Mainz baut Protestlern eine Brücke

Mainz baut Protestlern eine Brücke

Das Verkehrsministerium arrangiert sich mit Moselkommunen: Deren Vorbehalte gegen den geplanten Standort der Schweicher Moselbrücke sollen vom Landesbetrieb Mobilität geprüft werden.

Neue Entwicklung im Brückenstreit zwischen Moselkommunen und dem Landesbetrieb Mobilität (LBM): Die Stadt Schweich und die Gemeinde Longuich bekommen Gelegenheit, bis Ende März ihre Bedenken gegen den vom LBM bevorzugten Standort neben der Autobahnbrücke bei Longuich zu artikulieren. Wie mehrfach berichtet, hatte der LBM den Räten aus Schweich und Longuich vier Neubauvarianten für die Schweicher Moselbrücke vorgestellt und dabei die Variante 3 präferiert (siehe Planskizze unten links).

Diese Lösung schmeckt den Kommunen überhaupt nicht. Sie bevorzugen die Variante 4, das ist ein Neubau unmittelbar neben der bestehenden Brücke. Während die Schweicher argumentieren, dass ihre Stadt vom Verkehr abgeschnitten wird und die Autofahrer Umwege in Richtung Trier fahren müssen, befürchten die Longuicher eine Zunahme des Verkehrslärms, wenn sie eine zweite viel befahrene Brücke vor der Haustüre haben.

Der Fragenkatalog, den die Gemeinden bis zum 31. März zusammenstellen sollen, wurde bei einem Treffen im Verkehrsministerium in Mainz vereinbart. Dort wurden Christiane Horsch (CDU), Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Schweich, die Longuicher Ortsbürgermeisterin Kathrin Schlöder (FWG) und der Schweicher Beigeordnete Achim Schmitt (SPD) von Staatssekretär Andy Becht (FDP) und dem Leiter der Abteilung Verkehr und Straßenbau, Lothar Kaufmann, empfangen. Dass man sich für den Besuch von der Mosel anderthalb Stunden Zeit nahm, wurde positiv aufgenommen. Wohlwollend registriert wurde auch, dass die Herren sehr gut über das Projekt informiert waren. Becht und Kaufmann hätten zwar die LBM-Vorzugsvariante neben der Autobahnbrücke verteidigt. Sie habe aber auch das Gefühl gehabt, dass die Ministeriumsvertreter nachdenklich geworden seien, sagt die Bürgermeisterin.

Horsch weiter: "Der LBM hat zu sehr die eigene Variante hervorgehoben und die anderen Lösungen kaum gewürdigt." Offen sei beispielsweise, ob es Lärmmessungen und Kostenvergleiche bei den verschiedenen Varianten gebe. Es gehe nicht nur darum, eine Brücke von der einen Moselseite zur anderen zu planen, sagt Longuichs Ortsbürgermeisterin Kathrin Schlöder. Man müsse auch die geänderten Verkehrsflüsse untersuchen und mögliche Extremsituationen durchspielen - beispielsweise die Vollsperrung der Ehranger Brücke. Diese soll in diesem oder im nächsten Jahr saniert werden (der TV berichtete). Schlöder kündigte an, Experten des Büros V-KON aus Trier zurate zu ziehen, die bereits für die Gemeinde Longuich Verkehrsexpertisen erstellt haben.

Schweichs Beigeordneter Achim Schmitt hat bereits den Stadtrat Schweich über das Mainzer Treffen unterrichtet. Der war sich einig, dass auch der Schweicher Gewerbeverband in der Liste ans Ministerium seine Vorbehalte gegen Variante 3 darlegen sollte. Es wurde vereinbart, dass sich Bürgermeister, Beigeordnete und Fraktionsvorsitzende der Räte aus Schweich und Longuich treffen, um den Fragenkatalog ans Ministerium abzustimmen. Mainz möchte die Vorort-Bedenken an den LBM Trier zur Prüfung weiterleiten. In Schweich und Longuich sollen die Brückenplaner dann nochmals Infoveranstaltungen unter Einbindung der Bürger abhalten.KommentarMeinung

Die Variante 3 wird vom Landesbetrieb Mobilität bevorzugt, die Räte von Schweich und Longuich sprechen sich für Variante 4 aus. Visualisierung: LBM. Foto: (h_tl )

Die Bürger wollen mitreden
Durch die Vereinbarung im Verkehrsministerium haben die Kommunen zwei Dinge erreicht: Sie haben sich Gehör verschafft, und sie haben Zeit gewonnen. Dass es erst eines Bittgangs nach Mainz bedurfte, damit alle Pro- und Contra-Argumente zu den verschiedenen Brückenstandorten auf den Tisch kommen, wirft kein gutes Licht auf die Straßenplaner. Deren Fehler war nicht, dass sie mit einem Favoriten ins Rennen gegangen sind. Ihr Fehler war, dass sie ihre fachliche Meinung über die Meinung derjenigen gestellt haben, die mit dem neuen Brückenstandort leben müssen. Die Bürger haben den Eindruck, dass über ihre Köpfe hinweg entschieden wird. a.follmann@volksfreund.de

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