgesamt 15 Glasfenster mitgebracht, die jeweils bis zu sechs Wappen enthalten.
Der frühere Leiter der Stadtbibliothek, Gunther Franz, wird die Wappenscheiben in einer speziellen Publikation vorstellen. Im Rathaus erklärte er die drei mitgebrachten Wappen: Das linke entstand um 1500, es zeigt den heiligen Willibrord mit seinem Attribut, einem Kind mit gefalteten Händen. Vor ihm kniet ein Abt mit seinem Wappen. Eine Besonderheit: Es wurde farbiges Glas verwendet, in das hineingraviert wurde. Bei dem mittleren Wappen handelt es sich um ein stadtgeschichtliches Zeugnis; es wurde gestiftet von Paul Müllen aus Mülheim, der zum Schiffsleutmeister der Trierer Zunft gewählt wurde. Dargestellt ist der Schiffbruch des Apostels Paulus vor Malta. Die rechte Wappenscheibe ist nur teilweise erhalten, sie zeigt Johannes den Täufer, der hinauf zum Christuslamm weist. In Auftrag gegeben wurde sie von Jakobus Kolmanns, einem Stiftsherrn des Simeonstifts.
Ihre neue Heimat sollen die historischen Wappenscheiben in einem geschlossenen Raum in der Schatzkammer finden. Dort werden sie von künstlichem Licht erleuchtet. Ab Herbst sollen sie der Öffentlichkeit zugänglich sein.Extra

Die 55 Scheiben beinhalten 29 Wappendarstellungen, die die ganze Großregion betreffen. Sie stammen aus den Jahren 1500 bis 1800. Nach der Säkularisierung um 1800 wurden sie im Lesesaal des Priesterseminars gesammelt, der früheren Stadtbibliothek, bis diese im Jahr 1959 ihren neuen Standort an der Weberbach fand. Große Scheiben aus dem Stadtmuseum kamen zur Sammlung hinzu. Unter den Scheiben sind Stifterbilder, biblische Szenen und Heiligendarstellungen zu finden. DQ