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Lob gehört für den Meistermacher der Region Trier dazu

Auszeichnung : Lob gehört für den Meistermacher der Region Trier dazu

Wie Maurer-Nationaltrainer Ralf Schmitz von der Handwerkskammer Trier Talente fördert und sie zu Weltmeistern macht.

Ralf Schmitz (54) liebt seinen Beruf. Schon als Kind hat er gerne gebaut: Seifenkisten, Baumhäuser. Und er war gerne draußen. Etwa wenn das Ober- gegen das Unterdorf in Bengel (Kreis Bernkastel-Wittlich) gespielt hat. In seinem Heimatdorf lebt der 54-Jährige noch heute. Genauer gesagt im Einfamilienhaus, das er geplant und mit eigenen Händen für seine Familie – Frau, Tochter, Sohn – erschaffen hat.

Täglich fährt der Maurermeister 42 Kilometer weit von Bengel nach Kenn bei Trier. Dort leitet er das Berufsbildungs- und Technologiezentrum (BTZ) Bau der Handwerkskammer Trier. Von seinem Schreibtischstuhl aus überblickt er die Werkstatt, wo Lehrlinge schalen, hämmern, sägen. In seinem Büro gibt es einen Computer und viel Papierkram. Man entdeckt einen Eimer mit Schaufeln und digitale Wasserwaagen, am Tisch büffelt an diesem Donnerstagnachmittag Mike Müller für seine Meisterprüfung.

Kürzlich, als Wirtschaftsminister Volker Wissing persönlich vorbeigekommen war, um Schmitz mit der Wirtschaftsmedaille des Landes Rheinland-Pfalz auszuzeichnen (der TV berichtete), wurde der Geehrte während der Feierstunde oft als Meistermacher bezeichnet. Er hat die Medaille erhalten, weil er junge Menschen für das Handwerk begeistert, ihnen viel beibringt - und weil er seit 2018 erfolgreich Nationaltrainer im Bauberuf ist. Die Medaille sucht man vergeblich in seinem Büro.

„Sie ist zuhause in dem mit Samt ausgeschlagenen Kästchen, das aufgeklappt neben dem Fernseher liegt“, sagt Schmitz. Das Lob vom Minister habe gutgetan. Er habe gedacht, sowas bräuchte er nicht. „Man macht den Job jahrelang, bekommt Geld dafür, aber das war dann doch etwas Anderes, eine schöne Anerkennung.“ Der alte Handwerkerspruch: „Wenn man nicht getadelt wird, ist das Lob genug“, bröckelt aus Schmitz´Sicht.

Loben gehört für den Mann mit dem kräftigen Händedruck dazu, wenn er jungen Menschen zeigt, wie man mauert, schalt oder Mörtel anrührt. Aber er lobt nur dann, wenn das Lob gerechtfertigt ist. Bei Schmitz wissen Lehrlinge, wo sie dran sind. „Sonst verflüchtigt sich die Motivation“, sagt er. Vorbild im Umgang mit Lernenden ist ihm auch sein ehemaliger Mathelehrer. „Er war sehr streng, aber man konnte sich auf ihn verlassen.“

Schmitz selbst war 15, Realschüler, begeistert von Mathe und Zeichnen, als sein Onkel, „ein Maurer und Pfundskerl “, ihn mit auf den Bau genommen hatte. „Ich durfte richtig mit anpacken“, erinnert er sich. Und an das überwältigende Gefühl danach, mit eigenen Händen an einem Haus mitgebaut zu haben. „Damit war mein beruflicher Weg eingeloggt.“

Bis heute hat Schmitz zwei Bewerbungen geschrieben - um eine Lehrstelle und die Leitung des BTZ zu bekommen. Die Weichen, um Nationaltrainer zu werden, hat er in Annweiler persönlich gestellt.

Dorthin war er mit rund der Hälfte der circa 130 Auszubildenden gefahren, um der Nationalmannschaft Baugewerbe beim WM-Abschlusstraining zuzuschauen. Als er hörte, ein vierter Nationaltrainer werde gesucht, hat Schmitz sprichwörtlich Nägel mit Köpfen gemacht, gesagt, er wolle es machen, und wurde vom Fleck weg engagiert.

Seitdem ist der Meistermacher, der eine modische Hornbrille und robuste Arbeitskleidung trägt, auch ein Europameister- und Weltmeistermacher. 2018 hat er Christoph Rapp in Kenn trainiert – dieser wurde Europameister. 2019 gewann ein weiterer Schützling Schmitz´ die Goldmedaille bei den WorldSkills, einem Wettbewerb nichtakademischer Berufgsgruppen, im russischen Kasan.

Was dieser internationale Erfolg bedeutet, wird nochmal deutlicher, wenn Schmitz sagt, dass Asiaten zwei Jahre trainieren, um Weltmeister zu werden. 2020 finden die Europameisterschaften in Österreich statt, die WorldSkills 2021 in China. Unter Schmitz´ Fittichen werden wieder Teilnehmer während Trainingsphasen in Kenn dafür trainieren.

Täglich profitieren Lehrlinge - darunter wenige Frauen - vom Können des Maurermeisters. Rund zwei Drittel seiner Arbeitszeit lehrt er in der Werkstatt, ein Drittel ist Bürozeit. Über die Frage, ob sein Rücken mit zunehmendem Alter nicht schmerze, kann Schmitz nur lachen. „Am Schreibtisch zu sitzen, ist unnatürlich, davon bekommt man Rückenschmerzen, aber nicht, wenn man sich bewegt.“

Jungen Menschen, die vor der Berufswahl stehen, empfiehlt Schmitz genau das, was ihn zu seinem Traumberuf gebracht hat: „Ein Praktikum machen und durchhalten.“ Nach zwei Stunden könne man nicht sagen, ob der Beruf Spaß mache.

Und er schwärmt immer noch vom Beruf des Maurers: Ohne Maurer würden Menschen noch in Höhlen leben – und Männer hätten Frauen nichts zu bieten, sagt er augenzwinkernd.