Lobbyarbeit auf zwei Rädern

Wenn es ums Radfahren geht, spricht der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) seit 30 Jahren mit - in Trier immerhin seit 17. Für den Fahrradtourismus, der sich steigender Beliebtheit erfreut, hat der Verband viel erreicht. Doch auch politisch bleiben die Radfreunde stets am Ball - und haben dafür ein "Geburtstagspräsent" vom Stadtrat erhalten.

Die Mitglieder des ADFC treten für die Belange des Radverkehrs kräftig in die Pedale, wie hier bei der Fahrrad-Demo am 16. Mai, vorne die beiden verkehrspolitischen Sprecher Matthias Bellmann und Richard Roscheck (von links). TV-Foto: Mechthild Schneiders

Trier. (mehi) 100 Mitglieder in vier Wochen: Dieses Ziel setzen sich im Herbst 1979 die Gründer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). 30 Jahre später sind es 125 000.

450 zählt allein der Kreisverband Trier. "Im Mai 1991 war das erste Treffen zur Gründung einer Ortsgruppe Trier", erinnert sich Matthias Bellmann (45), Trierer ADFCler der ersten Stunde und verkehrspolitischer Referent: "Da bin ich Mitglied geworden." 1992, als der Landesverband gegründet wurde, war Trier einer der ersten Kreisverbände.

Stark besucht sind die Radmärkte von privat an privat im Frühjahr. "Das ist ein richtiger Selbstläufer." Ein weiteres großes Erfolgsprojekt sei der 1992 erstmals erschienene Radtourenkalender. Dabei sei manches Mitglied gewonnen worden.

Zwar habe der ADFC, wie Bellmann gesteht, "den Riesendurchbruch bisher nicht erreicht". Doch bewirkt habe der Verband viel in der Region. Eine Erfolgsgeschichte sei die Radkarte "Trier und Umgebung", deren dritte Auflage aktuell überarbeitet wird. "Der hat sich extrem gut verkauft, auch, weil wir an die Tourist-Informationen herangetreten sind." Diese Zusammenarbeit funktioniere gut. "Bett & Bike" - eine Initiative des Bundesverbands, bei der die Trierer mitgearbeitet haben - spiele auch in der Region eine Rolle. "In den 90er Jahren haben wir ein beispielhaftes Beschilderungskataster erstellt. Da ist inzwischen viel passiert, viele Strecken sind heute beschildert", berichtet Bellmann. Auch die "vernünftige" grün-weiße Radwegebeschilderung in Trier sei auf Hinwirken des ADFC entstanden.

Für viele Verbesserungen des Fahrradverkehrs hat der ADFC den Anstoß gegeben. Dazu, dass viele Einbahnstraßen in Trier von Radfahrern in Gegenrichtung befahrbar sind - der Bundesverband war an den Novellen des Straßenverkehrsordnung (StVO) beteiligt. Dazu, dass keine "Felgenkiller", sondern Bügel-Fahrradständer in der Stadt aufgestellt sind.

Ein Erfolg, "mit dem wir nicht ganz zufrieden sind", ist das Fahrradparkhaus an der Porta Nigra. "Es ist unser lang gehegter Wunsch, etwas für die Fahrradtouristen zu tun", sagt Bellmann. Bereits in den 90ern habe es Kontakte mit der Tourist-Information Trier (TIT) und dem Bürgerservice für eine Fahrradstation gegeben.

"Da bietet sich der Hauptbahnhof an." Die jetzige Lösung, saisonal und zeitlich eingeschränkt, sei "ein kleiner Schritt in die richtige Richtung".

Zwei alte Forderungen - die bei der Fahrraddemo im Frühjahr im Zehn-Punkte-Programm enthalten waren - hat der Stadtrat dem ADFC sozusagen als Geburtstagsgeschenk erfüllt: die Öffnung der Fußgängerzone für den Radverkehr entsprechend der Lieferzeit zwischen 19 bis 11 Uhr zu verlängern sowie testweise Ost-West-Querungen in Höhe Kornmarkt, Margaretengässchen und im Bereich der Treviris-Passage einzurichten.