Mahnender Mühlstein

Mit einem anderthalb Tonnen schweren Mühlstein auf dem Trie rer Hauptmarkt möchte die Initiative gegen Gewalt und Missbrauch möglichst viele Passanten für das heikle Thema sensibilisieren. Triers Bischof Stephan Ackermann und Bürgermeisterin Angelika Birk unterstützen die Aktion.

Trier. Der in Remagen tätige Jugendpfleger Johannes Heibel und der Trierer Bischof kennen sich seit einem gemeinsamen Auftritt in der ARD-Sendung "Beckmann" vor zwei Jahren. Da war Stephan Ackermann von den deutschen Bischöfen gerade erst zum katholischen Missbrauchsbeauftragten ernannt worden, während sich der studierte Sozialpädagoge Heibel bereits seit knapp zwei Jahrzehnten mit dem heiklen Thema beschäftigte.
Der 56-Jährige ist Initiator und Vorsitzender eines Vereins, der sich bislang um rund 1000 Fälle von Gewalt und Missbrauch an Kindern und Jugendlichen gekümmert hat.
Allein in 50 Fällen sei es dabei um Missbrauch durch katholische Geistliche gegangen, sagte Heibel gestern Nachmittag auf dem Trierer Hauptmarkt. Direkt vor dem Marktkreuz wurde ein 1,4 Tonnen schwerer "mahnender Mühlstein" abgeladen, der dort in den nächsten sechs Wochen liegen bleibt. "Der Stein soll ein Zeichen setzen und Erwachsene an ihre große Verantwortung gegenüber Kindern und Heranwachsenden erinnern", sagte Johannes Heibel bei der Steinlegung. Gleichzeitig sei er ein Symbol für die Last, die die Opfer ein Leben lang zu tragen hätten.
Bischof pikiert


Das Thema Missbrauch sei immer noch ein Tabuthema, meinte auch Triers Sozialdezernentin Angelika Birk. Der Mühlstein sei daher ein Denkmal im guten Sinne und solle Passanten zum Nachdenken anregen. "Wir als katholische Kirche wollen dabei mithelfen, dass das Thema nicht beiseite gedrängt wird, auch wenn es etwas aus der Öffentlichkeit verschwunden ist", versprach Bischof Stephan Ackermann. So werde es auch bei der Heilig-Rock-Wallfahrt Raum geben für die Opfer sexueller Gewalt; "damit aus dem Heiligen Rock nicht der Mantel des Schweigens wird", sagte Ackermann in Anlehnung an eine Forderung katholischer Jugendgruppen.
Leicht pikiert zeigte sich der Bischof, nachdem ihm Mühlsteininitiator Heibel einen offenen Brief vorgelesen hatte, den eine Mutter von zwei im Bistum Regensburg missbrauchten Jungen geschrieben hat. Ihre Forderung an den katholischen Missbrauchsbeauftragten: Die Kirche reagiere nur, wenn es brenne. Ansonsten werde abgewiegelt, wie schon seit Jahrhunderten. "Reden Sie mit dem Bistum Regensburg endlich Tacheles!"
Stephan Ackermann ergriff daraufhin noch einmal das Wort, sagte, er kenne den Fall und habe bereits einen Brief an das Regensburger Bistum geschrieben. Zum Inhalt sagte der Bischof nichts, meinte aber: "Es gibt Dinge, die nachdenklich stimmen." Im Zwiegespräch mit der Trie rer Sozialdezernentin ließ er danach seinem Unmut über den öffentlich verlesenen Brief freien Lauf: "Jetzt wurde ich aber ganz schön in der Öffentlichkeit abgewatscht. Das war nicht besonders fair."