Malen, Orden basteln oder Tänze kreieren
Schweich/Farschweiler/Franzenheim · Fastnacht ohne Akteure? Unvorstellbar. Doch wie käme die närrische Zeit ohne die vielen Helfer im Hintergrund aus? Der Trierische Volksfreund hat hinter die Kulissen des bunten Treibens geschaut und stellvertretend für alle Ton- und Lichttechniker, Bonbon- und Strumpfhoseneinkäufer, Kostümschneider und Umzugsplaner mit den Helfern im Hintergrund gesprochen. Drei Beispiele.
Schweich/Farschweiler/Franzenheim. Was, wenn keiner bereit wäre, die Getränkekisten zu schleppen? Was, wenn niemand die Bütt aufbauen und keiner die Garde trainieren würde? Die Welt des Karnvels sähe düster statt bunt aus. Der TV sprach mit den drei ehrenamtlichen Helfern Alfons Theis aus Schweich, Melanie Bartsch aus Farschweiler und Carina Wichmann aus Pluwig.
Ich bin schon seit Jahrzehnten als Hofmaler und Senator im Isseler Cultur Verein (ICV) tätig und habe auch schon so manchen Schweicher Karnevalswagen bemalt. Ich gehöre zu den Rentnern vom Wagenbau. Unser fünfköpfiges, rein männliches Top-Team ist eine von acht Wagenbaugruppen des ICV. Insgesamt sind wir 40 bis 50 Leute im Alter von 16 bis 80 Jahren.
Jahr für Jahr setzen wir gemeinsam die Ideen zum Wagenbau für die Karnevalsumzüge um. Wenn der Plan für einen Wagen steht, bringe ich das Ganze erst mal zu Papier und fertige ein Papp-Modell davon an. Dann sind wir auf Gönner angewiesen, die uns die Hallen zum Werkeln zur Verfügung stellen. Mir selbst macht das Bemalen in schönen Schriften den größten Spaß, darin gehe ich richtig auf. In die Bütt würde ich mich selber nie stellen, das liegt mir nicht. Mein schönster Lohn ist die Anerkennung vom Publikum und den Vereinen.
Und der eigene Stolz, den man spürt, wenn man in einem selbst gebauten Wagen durch die Straßen zieht. Gäbe es so Leute wie uns nicht, wäre der Karneval ein gutes Stück ärmer.
Alfons Theis (73), Schweich.
Auf die Bühne kriegt mich keiner, das geht gar nicht für mich. Ich helfe lieber im Hintergrund. Es werden ja überall Leute gebraucht. Bei uns sind jedes Jahr bestimmt 100 Helfer hinter den Kulissen tätig. Wir fangen immer schon Ende Oktober mit den Vorbereitungen an. Die Bühne bauen wir frühzeitig auf, damit genügend Zeit bleibt, sie passend zum Motto neu zu tapezieren und zu bemalen.
In meiner Freizeit bastele ich dann Orden für die Akteure, stimme die Kostümgrößen mit dem Elferrat ab und kümmere mich um die Bestellung verschiedener Verkleidungen und den Verzehr. An den Sitzungen selbst verkaufe ich Eintrittskarten oder bin in der Küche tätig. Irgendwo springt man immer rum.
Mal wird nach Nachschub beim Kleingeld, mal beim Klopapier verlangt. Dass ich von der eigentlichen Sitzung so gut wie nichts mitbekomme, macht mir nichts aus. Ich bin kein Partytyp. Mir liegt die Hintergrundarbeit mehr. Das ist für mich Alltagsausgleich und Entspannung pur.
Melanie Bartsch (43), Farschweiler.
Franzenheim ist mein Heimatort. An Karneval nehme ich mir jedes Jahr zwei Wochen Urlaub und helfe dort mit. Irgendetwas mache ich immer. Saalbedienung, Küche, Auf- oder Abbau, Orden und Dekoration aussuchen, oder unser Cornhole-Turnier (amerikanisches Wurfspiel) betreuen. Hauptsächlich engagiere ich mich aber als Tanztrainerin.
Fürs Männerballett bin ich jetzt schon zuständig, seit ich 18 Jahre alt bin. Da wird es schon immer schwieriger, sich jedes Mal etwas Neues einfallen zu lassen, etwas, das die Leute noch nicht gesehen haben. Aber die Männer machen ja zum Glück alles mit, die sind da echt schmerzfrei. Mal habe ich zuerst die Musik im Kopf, mal die Kostüme. Und manchmal bauen die Männer auch noch den passenden Wagen zu meiner Tanzidee.
Wir sind insgesamt rund 30 Leute hier in Franzenheim, die jedes Jahr hinter den Kulissen helfen. Ich finde, dass der Karneval weder nur durch die Akteure, noch nur durch die Helfer funktioniert. Damit es eine schöne Zeit wird, sind beide Gruppen gleich wichtig.
Carina Wichmann (31), Pluwig.