Malerische Schätze entdecken

Malerische Schätze entdecken

EHRANG. Bilder wie aus Südfrankreich: Treppchen und Terrassen aus Sandstein, mit Grünpflanzen berankte Torbögen, Holzschuppen zum Tabaktrocknen. Viele idyllische Ansichten Ehrangs zieren die jüngste Ausgabe des alljährlichen CDU-Kalenders.

Seit zehn Jahren verteilen Mitglieder der Christlich-Demokratischen Union (CDU), Ortsverband Ehrang-Quint, alljährlich zum Jahreswechsel kostenlos neue Kalender an 3000 Haushalte. Verantwortlicher und Urheber der Aktion ist Günther Merzkirch, der in Personalunion als Ortsvorsteher, stellvertretender CDU-Vorsitzender und Schriftleiter beim kooperierenden Verein Ehranger Heimat die historischen Strippen zieht - und dankbar auf einen festen Stamm sponsorender Ehranger Geschäftsleute zurückgreifen kann. In den ersten sechs Jahren waren die Kalender mit alten Fotografien illustriert, danach mit Zeichnungen, da "das Fotomaterial knapp wurde", meint Merzkirch.Zeichnungen in vielen Jahren gefertigt

Ein Novum ist die 2005er-Ausgabe: Zum ersten Mal ist der Kalender mit Zeichnungen eines einzigen Künstlers versehen und zeigt Auswärtigen, Neubürgern und nicht zuletzt alteingesessenen Ehrangern, welch malerische Schätze im Stadtteil zu finden sind. Der freie Künstler Ulrich Lebenstedt, der die Zeichnungen in vielen Jahren fertigte und jahrzehntelang in Ehrang lebte, ist im Stadtteil kein Unbekannter. Insbesondere seine Unterstützung bei der Neugestaltung der Pfarrkirche St. Peter brachte ihm viel Anerkennung ein und die Boden- und Deckengestaltung in der Familienbildungsstätte Remise. Der überregional schaffende - und nach eigenen Angaben parteilose - Künstler, der seinen Schwerpunkt als "Künstler am Bau" bezeichnet, hat die Ehranger Zeichnungen aus einem rund 25 Stücke zählenden Blätterfundus mit Ehranger Ansichten für den Kalender kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Zeichnungen - im Original teilweise mit Buntstift, Aquarell oder Öl gefertigt - spiegeln idyllische Winkel Ehrangs wider, die sich dem Betrachter in der Realität manchmal erst auf den zweiten Blick erschließen. "Wenn ich in Ehrang sitze und zeichne, komme ich mit den Leuten ins Gespräch. Ich sehe ihr skeptisches Gesicht und spüre die nicht immer ausgesprochene Frage, warum ich ausgerechnet jenen ,greilijen Ecken mole'”, erläutert Lebenstedt. Die "greilijen Ecken" findet der mittlerweile in Biewer lebende und arbeitende Künstler besonders reizvoll: Farbvarianten des roten Sandsteins, sorgsam und mühsam gefügtes Mauerwerk, Gesimse und Fassaden, die eine "echte, natürliche, harmonische und menschliche Siedlungskultur" zeigen. So bieten die eigens für den Kalender in schwarz-weiß bearbeiteten Zeichnungen reizvolle Perspektiven. Wie etwa die der Rückansicht der Häuser in der Friedhofstraße mit Garten- und Flusslandschaft. Oder ein Haus in der Oberstraße, das dank unveränderter Bausubstanz genau so wie vor 150 Jahren aussieht. Besonders ist das Novembermotiv im Kalender: der Schrottplatz an einem der Ortseingänge von Ehrang, den viele im Ort als Schandfleck betrachten. "November als Zeit der Besinnung", meint Lebenstedt, der mit dieser Zeichnung zwei verschiedene Welten festhalten will. Denn: "Die Bürger brauchen sich für den Schrottplatz nicht zu schämen, er gehört zur Zeit", findet der Künstler. "Man muss akzeptieren, was da ist, und sich nicht in Pseudowelten flüchten", nennt er seine künstlerische Ambitionen. Bis nach Australien, Afrika und Amerika gingen die Kalender, die von Verwandten an ehemalige Ehranger geschickt würden, berichtet Merzkirch. Die unübersehbare Werbung für seine Partei bezeichnet er als nachrangig. "Ich würde die Kalender auch machen, wenn ich nicht politisch aktiv wäre", meint der Hobbyhistoriker und stellt für den 2006er-Kalender schon die Zeichnungen eines weiteren Ehranger Künstlers in Aussicht: Roland Grundheber.

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