Losgelöst vom Tutti

Trier. (gkl) Herausgelöst aus dem Orchesteralltag, aber auch aus der Gesamtklangsicherheit, veranstalten die Musiker der Trierer Philharmonie immer wieder Kammerkonzerte, in denen sie ihr individuelles Können unter Beweis stellen. Die jüngste Matinee wird dabei eine besondere Stellung in der Chronik dieser Veranstaltungen einnehmen.

Das Orchester des Stadttheaters ist vom Können seiner Mitglieder her oftmals ein musikalisches Aushängeschild für die Stadt Trier. Und das nicht erst, seitdem der Klangapparat namentlich vom Städtischen Orchester zu einer Philharmonie mutierte. Nun ist es aber immer ein Unterschied, ob die Musiker als sinfonische Gruppe auftreten, oder ob sie sich als Einzelkünstler in der Kammermusik präsentieren. Hier werden ganz andere Anforderungen an den Einzelnen gestellt. Hier kann er sich nicht auf die Barmherzigkeit des Gesamtklanges verlassen. Seit einigen Jahren schon veranstalten die Mitglieder des Orchesters immer wieder kammermusikalische Matineen, in denen sich immer wieder zeigt, dass ihre Leistungsfähigkeit weit über den so genannten Tuttiklang hinausgeht. Der Römersaal im ehemaligen Kloster St. Irminen hat sich hierbei inzwischen als sehr geeignete Spielstätte erwiesen. Miyuki Murayama-Wächter, Michaela Herr und Ketino Ruchadze hatten jetzt wieder einem Konzert in den stilvollen Saal am Moselufer eingeladen. An den Anfang des Programms hatten sie das Klaviertrio in B-Dur, KV 502, das zweite der fünf so genannten Wiener Trios von Wolfgang Amadeus Mozart, gesetzt. Es ist bekannt, dass diese Kompositionen vom Pianisten ein ganz besonderes Fingerspitzengefühl erfordern, damit die sensible Balance zwischen den einzelnen Stimmen erhalten bleibt. Eine Anforderung, die für Ruchadze kein Problem darstellte. Was dem leider nur in bescheidenem Umfang anwesenden Publikum geboten wurde, war ein herrlich spritziges, vorwärts drängendes Werk, das in den beiden Ecksätzen auf charmante Art sehr energiegeladen war. Einen Kontrapunkt setzte der Mittelteil, in dem sich die weit gespannten, tragfähigen Bögen schon fast als Blick in die romantische Zukunft der Kammermusik entwickelten.Ohne Probleme

Ernest Chaussons "Poème", Opus 25, erklang in der Fassung für Violine und Klavier. In perfekter Zusammenarbeit mit Ruchadze erzählte Murayama-Wächter die impressionistische Geschichte, bei der ihr die hoch gesteckten technischen Ansprüche keinerlei Probleme bereiteten. Die noch junge Geigerin, die für diese Saison den Posten des stellvertretenden Konzertmeisters innehat, überraschte mit Ausdrucksstärke, Virtuosität und stilistischer Reife. Schon häufiger trat die Cellistin Herr als Kammermusikerin in Erscheinung und belegte ihr großes Talent in diesem Genre. So war es nicht allzu verwunderlich, dass ihre Interpretation von Sergej Rachmaninows Sonate g-Moll, Opus 19, zu einem technischen wie musikalischen Bravourstück geriet. Ob nun die vorpreschende, drängende Rhythmik des Scherzos oder die melancholische, düstere Stimmung des Andante, ob die Lieblichkeit des ersten Satzes oder die mitreißende Thematik des Finales, alles befand sich bei Herr, souverän von Ruchadze unterstützt, in besten Händen.

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