Liebe ist wie ein Mathebuch

Wie gehen Trierer Schüler mit der Liebe um? Eine Antwort auf diese Frage erhielten 120 Besucher am Sonntag in der Konstantin-Basilika. Mit einer Vernissage wurde die Woche der Schulen im Rahmen der ökumenischen Projektreihe "Shir - das Hohelied Salomos" eröffnet. Bis zum 4. Oktober sind die Kunstwerke zu bestaunen.

Trier. Der Besucher steht vor einer hölzernen Kabine, ähnlich einem Beichtstuhl, und schiebt den Vorhang zur Seite. Das Licht geht an, Liebeslieder erklingen - man steht seinem eigenen Spiegelbild gegenüber.
"Erkenne deine Schönheit" ist das Motto dieses Projektes, das Jugendliche der 11. Jahrgangsstufe des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums (FWG) entwarfen. Bis zum Sonntag, 4. Oktober, werden diese und weitere Schülerarbeiten in der Konstantin-Basilika zu sehen sein. Entstanden sind sie im Rahmen des ökumenischen Liebeprojektes "Shir - das Hohelied Salomos".
Bei der Vernissage und Eröffnung der Woche der Schulen schauen sich rund 120 Interessierte die Kunstwerke an und lassen sich von den Kindern erklären, welche Gedanken sie verbildlicht haben. Die Klasse 8a des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums (DBG) zeigt, wie sehr sie sich mit der Wirkung von Farben auseinandergesetzt hat: "In meinem Bild steht Rot für Wärme, Gelb für Freude und Grün für Hoffnung", erklärt eine Schülerin. Ihre Klassenkameraden tragen dazu eigene Gedichte vor. Dabei wird die Liebe mit einem Mathematikbuch verglichen: "Außen mit einigen Macken - innen voller Rätsel."
Florian Ammermann, Absolvent der Berufsbildenden Schule Gewerbe und Technik Trier, legt dar, wie er die Liebe in seine Meisterarbeit im Schmieden integriert hat: "Meine Figuren bestehen aus zwei Teilen, die sich stützen. Liebe bedeutet für mich Vertrauen und Halt." Er habe sehr lange überlegt, so dass er keine Autofahrt mehr ruhig erledigen konnte, wie er schmunzelnd sagte. So seien aus einer geplanten Figur gleich vier entstanden.
Die 11. Jahrgangsstufe des DBG übersetzt das Hohelied Salomo mit seiner bildhaften Sprache in die Gegenwart. So falle die Freundin auf wie ein knallroter Ferrari und ihre Zähne seien gebleicht wie nach dem Tragen einer Zahnspange. Auch die Kinder der Kindertagesstätte Wichernhaus beschäftigen sich krabbelnd mit der Liebe. Alleine für sich und zusammen mit ihren Eltern gestalten sie zahlreiche Holztafeln. Umrahmt wird die Vernissage von der Jazzband des FWG unter Leitung von Bernhard Nink. Sie widmet sich der Liebe durch ihre Dixieland-Musik.
Karl Rommelfanger aus Trier sieht sich die Vernissage an und zeigt sich beeindruckt von der Leistung der Schüler: "Ich finde es toll, wie ernsthaft sich die jungen Menschen mit der Liebe auseinandergesetzt haben."
Organisator Frieder Lütticken von der evangelischen Kirchengemeinde ist froh, zu sehen, wie sich die Schüler für die Arbeiten der anderen interessieren. Gleichzeitig bedauert er, dass Initiator Uwe Appold aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen konnte, und wünscht ihm alles Gute.Extra

Weitere Veranstaltungen im Hohelied-Zyklus: Kirche mit allen Sinnen: Auf diese Weise können Kinder vom Säuglingsalter bis zum vierten Lebensjahr an der Projektreihe teilnehmen. Bei einem 20-minütigen Krabbelgottesdienst am 9. Oktober um 17 Uhr in der Konstantin-Basilika erfahren sie erste Rituale und singen gemeinsam. Wer sich dem Hohelied Salomo musikalisch nähern möchte, hat dazu am 18. Oktober um 17 Uhr die Chance. In der Konstantin-Basilika trägt der Kammerchor Portavoci Vertonungen des biblischen Textes vor. Anschließend wird die Ausstellung des Künstlers Werner Persy im historischen Weinkeller eröffnet. beh Mehr zum Programm: <%LINK auto="true" href="http://www.konstantin-basilika.de" class="more" text="www.konstantin-basilika.de"%>