Mähen, binden, dreschen

TRIER. Rund 50 Jahre alt ist das Foto unserer heutigen "Stadtgeschichten"-Folge. Es zeigt das Brubacher Kapellchen und gewährt gleichzeitig einen Blick in eine Zeit, in der Muskelschmalz und Familie wichtige Rollen in der Landwirtschaft spielten.

Das Feld im Vordergrund des Bildes gehörte Ende der 50er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts zu den Parzellen der Brubacher Bauernfamilie Peter und Anna Kuhn. Zusammen mit den Großeltern, den drei Kindern und einer Tante lebten die Kuhns auf dem großen Gehöft, das heute noch zum Brubacher Hof gehört. Drei weitere Landwirte mit ihren Familien gehörten zur Hofgemeinschaft. "Bei der Feldarbeit musste damals die ganze Familie mithelfen", erzählt Marlene Bonertz, geborene Kuhn. Bei der Aufnahme des Fotos war die heute 59-Jährige etwa elf Jahre alt. "Nach der Schule und in den Ferien waren auch wir Kinder bei der Getreideernte dabei", erinnert sie sich an die Zeit vor fünf Jahrzehnten. "Aus jeweils zwei Getreidehalmen haben wir Seile gebunden, mit denen die Garben zusammengefasst wurden." Gemäht wurde mit einem Balkenmäher, der von zwei Ackerpferden gezogen wurde. Ein Familienmitglied musste neben den Pferden hergehen. Einer saß auf der motorlosen Maschine, fasste die abgemähten Halme zusammen und legte sie als Bündel auf dem Feldboden ab. "Hinter der Mähmaschine herzugehen und die Bündel mit unseren Seilen zu Garben zusammenzubinden, war die Aufgabe der Frauen", erinnert sich Marlene Bonertz. Jeweils acht Roggen- oder Weizengarben wurden zu so genannten Kasten zusammengestellt, wie sie auf dem Foto zu sehen sind. Die Kasten blieben einige Tage zum Vortrocknen stehen und wurden dann zum Dreschen eingefahren. "Den Großteil der Körner haben wir zu einer Mühle in Olewig gebracht, ein Teil wurde als Saatgut zurückgehalten, ein Teil zu Viehfutter verschrotet", zählt Marlene Bonertz die vielen Arbeitsschritte auf. "Und zwischendurch mussten ja noch die Kühe gemolken und die Schweine und Hühner gefüttert werden." Mitte der 70er-Jahre übernahm ihr Bruder Franz den Hof von den Eltern. Zusammen mit ihrem Mann zog Marlene in ein Haus gegenüber des elterlichen Hofs. Franz Kuhn bewirtschaftet auch heute noch - allerdings im Nebenerwerb - das Feld vor dem Brubacher Kapellchen und baut Gerste, Weizen und Hafer dort an. Garben und Kasten allerdings sind heute auf den Feldern nicht mehr zu sehen. Das Brubacher Kapellchen feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag. Für den 27. August bereitet der Festausschuss des Pfarrgemeinderats Mariahof und die Brubacher Hofgemeinschaft ein Kapellenfest mit buntem Programm vor.

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