Linksabbieger eiskalt ausgebremst

TRIER. Nach langem Hin und Her ist die Linksabbiegemöglichkeit auf der Zurmaiener Straße in Richtung Shell-Tankstelle/Burger King endgültig gesperrt worden. Hinter den Kulissen war ein heftiger Kleinkrieg vorausgegangen – um Geschäftsinteressen und Verkehrssicherheit.

Angefangen hat das Drama eigentlich schon im Jahr 2001. Damals untersagte die Stadt im Zusammenhang mit der neuen Einfahrt am ehemaligen Militärgelände Castelforte das Linksabbiegen auf das Gelände des Autohofs Görgen. Wer aus Richtung Autobahn zur Tankstelle (damals Dea, heute Shell) oder McDonalds wollte, musste fortan aus Sicherheitsgründen die Abbiegespur an der Ampel zum Hela-Markt nutzen oder einen fetten Umweg samt Wendemanöver in Kauf nehmen. "Eindeutige Umsatzverluste bei allen ansässigen Firmen" konstatierte schon damals Görgen-Geschäftsführer Peter Schlüschen. Was den streitbaren Geschäftsmann besonders wurmte: Nur 200 Meter weiter stadteinwärts lockte eine Shell-Tankstelle samt Burger-King-Fastfood-Station seine potenzielle Kundschaft.Das Gelände der Konkurrenz blieb zu Schlüschens Ärger von beiden Seiten zugänglich. Stadtauswärts durfte in Höhe Burger King weiter links abgebogen werden – trotz amtlichem Status als Unfallschwerpunkt. Damit blieb auch Schlüschens Hoffnung auf der Strecke, in einer Art "Umkehr-Effekt" seinerseits abbiegeverbots-frustrierte Kunden abzustauben.Mitte 2004 begann ein zähes Ringen mit dem städtischen Straßenverkehrsamt. Unter dem Motto "Gleiches Recht für alle" forderte der Tankstellen-Rebell die Stadt zum Handeln auf. Ohne Erfolg. Im Zuge des langfristigen Ausbaus sei zwar ein Linksabbiege-Verbot geplant, teilte das Amt mit. Leider könne die Maßnahme aber "nicht so zügig durchgeführt werden, wie es wünschenswert ist". Eine provisorische Zwischenlösung sei "äußerst kostenintensiv" und würde "nicht in Erwägung gezogen".Damit gab sich Schlüschen, der auch in anderen Fragen mit der Stadt im Clinch liegt, nicht zufrieden. Er schaltete die IHK ein, äußerte gar den Verdacht, es sei "an der Sache gedreht" worden, zugunsten seiner Konkurrenz. Als Anfang 2005 immer noch nichts passiert war, begann er, die Stadt und die Presse mit Fotos zu bombardieren, die abenteuerliche Manöver beim Linksabbiegen in Richtung Burger King/Shell-Tankstelle zeigten. Anfang März besichtigte eine Experten-Kommission die Stelle, und quasi über Nacht wurde das Linksabbiegen verboten. Allerdings hielt sich kein Mensch an die Neuregelung, weil sie lediglich durch die Fahrbahnmarkierung zu erkennen war. Ein letztes Mal nahm Schlüschen die Kamera in die Hand – "mit klammen Fingern", wie er sagt – , dokumentierte die brandgefährliche Situation und hielt den Verantwortlichen bei der Stadt "blauäugigen Aktionismus" vor. Wenige Tage später wurde die Straßenmitte mit einem gelben Reiter abgesperrt – genau jene provisorische Lösung, die einst als unbezahlbar eingestuft worden war. Andere Maßnahmen hätten "nicht zum gewünschten Erfolg geführt", so sei nur noch "die ultima ratio geblieben", erklärt die Stadt."So ist es in Ordnung", sagt Peter Schlüschen nun. Doch des einen Freud ist des anderen Leid. "Drastische Einbußen" konstatiert jetzt Shell-Stationsleiter Steffgen, und auch bei Burger King nebenan sehe er "nur noch halb so viele Autos wie vorher".Kann sein, dass er sich daran gewöhnen muss. Denn die Stadt will erst Ende des Jahres mit dem Ausbau der Zurmaiener Straße fortfahren, inklusive der Linkswendemöglichkeit in Höhe des Abzweigs Hauptfriedhof. Und kommunale Mühlen mahlen im Straßenbau manchmal langsamer als man denkt.

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