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Lily und der ganz private Blues

Lily und der ganz private Blues

TRIER-NORD. In ihrem an Höhen und Tiefen nicht armen Leben hat Lily Remy die vielleicht schwerste Krise gerade hinter sich gebracht. Nach einem Herzanfall im vergangenen Jahr möchte sie jetzt wieder auf die Bühne zurück kehren.

Seit anderthalb Jahren hat Elisabeth "Lily" Remy (vormals Schaaf) keine Musik mehr gemacht. Wer sie kennt, weiß, wie sehr sie darunter leidet. "Die Musik fehlt mir unheimlich", sagt die 53-Jährige. "Ich brauche sie für meine Seele."Vieles im Leben weggesteckt

Viel hat sie in ihrem Leben weggesteckt, doch ein Herzanfall, eine chronische Muskelkrankheit und drei Operationen im vergangenen Jahr zwangen die Bluessängerin zu einer Auszeit. Halt gaben ihr in dieser Phase vor allem ihr Mann Harry, mit dem sie seit neun Jahren verheiratet ist, und ihre Schwiegermutter Resi, zu der sie ein inniges Verhältnis hat. "Sie ist wie eine Mutter für mich." Lily Remy ist eine Institution in der Region. Dass ihr Bekanntheitsgrad auf Trier und Umgebung beschränkt ist, hat sie so gewollt. "Ich hätte viel mehr machen können", betont die lebenslustige Künstlerin "aber ich war nie auf eine große Karriere aus". Hinzu kommt ihre Heimatverbundenheit. "Trier hat mich nie losgelassen." Schon als Kind hat sie gern gesungen. Mit 13 Jahren vermittelt ihr Vater sie in die Band des Betriebs, in der er als Dreher arbeitet. Wenige Jahre später steigt Triers Antwort auf Joy Fleming bei den "Black Cats" ein, Mitte der 70er bei der Showband "Alb Hardy". Mit "The Twigg" lebt sie ein Zeit lang in Heidelberg und feiert Partys mit den "Scorpions", die in der Nachbarschaft wohnen. In den 80er Jahren zieht sich der Blues nur noch durch ihr Privatleben und sie sich von der Bühne zurück. Ihre erste Ehe ist keine Gondelfahrt in Venedig mehr. Zum Singen, sagt sie später, habe sie keine Motivation mehr gehabt. Für ihr Comeback Anfang der 90er sorgt Pello Bender. Der Gitarrist gründet mit Triers "First Lady of Blues" und den nicht minder beschlagenen Musikern Michael "Kerni" Kernbach (der später bei Guildo Horns "Orthopädischen Strümpfen" Bass spielt), Alfred Zehren, Christian Pellenz, Christine Köhlen und Pezi Nels die Band "The Sentimentals". Der leidensfähigen, emotionalen Sängerin tut es gut, wieder auf der Bühne zu stehen. "Das war eine schöne Zeit, denn gute Musiker kannst Du immer finden, gute Menschen selten." Wenn man ehrliche Musik machen wolle, müsse auch das Zwischenmenschliche stimmen. So wie bei ihrer aktuellen Band. Seit zehn Jahren spielt sie zusammen mit Kalle Georg (Gitarre), Herb Lauer (Schlagzeug) und Sven Schröter (Bass). Momentan beschränken sich ihre musikalischen Aktivitäten jedoch noch auf das Schauen von Konzert-DVDs und Videos. In den Regalen in ihrem Wohnzimmer stehen Frank Zappa, Led Zeppelin und Deep Purple. Doch beim Zuhören soll es nicht bleiben. Nächste Woche geht sie mit ihrer Band "Lily & the Blues Line" zum ersten Mal wieder in den Proberaum. In diesem Jahr feiert Lily Remy 40-jähriges Bühnenjubiläum.