Mailand, Paris, Trier

Keine andere deutsche Großstadt zieht so viele Kunden zum Mode-Shopping an wie Trier - zumindest in Relation zur Kaufkraft der Einheimischen und dem Geld, das Auswärtige hier ausgeben. Das hat die Düsseldorfer Unternehmensberatung Comfort festgestellt. Alleine die Luxemburger kleiden sich pro Jahr für einen dreistelligen Millionenbetrag in Trier ein.

Trier. Wer beim Italienurlaub festgestellt hat, dass die durchschnittliche Römerin irgendwie anders aussieht als die durchschnittliche Moselanerin, der braucht dafür kein geschultes Auge für Chic und Eleganz. Deutschland ist halt nicht Italien. Trotzdem setzt - zumindest laut der Düsseldorfer Unternehmens- und Immobilienberatung Comfort - ausgerechnet Trier Maßstäbe in Sachen Mode. Bei der Untersuchung des Einzelhandels in etlichen deutschen Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern erreicht Trier in der Kategorie Modezentralität den Spitzenwert von 448,7. Das bedeutet, dass die Umsätze, die die Einzelhändler mit Mode machen, die Ausgaben der Einheimischen für Mode um das Vierfache übersteigen. Einfach gesagt: Aus dem Umland kommen - im Vergleich zu anderen Städten - überproportional viele Kunden nach Trier, um sich einzukleiden.
Dass Trier als älteste Stadt Deutschlands viele Touristen aus nah und fern anzieht, ist längst bekannt. Und es überrascht auch nicht, dass davon auch der Einzelhandel profitiert.
Jährlich übernachten rund 754 000 Gäste in der Römerstadt. Dazu kommen pro Jahr 3,5 bis vier Millionen Tagestouristen aus dem In- und Ausland. Bedeutendste Gruppe: die Luxemburger. "Allein aus dem Großherzogtum gibt es pro Jahr Kaufkraftzuflüsse in dreistelliger Millionenhöhe", heißt es in der Studie.
Das überdurchschnittlich große Einzugsgebiet der Stadt von über 440 000 Menschen trägt weiter zu dem positiven Ergebnis bei. "Aktuell werden auf der für eine Stadt dieser Größenordnung überaus stattlichen City-Verkaufsfläche von über 150 000 Quadratmetern rund 550 Millionen Euro umgesetzt", fassen die Unternehmensberater zusammen.Bloß nicht ausruhen


Untersucht wurden Grabenstraße/Brotstraße, Fleischstraße, Simeonstraße und Hauptmarkt. Diese Lagen böten zahlreiche Sehenswürdigkeiten, attraktive Fußgängerzonen und Ladengeschäfte aller Branchen. "Dieser Mix ist das Markenzeichen und Alleinstellungsmerkmal unserer Innenstadt. Wir sind uns der sehr guten Ausgangslage bewusst, doch wir dürfen uns nicht auf den Erfolgen ausruhen, sondern wollen uns stetig weiterentwickeln, um konkurrenzfähig zu bleiben", kommentiert Alfred Thielen, Geschäftsführer des Handelsverbandes der Region Trier, die Studie auf TV-Nachfrage.
"Trier ist durch seine große Distanz zu den nächsten größeren Städten ein starker Anziehungsmagnet", ergänzt Gerd Guillaume, Vorsitzender des örtlichen Einzelhändlerrings City-Initiative und Inhaber der beiden gleichnamigen Modehäuser. Neben dem "hervorragenden Mix aus Filialisten und inhabergeführten Geschäften" gebe es zudem Mode "von günstigen bis in hohe Preislagen" - was für eine 100 000-Einwohner-Stadt keine Selbstverständlichkeit sei. Einen Kritikpunkt findet die Studie allerdings: Die "Warenhausarchitektur" in der Simeonstraße - gemeint sind Karstadt und Kaufhof - wirke "eher störend" auf das Straßenbild.
Das Fehlen einer großen Shopping-Mall monieren die Macher der Studie übrigens nicht: Die Trierer City böte, so wie sie ist, Besuchern und Konsumenten "eine unverwechselbare Einkaufsatmosphäre, welche ein Shopping-Center niemals künstlich kreieren kann".
Der Shoppingcenter-Riese ECE hatte 2013 intensive Versuche unternommen, sich in Trier anzusiedeln - war mit diesem Ansinnen aber teilweise auf heftige Kritik bei Bürgern und Einzelhandel gestoßen. 2014 zog der Investor sich schließlich zurück.
Nun könnten Skeptiker des Titels "Modehauptstadt Trier" freilich bemängeln, dass die Studie sich alleine auf die Umsatzzahlen bezieht und nicht auf das Fashionlevel der Mode, die verkauft wird. Diese sollten zu Boden schauen. Und zwar ruhig in Rom. Italienerinnen tragen dieses Jahr nämlich nahezu ausschließlich Birkenstock-Sandalen an den Füßen. Und die zieht man in Trier schon seit 30 Jahren an, mindestens!Extra

Innenstadt wird zum Laufsteg: Am 2. und 3. September steht in Trier alles im Zeichen der Herbst- und Wintermode. Die City-Initiative Trier präsentiert die Fashion Days 2016. Zu sehen gibt es dann aktuelle Kollektionen, angesagte Accessoires, Kosmetik und die neueste Schuhmode. Am Freitag und Samstag finden Modeinteressierte beim Mode & Stil Forum auf dem Kornmarkt ab 10 Uhr ausgefallene Mode, Schmuckstücke und Unikate an den verschiedenen Ständen. Vertreten sind Händler mit handgefertigten Leder- und Schmuckunikaten oder Schals und Stolen aus Naturfasern und weitere Accessoires. Auch können die Besucher vor Ort die Arbeit am Spinnrad beobachten oder sich am Stand ein Schmuckunikat herstellen lassen. An beiden Tagen warten viele Aktionen in den Geschäften rund um das Modespektakel. Samstags ist zweimal die große Open-Air-Modenschau mit aktuellen Trends mitten in der Innenstadt, auf dem Hauptmarkt, zu sehen - um 13.30 und um 16.30 Uhr. redExtra

… Monika Linz, Inhaberin der Boutique "Der Laden" in der Palaststraße Was wird Trend im Herbst? Monika Linz: Grau, Schwarz, Dunkelblau kombiniert mit frischen Farben, Pink, Smaragdgrün oder Orange etwa. Und natürlich ganz klassisches Schwarz-Weiß. Dazu viele, viele Kleider, italienische Länge, also knieumspielend. Dass weite Hosen tatsächlich wieder zum Trend werden sollen, bezweifele ich dagegen ein bisschen - zumindest für Trier. Was kaufen die Trierer? Linz: Meine Trierer Kunden lieben es größtenteils klassisch-sportlich und unkompliziert. Sie kaufen eher vernünftig, Zeitloses etwa, das man auch über die aktuelle Saison hinaus tragen kann. Und was kaufen die Luxemburger, wenn sie zum Shopping in Trier sind? Linz: Eher modische Kleidung, zum Teil auch mutige Kombinationen. Die Luxemburger Frauen trauen sich da generell ein bisschen mehr als die Trie rer. woc