1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Malermeister vom Meerfelder Maar restauriert Käfer-Cabrio VW 1302 LS

Serie „Menschen und Motoren“ : Ein gelber Käfer, wie aus dem Ei gepellt

Serie „Menschen & Motoren“: Sechs Jahre Arbeit hat Maler- und Lackierermeister Hanspeter Steffes aus Meerfeld in der Vulkaneifel in seinen offenen Volkswagen 1302 LS von 1971 gesteckt.

Vor gut vier Jahrzehnten, genauer gesagt 1980, lief Volks­wagens letztes Käfer-Cabriolet mit luftgekühltem Boxermotor vom Band. Das hatte zugleich das Produktionsende des Käfers in Deutschland und den Einzug des Golfs auf unseren Straßen zur Folge. Zu diesem Zeitpunkt hatte das kultige offene Krabbeltier, das jetzt in der Garage von Hanspeter Steffes in Meerfeld (Landkreis Bernkastel-Wittlich) steht, schon ein Jahrzehnt und einige Tausend Kilometer hinter sich. Und was macht der 1971 zugelassene 1302 LS heute, nach einem halben Jahrhundert? Nun, was ein anständiger Käfer halt so macht: Er läuft und läuft und läuft und …

„Eine bessere Optik kann ich nicht bieten“, sagt der Maler- und Lackierermeister, als wir mit seinem Prachtstück in dem ganz seltenen Farbton Shan­thung-­Gelb angekommen sind. Pures Under­­state­ment. Denn obwohl der Himmel eher mit dunklen Wolkenbergen droht, haben wir eine prächtige Kulisse für unsere Fotoaufnahmen: das Meerfelder Maar, dahinter der Blick auf den malerischen kleinen Ort – perfekt. Also: Dach auf, Persenning raus und den vierrädrigen Kandidaten ins rechte Licht gerückt.

Da steht er jetzt, wie aus dem sprichwörtlichen Ei gepellt. Kein Wunder. Denn rund 600 mühevoller, aber auch Spaß bereitender Stunden an Arbeit in der eigenen Garage und der Werkstatt habe er in sechs Jahren mit seinem Schätzchen in trauter Zweisamkeit verbracht, erzählt uns Steffes. Als Garagenfund im Nachbarort Großlittgen hat er das Prachtexemplar entdeckt. „Das war 2015.“ Echte 1302er, das wusste der VW-Freund, gab es nur ganz wenige. Jahre zuvor hatte er bereits einen 1303 besessen, jetzt ergab sich die Gelegenheit, einen „02er abzustauben“.

Einen allerdings, bei dem das Schrauben, das Restaurieren, lange vor dem Fahren kam. Als Maler- und Lackierermeister wusste er, was vor allem in punkto Karosserie bei den aufwendigen Restaurationsarbeiten auf ihn zu kam. „Unmengen an Spachtelmasse“ seien dabei drauf gegangen. Und Zeit. Sehr viel Zeit, die er manchmal auch vergaß – und das Abendbrot mit dazu. „Er hat sich mit seinem Hobby schon ganz allein durchkämpfen müssen. Gegen drei Frauen im Haus“, sagt seine Frau Karin und lächelt. Sie selbst und die beiden Töchter seien nun mal nicht gerade die großen Old­timer­fans.

Steffes ist ein akribischer Mensch. Ersatzteile – selbst kleinste Mütterchen, Schrauben und Federn – befinden sich fein säuberlich in Schub­laden und Kästen in der Werkstatt. „Ich habe ein Restaurations­tagebuch geführt“, erläutert er uns und gewährt einen Einblick in sein Refugium. Dort zeigt er uns stolz auch noch ein Lenkrad, signiert von den beiden Rallye-Ikonen Walter Röhrl und Christian Geistdörfer. „Eine Erinnerung an das Eifel-Rallyefestival in Daun.“

 Das Radio des Käfer-Cabriolets von Hanspeter Steffes.
Das Radio des Käfer-Cabriolets von Hanspeter Steffes. Foto: TV/Jürgen C. Braun

Bis auf die Schlusslackierung habe er alles selbst gemacht, berichtet Steffes. Arbeit, aber auch Entspannung von seiner eigentlichen beruflichen Tätigkeit sei das gewesen. Mit ein paar Kumpels seien sie auch immer wieder auf Oldtimer- und Retromessen gewesen. „Original-Ersatzteile zu finden, war nicht einfach.“ Dann, im April 2020, war der Cabrio-Klassiker endlich fertig zur ersten Ausfahrt. 50 PS auf den Hinterrädern, viel Platz für damalige Verhältnisse, sauber verarbeitet, ein Verdeck, das sogar die Wasch­anlagen auslacht. Ein Prachtstück, in dem so viel eigene Arbeit steckt. Nicht nur das: „Auch viel Herzblut“, bekräftigt Steffes.

Wenn er mit seinem Charme­bolzen unterwegs ist, dessen rauer, im Leerlauf leicht sägender, untertouriger Klang fast an einen Porsche 356 erinnert, dann recken sich die Daumen und die Damen. Ersterer als Zeichen der Anerkennung. Letztere, weil der Käfer halt immer noch ein richtiger Frauenversteher ist und das weibliche Geschlecht ihn einfach „süß“ und „zum Knuddeln“ findet.

 Das Käfer-Cabriolet von Hanspeter Steffes.
Das Käfer-Cabriolet von Hanspeter Steffes. Foto: TV/Jürgen C. Braun
 Das Käfer-Cabriolet von Hanspeter Steffes vor der Kulisse des Meerfelder Maars.
Das Käfer-Cabriolet von Hanspeter Steffes vor der Kulisse des Meerfelder Maars. Foto: TV/Jürgen C. Braun

Kein Wunder, dass Steffes auch schon das eine oder andere Brautpaar mit seinem dumpf vor sich brabbelnden offenen Krabbeltier in den Hafen der Ehe gefahren hat. Und diese beiden hatten – wie passend an einem solchen Tag – nicht weniger Herzblut in den Adern als der Fahrer beim Restaurieren.