Mädels auf der Rolle

TRIER-NORD. Mädels, die auf rollenden Brettern stehen, sind eine rare Spezies. Nur zwei Prozent der Skater-Gemeinde sind weiblichen Geschlechts. Im Ex-Haus startete ein Camp, das Board-begeisterten Mädchen intensive Trainingsgelegenheit bietet. Initiatorin Nina Krotten hat eigens eine Profi-Skaterin von der Spree an die Mosel gelockt. Drei Tage stehen für die 14 Teilnehmerinnen im Zeichen der vier kleinen Rollen.

"Zoe, ziehst du mal bitte deine Gummistiefel an?" Die Aufforderung, die vom benachbarten Kinderspielplatz herüberschallt, mag so gar nicht zu dem sportlichen Szenario auf dem LGS-Skatepark passen. Mit Gummistiefeln wären die Mädels auf ihren Board ziemlich aufgeschmissen - oder würden viel eher abgeworfen. Da sind die geschnürten Sneakers schon die bessere Variante. Nun noch Helm, Knie- und Ellenbogen-Schützer, und endlich kann es losgehen. Die Rollen gleiten beinahe geräuschlos über den glatten Betonboden. Eine fast andächtige Stille könnte herrschen, wär da nicht das dauernde Gekicher und Gekreische wenn das Brett mal schneller ist als seine Besitzerin und diese plötzlich hart mit der Realität des Hosenbodens konfrontiert wird. A propos Hosen: Stilecht blitzen bei den besonders modebewussten Camp-Teilnehmerinnen Boxershorts aus den Baggy-Jeans. Dennoch steht Frauenpower pur auf dem Stundenplan des Skatecamps. Eine Idee von Nina Krotten. Im Rahmen ihrer Diplomarbeit über "Geschlechtsspezifische Unterschiede im Sport" hat die Sportstudentin dieses Camp ins Leben gerufen. Sie steht seit ihrem 14. Lebensjahr auf dem Brett und weiß wovon sie spricht, wenn es um die Minderheit der Mädels in der Skaterszene geht. Deshalb hat sie sich auch weibliche Verstärkung organisiert: Die Berlinerin Anja Grabow hat schon mehrfach solche Camps geleitet. Dass die 26-jährige erst seit acht Jahren skatet, lag an ihren Eltern: "Sie haben mir lange Zeit kein Brett erlaubt. Also bin ich erst mal auf Fußball umgestiegen." Eine Teamkameradin, die ihr Skateboard mitbrachte, ließ Anjas Leidenschaft für das rollende Brett wieder aufflammen. Dass sie relativ spät mit dem Skaten angefangen hat, sieht sie positiv: "Das war schon ganz gut, denn so stand ich über den Sprüchen, die die Jungs so losgelassen haben." Anja nimmt an Wettbewerben teil und gibt ihr Wissen gerne weiter. Dabei stellt sie sich immer spontan auf ihre Schützlinge ein: "Nach einer Stunde siehst du, wie motiviert sie wirklich sind, nach einem halben Tag, wie viel Talent vorhanden ist." Bisher brennen die Mädels vor Motivation. Kaum stehen sie auf dem Brett, ist die Kofferschlepperei durch die verwinkelten Ex-Haus-Flure vergessen. Im Sinne der Camp-Philosophie steht auch gemeinsames Kochen, Essen und Schlafen auf dem Programm. Schon aufregend, wenn man drei Tage das Eltern- gegen das Ex-Haus eintauschen kann. Da funkeln auch die Augen der jüngsten Teilnehmerin. Im Notfall kann die neunjährige Tina Bennemann immerhin auf ihre große Schwester zurückgreifen. Das Aufkommen von Heimweh erscheint angesichts des vollen Programms unwahrscheinlich: LGS-Skatepark, Luxemburg und vielleicht noch die neue Anlage in Wincheringen Mädels "auf der Rolle" sind eben mobil.

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