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Männer dominieren die Rathäuser …

Männer dominieren die Rathäuser …

In den Verwaltungen des Kreises sind die Geschlechter etwa gleich stark vertreten, in den Führungspositionen dominieren aber eindeutig die Männer. Sie hätten gerne mehr Frauen in der Chefetage, sagen die Bürgermeister, aber es mangele an Bewerberinnen.

Hermeskeil. (alf) Die sieben Verbandsgemeinde-Verwaltungen im Kreis und die Kreisverwaltung sind bedeutende Arbeitgeber: Sie beschäftigen 470 Männer und 479 Frauen. Im Führungsstab allerdings pendelt die Waage eindeutig in Richtung starkes Geschlecht: 69 Männer sind Bereichsleiter, aber nur 14 Frauen.

Woran liegt's? Der TV hat die Verwaltungschefs gefragt, die - wen wundert's? - alle Männer sind. Junge und bewährte Mitarbeiterinnen hätten stets Familie und Kindererziehung dem beruflichen Aufstieg vorgezogen, sagt Michael Hülpes, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Hermeskeil. Für die Qualifikation sei ein dreijähriges Studium an der Verwaltungsschule Mayen erforderlich. In den vergangenen Jahren seien durchweg mehr Frauen als Männer eingestellt worden, meint der Beigeordnete der VG Konz, Joachim Weber.

Für ihn ist der geringe Anteil der weiblichen Führungskräfte auch historisch bedingt. Wer einmal Amtsleiter - oder nach heutigem Sprachgebrauch Bereichsleiter - geworden ist, der bleibt auch in aller Regel auf diesem Posten bis zur Pensionierung.

Kreisweit am besten schneidet die VG-Verwaltung Saarburg ab. "Wir sind mit 30 Prozent Frauen in Führungspositionen ganz gut aufgestellt", sagt Bürgermeister Leo Lauer stolz: Trier-Land-Verwaltungschef Wolfgang Reiland hat immerhin bislang zwei von drei Sachgebietsleitungen mit Frauen besetzt.

Ausnahmslos in Männerhand sind dagegen die Abteilungen der Rathäuser in den Verbandsgemeinden Hermeskeil, Kell am See und Ruwer. Man habe Mitarbeiterinnen Fortbildungen angeboten, um in die Stelle einer Abteilungsleiterin hineinzuwachsen, betont Bernhard Busch (VG Ruwer); die einzige Mitarbeiterin, die das wahrgenommen habe, sei dann aber aus privaten Gründen nach Norddeutschland verzogen.

Geringer Andrang auf Ausbildungsangebote



Werner Angsten (VG Kell am See) bedauert, dass keine Frau zum Zuge gekommen ist, allerdings hätten auch nur wenige Mitarbeiterinnen Ausbildungen absolviert, um dem Anforderungsprofil zu genügen.

Nach Mitteilung der Kreisverwaltung haben sich in den vergangenen Jahren kaum Frauen für Führungspositionen beworben, obgleich es mehrere Geschäftsbereichsleiterinnen gegeben habe. Aktuell sind alle Dezernenten Männer.

In den Verwaltungen sind mittlerweile viele Bemühungen erkennbar, Frauen, auch Müttern, den beruflichen Aufstieg zu erleichtern. "Auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf legen wir großen Wert", sagt Bürgermeister Berthold Biwer, VG Schweich.

Teilzeitangebote, gleitende Arbeitszeit, Telearbeit und Plätze in der Kinderkrippe von "Nestwärme" bietet beispielsweise die Kreisverwaltung an. Alle Verwaltungen geben an, ihre Beschäftigten, insbesondere Mitarbeiterinnen, zur Teilnahme an Aus- und Fortbildungen zu animieren und ihre Karriere fördern zu wollen.

Meinung

Klassische Schieflage

Mehr Frauen in Teilzeit, mehr Männer in Führungspositionen. Die klassische Rollenverteilung bildet sich auch heute noch in den Verwaltungen ab, insbesondere in den kleineren. Es gibt allerdings Bemühungen, diese Schieflage bei der Besetzung künftiger Chefposten zu korrigieren. Baby- oder Familienpause, früher oft gleichbedeutend mit einem Karriereknick, sind mittlerweile kein Hindernis mehr auf dem Weg nach oben. Die Tatsache, dass in den vergangenen Jahren mehr Frauen in den Verwaltungen eingestellt wurden, müsste zwangsläufig auch das Geschlechter-Verhältnis an der Spitze zu ihren Gunsten verändern. Vorausgesetzt, die Chefs meinen es ernst mit der Chancengleichheit für Frauen und Männer. a.follmann@volksfreund.deEXTRA

In der Stadt Trier ist die Gleichstellung im Stadtvorstand mit Oberbürgermeister Klaus Jensen, Bürgermeisterin Angelika Birk und den beiden Dezernenten Simone Kaes-Torchiani und Thomas Egger bereits erreicht. Neben den 94 männlichen Führungskräften arbeiten im Rathaus allerdings nur 41 weibliche. "In erster Linie liegt das daran, dass bis in die frühen 80er Jahre deutlich mehr Männer in den maßgeblichen Laufbahnen eingestellt wurden", sagt Pressesprecher Ralf Frühauf. Es habe aber auch mehr Bewerbungen von Männern gegeben. Die Anzahl der weiblichen Führungskräfte habe sich in der Relation zu männlichen verbessert. Die Stadt habe einen Frauenförderplan aufgestellt, der gezielte Maßnahmen festlege, um den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen. (slg)