Longuich hat am Volkstrauertag das um Gedenk-Stelen für Opfer der Gegenwart ergänzte Ehrenmal eingeweiht.

Volkstrauertag : Der Opfer von gestern und heute gedenken

Longuich hat am Volkstrauertag das um Gedenk-Stelen für Opfer der Gegenwart ergänzte Ehrenmal eingeweiht.

Die vielen Menschen vor dem Ehrenmal am Longuicher Friedhof haben das Besondere der diesjährigen Gedenkfeier deutlich vor Augen geführt. Hundert Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs dürften am Volkstrauertag vielerorts mehr Menschen als sonst der Toten und Vermissten beider Weltkriege gedacht haben. Longuich bezieht dabei nun auch die Opfer der Gegenwart mit ein – und das dank eines entsprechend ergänzten Ehrenmals an allen Tagen des Jahres. Soldaten der Bundeswehr, die bei Auslandseinsätzen starben, gebühre es ebenso wie ihren Angehörigen, mit eingeschlossen zu werden, begründete Ortsbürgermeisterin Kathrin Schlöder. Ebenso seien die vielen Menschen, die derzeit „auf der Flucht vor Gewalt, Unterdrückung und Krieg“ seien, mit einzubeziehen. Deutschland lebe seit 73 Jahren in Frieden. Doch „es passiert jetzt auch“, zitierte sie die Worte auf vier neuen Stelen am Ehrenmal. Auf jeder Stele steht ein einzelnes Wort, das dank spezieller Lichttechnik im Dunkeln noch mehr ins Auge fällt. Schlöder appellierte, nicht darin nachzulassen, „das Recht auf Frieden und Freiheit für uns und für andere“ einzufordern. Der Volkstrauertag sei nicht nur ein Tag des Gedenkens und „des Engagements für ein gelingendes Miteinander in Europa und der Welt“. Er sei auch ein Tag kritischer Reflektion - „und damit der Immunisierung gegen billige Parolen, die Menschen anderer Herkunft, Religion oder Hautfarbe abwerten“. Dauerhafter Friede brauche Offenheit und Beharrlichkeit. Denn „das Mahnen für die Gegenwart und Zukunft“ wachse aus der Erinnerung.

Seit 2011 befasste sich der Gemeinderat intensiv mit der in einer Gemeinderatssitzung beantragten Idee, das Ehrenmal zu erweitern. Ursprünglich errichtet für im Ersten Weltkrieg gefallene oder vermisste Soldaten, wurde es nach 1945 um die Toten des Zweiten Weltkriegs ergänzt und nun auch für „Opfer von Krieg, Gewaltherrschaft und Vertreibung in heutiger Zeit“. Schlöder berichtete von eingehenden Diskussionen im Rat, der sich nicht nur mit der Frage befasste, „ob Platte, Stele oder Stein“ angebracht werden sollten. Wichtig sei vor allem gewesen, die ursprüngliche Bedeutung des Ehrenmals nicht zu beeinträchtigen. Der verstorbene frühere Beigeordnete Jimmy Egner habe dann den entscheidenden Vorschlag gemacht, die Hochschule Trier mit einem Ideenwettbewerb einzubinden. Das Engagement der Studierenden und ihrer Dozenten sei „sehr beeindruckend“ gewesen, betonte Schlöder. Prämiert wurde letztlich der Entwurf von Julia Schneider, dem die Ortsbürgermeisterin ebenso dankte wie den Firmen, die die Idee umsetzten. Die Gedenkfeier wurde umrahmt von einer Kranzniederlegung durch Aktive der freiwilligen Feuerwehr und Beiträge der Chorgemeinschaft der Männerchöre von Longuich, Issel und Schweich. Nach der formellen Totenehrung segnete Priester Richard Atchadé das für zirka 15 000 Euro erweiterte Ehrenmal ein. Zur Finanzierung der Kosten hofft die Gemeinde auf einen Zuschuss der „Stiftung Zukunft“ des Kreises.