Mahnung für alle Generationen

Mahnung für alle Generationen

Vor 78 Jahren wurden während der Reichspogromnacht jüdische Existenzen zerstört. Die Stadt gedenkt in Kooperation mit der Jüdischen Kultusgemeinde Trier den Opfern und will weiterhin für eine lebendige Aufarbeitung sorgen.

Trier. Zusammen mit der Jüdischen Kultusgemeinde Trier hat die Stadt an die die Opfer der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 gedacht. In den hellen Räumen der Synagoge in der Kaiserstraße wurde in stiller und besinnlicher Atmosphäre an das unendliche Leid der Juden in Trier erinnert. Jeanna Bakal, Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Trier, merkte in ihrer Eröffnungsrede an, dass die schmerzvolle Vergangenheit eine Mahnung für alle sei, die uns als Gesellschaft auffordere, einen gemeinsamen Weg in die Zukunft zu finden. Sie betonte, dass ein friedlicher interreligiöser Dialog der Grundstein für ein verständnisvolles Miteinander sei. In der Pogromnacht hätten jüdischen Mitbürger ihre Wohnungen, Betriebe und im schlimmsten Fall ihr Leben verloren. Jeanna Bakal appellierte an das Verständnis und die Zivilcourage jetziger und zukünftiger Generationen, damit sich ein solches Verbrechen nicht noch einmal wiederhole.
Oberbürgermeister Wolfram Leibe stellte die Wertschätzung der jüdischen Gemeinde in Trier und die Dokumentation der Verbrechen in den Mittelpunkt seiner Rede. Leibe sagte: "Wir alle haben die Pflicht die Erinnerung an die Vergangenheit wach zu halten. Wir müssen zu dieser Verantwortung stehen." Ebenso wie Jeanna Bakal betonte auch Wolfram Leibe den Zusammenhang zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. "Die Kernbotschaft, die ich ihnen heute mitteilen möchte, ist die Tatsache, dass wir das Versagen der Vergangenheit in einen Erfolg für die Zukunft unmünzen müssen. Toleranz und Mithilfe sind wichtiger denn je." Vera Ilieva stellte danach ihre selbstverfasste jüdische Ballade vor, die die Trennung einer jüdischen Familie zur Nazizeit thematisierte. In ihrem Werk geht es um die Sicherheit und Zeit, die durch den systematischen Terror der Nazis vielen jüdischen Familien geraubt wurden. Besonders die Frage nach dem Warum und die Isolation durch die äußere Welt sind bedrückende Themen, die Vera Ilieva in ihrer Ballade mutig und direkt angespricht.
Abschließend wurde aus den Berichten von Zeitzeugen vorgelesen. Zum Beispiel wurde an die Familie Josef erinnert, die ihr Möbelgeschäft durch die "Arisierung" verlor.
Nur 15 Deportierte überlebten


Die Reichspogromnacht stellte den Anfang der offenen Verfolgung der Juden in Europa dar. Der Zerstörung von Synagogen, Häusern und Betrieben folgte die geplante Vernichtung jüdischen Lebens. 323 Juden aus Luxemburg und Trier starben in den Vernichtungslagern der Nazis. Nur 15 überlebten die unmenschlichen Lebensverhältnisse in den Konzentrationslagern. Heutzutage erinnern in Trier die Stolpersteine an die jüdischen Mitbürger, die von den Nazis ermordet wurden.
Nach der Gedenkfeier in der Synagoge an der Kaiserstraße gingen die Feierstundenteilnehmer gemeinsam zur Gedenkstele zwischen Zuckerberg- und Metzelstraße, wo 1938 die vorherige Synagoge in Trier geschändet wurde, und legte für die jüdischen Opfer der NS-Verbrechen mehrere Blumenkränze ab.

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