Lichtblick für Eltern der "Onkis"

Lichtblick für Eltern der "Onkis"

TRIER. Silke und Laura hatten Leukämie. Eine schwere Zeit für die Mädchen, harte Monate für die Eltern. In der Elterninitiative für krebskranke Kinder der Region Trier e.V. fanden die beiden Mütter Melanie Landry und Monika Audesirk Rückenstärkung.

Der Moment veränderte das Leben von Laura schlagartig: Ein Arzt diagnostizierte Leukämie. Ein halbes Jahr wurde Laura auf der Kinderstation KI des Mutterhauses der Borromäerinnen behandelt. Ihre Mutter Melanie Landry war immer an ihrer Seite. "Wir waren ständig am Warten, auf die Chemotherapie oder auf das nächste Laborergebnis", erinnert sich Lauras Mutter. Auf Station begegnete sie Monika Audesirk von der Elterninitiative für krebskranke Kinder. Sie machte Melanie Landry auf das Elternkaffee aufmerksam. "Dort treffen sich Eltern krebskranker Kinder einmal im Monat, um sich auszutauschen", sagt Monika Audesirk. "Was nützt das schon, habe ich erst gedacht", erinnert sich Melanie Landry. Außerdem wollte sie jede Minute bei ihrem kranken Kind sein. "Irgendwann bin ich dann doch hingegangen." Nach all der Zeit im Krankenzimmer sei das Elternkaffee für sie dann erst einmal eine willkommene Abwechslung gewesen. "Endlich mal raus aus dem Zimmer." Mit dabei: das schlechte Gewissen der Tochter gegenüber. Mit dem schlechten Gewissen fertig zu werden lernte sie in der Gruppe. Mehr noch. Im Elternkaffee gibt es keine Tabus: es wird über Ängste gesprochen, über Heilmethoden, oder die Eltern schalten einfach mal von den Sorgen ab. "Manche Nachmittage sprechen wir nur über Kinoprogramme, ein anderes Mal fließen Tränen", sagt Monika Audesirk. Ihre Tochter Silke erkrankte vor elf Jahren an Leukämie. Ein Arzt habe sie damals ermutigt, ein Elternkaffee zu gründen, "weil Ansprechpartner fehlten, die die gleichen Schwierigkeiten haben", sagt Audesirk. Zehn Jahre hat sie das Kaffee geleitet. Auch nachdem Silke die Krankheit längst überwunden hatte. "Ich wollte meine Erfahrungen weitergeben", sagt Monika Audesirk. Heute leiten Melanie Landry und Ariane Gaffinet das Elternkaffee und den Besuchsdienst auf der KI. Die Idee einiger Eltern, einen Elterngesprächskreis zu gründen, unterstützte Sonja Fischbach von der Villa Kunterbunt. "Während der ambulanten Dauertherapie von Laura habe ich festgestellt, dass telefonieren mit anderen Eltern nicht ausreicht", sagt Landry. Wieder zuhause stellte sie beispielsweise fest, dass eine massive Erziehungsarbeit geleistet werden musste. "Man macht vor allem während der Krankenhauszeit erziehungsmäßig viele Zugeständnisse, und das muss wieder in die richtig Richtung gebracht werden", sagt Lauras Mutter. Der Gesprächskreis hilft. Therapeuten der Villa Kunterbunt unterstützen die Initiative. Auch Ausflüge werden organisiert. "Während des Onki-Familiy- Weekends tanken Eltern und Kinder auf", erzählt Monika Audesirk. Gemeinsame Aktionen und Gespräche stehen dann auf dem Programm. Oder die "Onkis", wie die Kinder in der Elterninitiative genannt werden, fahren ins Disneyland. Finanziert werden die Ausflüge vom Förderverein krebskranker Kinder e.V., vom Verein Von Betroffenen für Betroffene oder von Sponsoren. "Wir organisieren", sagt Monika Audesirk. "Für mich ist die Elterninitiative eine wichtige Plattform zum Austausch mit anderen Eltern und eine Möglichkeit der Krankheitsverarbeitung", sagt Melanie Landry. Sich weiterhin zu engagieren bedeute für sie, "ein bisschen von dem zurückzugeben, was ich bekommen habe".

Mehr von Volksfreund