Lucky und die Leseratten

TRIER. Entscheidung beim Vorlese-Wettbewerb: Jana Ewald und Meike Rahner belegten die ersten Plätze beim Bezirksentscheid in der Akademischen Buchhandlung. Für sie geht es nun zum Landeswettbewerb des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Blasssind sie um die Nase. Das ist ein Zeichen für Lampenfieber.Vanessa hat ihre beste Freundin zur Unterstützung mitgebracht.Janas Mutter hat in einer der hinteren Stuhlreihen Platzgenommen. Sechs Mädchen und vier Jungs halten sich an Büchernfest. Die haben sie mitgebracht. Aus denen werden sie eine kurzePassage vorlesen, die sie sich selbst ausgesucht haben. Alle sind im Durchschnitt zwölf Jahre alt und besuchen die 5. oder 6. Klasse. Aufgeteilt worden sind sie in zwei Gruppen: Hauptschulen und Gymnasien/Realschulen. Als Teilnehmer des Bezirksentscheids im Vorlesewettbewerb des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels haben die beiden jeweiligen Sieger die Chance, beim Landeswettbewerb anzutreten. Sind sie auch dort erfolgreich, geht es sogar zum Bundeswettkampf. Doch zunächst muss die Jury in Trier vom Vorlese-Können überzeugt werden.

In der Akademischen Buchhandlung Interbook, die den Bezirksentscheid ausrichtet, betreut Petra Möhn den Lese-Wettstreit. Als Buchhändlerin ist sie für die Kinder- und Jugendbücher zuständig. Das Regelwerk sieht vor, dass jedes Kind zunächst innerhalb von drei bis fünf Minuten einen selbst gewählten Text vorträgt. Ferner soll das Buch kurz vorgestellt werden. Als Anhaltspunkte für die Preisrichter gibt es Kategorien, in denen Punkte vergeben werden. Im Bereich der Lesetechnik wird etwa bewertet, ob das Kind den Text sicher beherrscht - mit deutlicher Aussprache, stimmlichen Möglichkeiten, angemessenem Lesetempo und sinngemäßer Betonung.

Atmosphäre einfangen

"Versprecher nicht überbewerten!", heißt es in den Unterlagen des Börsenvereins. Außerdem geht es darum, ob beim Vortrag die Stimmung und Atmosphäre des Textes eingefangen und wiedergegeben werden können. Bei dem bekannten Vorlesetext wird darauf geachtet, dass der vorbereitete Textabschnitt schlüssig ist, Anfang und Ende verständlich sind und die Zeitplanung stimmt.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Bezirksentscheids haben unterschiedliche Bücher im Gepäck. Die Titel heißen zum Beispiel "Küsse, Flirt und Torschlusspanik", "Vorstadt-Krokodile", "Weiberkram" oder "Spatzenmilch und Teufelsdreck".

Nach der ersten Runde hat jedes Jurymitglied seine Favoriten ausgemacht. Die Entscheidung ist jedoch noch nicht gefallen. Die Kinder müssen in der zweiten Runde einen unbekannten Text vorlesen. Petra Möhn hat für sie "Die wunderliche Reise von Oliver und Twist" von Antonia Michaelis ausgesucht.

Damit Jury und Besucher nicht zehn Mal den gleichen Text zu hören bekommen, gibt es für die Hauptschüler und die Gymnasiasten/Realschüler unterschiedliche Textstellen. Während ein Kandidat an der Reihe ist, warten die anderen im Büro der Buchhandlung auf ihren Einsatz. Am Ende zieht sich die Jury zur Beratung zurück. Die ersten Plätze belegen schließlich Jana Ewald und Meike Rahner.

Jana besucht die 6. Klasse der Stefan-Andres-Hauptschule in Schweich. "Bücher müssen für mich witzig und spannend sein", verrät sie über ihre Lesegewohnheiten. "Wenn es mir gefällt, schaffe ich ein Buch an einem halben Tag." Meike besucht das Trierer Hindenburg-Gymnasium. Sie hatte sich für einen Text aus dem "kleinen Prinzen" entschieden, in dem der Prinz einen Geographen besucht und zu seiner Blume befragt. "Meine Eltern sind Geographen", erklärt sie später.

Verlierer gibt es unter dem Vorlese-Nachwuchs nicht. Für jeden hat Petra Möhn ein Buchpaket geschnürt. Als Zugabe spendete der Trierische Volksfreund jedem sein Maskottchen Lucky. Wie Meike und Jana, Jonathan Lua, Vanessa Marschall, Michael Mey, Tamara Pützstöck, Martin Bermes, Lena Ehlers, Svenja Gräfen und Mario Kön ist Lucky nämlich eine waschechte Leseratte.