Lustiges aus dem Ruhrgebiet hinter Gittern

Lustiges aus dem Ruhrgebiet hinter Gittern

Für die einen bedeutet es Abwechslung vom Gefängnisalltag, für den anderen eine neue Erfahrung hinter Gittern: Bei seinem Auftritt in der Trierer Justizvollzugsanstalt hat Komiker Hennes Bender die Lachmuskeln der Häftlinge gereizt. Der Bochumer hatte Anekdoten über seine Heimat, das Ruhrgebiet, im Gepäck.

Trier. Während die Häftlinge der Trierer Justizvollzugsanstalt ihre Strafe verbüßen, gibt es für sie wenig zu lachen: Sie haben das eigene Zuhause gegen eine Gefängniszelle eingetauscht, der einzige soziale Kontakt sind die männlichen Mithäftlinge und das JVA-Personal. Da kommt der Auftritt von Hennes Bender im früheren Filmvorführsaal gerade recht. Der 43-jährige Bochumer, bekannt aus Fernseh-Comedysendungen, tritt wie alle Künstler in der JVA ehrenamtlich ohne Gage auf. "Wir hatten hier schon Lesungen und Konzerte, aber das ist der erste Comedian", berichtet Elisabeth Knapp, die sich um die Organisation der seltenen Gastspiele kümmert. Auf eine Anfrage der JVA Trier hatte Bender Anfang des Jahres spontan zugesagt.
31 von aktuell 143 Häftlingen wollten sich den Besuch des Comedians aus dem Ruhrgebiet nicht entgehen lassen. Nicht jeder der Insassen, der sich für die Veranstaltung beworben hat, durfte am Ende auf den Stühlen des theaterähnlichen Raumes Platz nehmen. Sogenannte Tatgenossen, die bei ihrer Straftat miteinander zu tun hatten, oder Insassen, gegen die Disziplinarmaßnahmen laufen, dürfen nicht teilnehmen.
Bei seinem Auftritt vor den Inhaftierten gibt Hennes Bender eine Kostprobe aus seinem Programm. Er erzählt über die A 40, auf der ewig Stau herrscht, und seine Erfahrungen mit den Sonderangeboten beim Aldi. Immer wieder spielt er locker auf die Häftlinge und ihre Situation an. Als er über neue Werbeslogans für die Ruhrgebietsstädte sinniert, spart er auch Gladbeck nicht aus: "Gladbeck - lassen Sie sich entführen", lautet sein Vorschlag mit dem er auf das Gladbecker Geiseldrama 1988 anspielt. "Den hier zu bringen heute - darauf habe ich mich den ganzen Tag gefreut", gesteht er dem Publikum. Seine Zuschauer nehmen ihm solche Seitenhiebe nicht übel. "Es hat großen Spaß gemacht, ihm zuzuhören. Das liefert uns in den kommenden Tagen neuen Gesprächsstoff", sagt ein Häftling.
Hennes Bender hat bereits Erfahrungen hinter Gittern gesammelt: In Castrop-Rauxel ist er schon vor Häftlingen aus dem offenen Vollzug aufgetreten. "Ich nehme solche Herausforderungen gerne an. So etwas macht man einfach nicht jeden Tag", sagt er. Mit seinem Auftritt vor dem etwas anderen Publikum ist er zufrieden. "Ich hatte den Eindruck, dass die Inhaftierten am Ende viel entspannter waren", sagt Bender.
Diesen Eindruck bestätigt Jürgen Thurn, stellvertretender Leiter der JVA. Solche Veranstaltungen würden den Alltag der Häftlinge, die im Durchschnitt sechs bis sieben Monate in Trier ihre Strafe verbüßen, auflockern.
Für die Gefangenen hat Hennes Bender einige seiner Bücher mitgebracht - ein Geschenk natürlich. Jedem Einzelnen stellt er eine Autogrammkarte aus, auf Wunsch mit persönlicher Widmung. "Ich hoffe, dass wir uns wiedersehen - aber nicht hier. Ich wünsche euch alles Gute, auch beruflich", verabschiedet er sich scherzhaft.