Lieber ablenken als selbst arbeiten

Zum Parteitag der Trierer CDU und der Kritik von Parteichef Kaster an OB Klaus Jensen ("Zu wenig Wirtschaft", TV vom 22. November):

Angriff ist die beste Verteidigung - mit diesem Spruch wurde Herr Kaster eventuell von seinen PR-Fachleuten beraten, als er ansetzte, den OB zu attackieren. Wenn die Parteikollegen nicht mehr selbst in der Lage sind, gute Schlagzeilen zu produzieren, dann muss man eben ein wenig rumstänkern. Das wäre wenig bemerkenswert, wenn nicht die Schwäche der Trierer CDU hiermit offen zu Tage treten würde. Man tut sich schwer mit einem Oberbürgermeister, der den Haushalt konsolidiert und sich um die Wirtschaftsbelange kümmert. Eigentlich beides Bereiche, welche die so "wirtschaftsnahen" Christdemokraten gern selbst die letzten zehn Jahre besetzt hätten. Doch gerade hier kommt Zweifel auf. Schröer vernachlässigte seine Rolle als Antreiber zur Haushaltskonsolidierung, und die glücklose ehemalige Wirtschaftsdezernentin schaffte es nicht, die Wirtschaftsförderung nachhaltig zu stärken. Aber auch die derzeitigen Personalprobleme tragen dazu bei, dass lieber abgelenkt als selbst gearbeitet wird: Der herbei gesehnte Hoffnungsträger Kaster musste im Duell mit Billen erste Rückschläge einstecken. Auch der resignierte Sozial- sowie der chaotische Kulturdezernent sind nicht in der Lage, eigene Impulse zu setzen. Umso mehr muss man daher der CDU ans Herz legen, endlich zur Sacharbeit zurückzukehren, statt wild um sich zu schlagen. Schlagzeilen mögen ja für wahltaktische Erwägungen wichtig sein, doch im Endeffekt zählt doch nur die Sachpolitik für die Bürger.Markus Nöhl, Trier kommunalpolitik