Liebeserklärung mit viel Lokalkolorit

Liebeserklärung mit viel Lokalkolorit

Mit ihrem jüngsten Buch "Mosel. Eine Hommage von der Quelle zur Mündung" haben die Autorinnen Annette Köwerich und Hilde Kessel versucht, ein bestimmtes Lebensgefühl zwischen zwei Buchdeckeln einzufangen. In Trier haben sie den Interviewband vorgestellt.

Trier. In der bekannten Fernsehsendung "Zimmer frei", die immer sonntags im Westdeutschen Rundfunk ausgestrahlt wird, ist stets eine bekannte Person zu Gast. Zum Ende einer jeden Sendung gibt es eine Rubrik, die sich die "ultimative Lobhudelei" nennt - Wegbegleiter des Gastes loben diesen in zwei Minuten über den grünen Klee, so gut es eben geht. Die Lobhudelei ist damit nichts anderes als eine klassische Hommage und sie fällt, was kaum überrascht, bei jedem Geehrten anders aus.
Aber wie schreibt man eine Hommage an einen Fluss? Die Autorinnen Annette Köwerich und Hilde Kessel haben es mit ihrem Buch "Mosel. Eine Hommage von der Quelle bis zur Mündung" versucht. Auch sie haben lieber loben lassen: Etwa 60 Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen haben sie gefragt, was diese an der Mosel schätzen und wie sie sich die Zukunft für das Leben im Moseltal wünschen. Herausgekommen ist eine Sammlung der besten Lobhudeleien, gemischt mit vereinzelten historischen, kulturellen und wissenschaftlichen Versatzstücken, von denen die Befragten zu berichten wussten.
In der Trierer Buchhandlung Interbook haben die Autorinnen das soeben erschienene Werk vor etwa 120 Besuchern vorgestellt. Mit dabei waren unzählige Menschen der regionalen Zeitgeschichte, die auch im Buch zu Wort kommen. "Es war uns wichtig, auch den französischen und luxemburgischen Teil der Mosel einzubeziehen. Das fehlt in den meisten deutschsprachigen Büchern über den Fluss", sagte Hilde Kessel, die Initiatorin des Buchprojekts. Annette Köwerich, die für die Interviews verantwortlich zeichnete, charakterisierte die Gesprächspartner (siehe Extra) als "spannende Paradiesvögel", deren Leben sich in weiten Teilen im Tal der Mosel abspiele. Bei der Buchpräsentation sprachen die Weinbauvertreter Jean-Michel Mangeot (Frankreich), Marc Weyer (Luxemburg), Rolf Haxel und Helmut Herber (beide Deutschland) über die Bedeutung ihres Wirtschaftszweigs für die Region. Auch die bildende Künstlerin Mana Binz (Lieser) und der Intendant des Mosel-Musikfestivals, Hermann Lewen (Bernkastel-Kues), berichteten, wie sie die Landschaft künstlerisch inspiriere. kbb
Annette Köwerich/Hilde Kessel (2012): Mosel. Eine Hommage von der Quelle bis zur Mündung. Verlag Bastian, Föhren. 144 Seiten, 15,80 Euro.
www.moselbuch.de
Extra

Etwa 60 Menschen haben die Autorinnen auf dem Weg von der Quelle der Mosel im französischen Bussang bis zur Mündung in den Rhein in Koblenz befragt. Neben zahlreichen Vertretern der Weinwirtschaft sind unter anderem mit dabei: die luxemburgische Sterneköchin Lea Linster, der Weinexperte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Daniel Deckers, der Trierer Geograf Ralph Jätzold, die Bitburger Architektin und Denkmalpflegerin Marie-Luise Niewodniczanska, der Frankreich-Korrespondent der Wochenzeitung Die Zeit, Gero von Randow, und der bekannte Weinkritiker und Publizist Stuart Pigott. Mit der rheinland-pfälzischen Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken und der regionalen Europaabgeordneten Christa Klaß ist auch die Politik vertreten. Zusätzlich enthält das Buch eine Geschichtstafel der Mosel, das Mosellied "Mosella" des spätantiken Dichters Ausonius und eine geologische Karte der Moselweinbaugebiete. kbb