Malu trifft Frau Ministerpräsidentin

Trier/Schweich/Mandern · Ihr sechster Regionenbesuch im Land hat Ministerpräsidentin Malu Dreyer am Dienstag in die Stadt Trier und den Kreis Trier-Saarburg geführt. Schön sei es gewesen und erlebnisreich, berichtete sie abends den 300 Gästen des Bürgerempfangs in Schweich.

Trier/Schweich/Mandern. Es ist wie ein Besuch bei Freunden. Man kennt sich, man schätzt sich, ist guter Dinge. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (53) genießt ihren offiziellen Besuch in der Region Trier sichtlich. Mal keine Finanzskandale und Nürburgring-Nörgler - die kleine Auszeit vom politischen Mainz scheint ihr gutzutun. Es ist Dreyers sechste Regionenreise, seit sie Kurt Beck beerbt hat.
Als Triererin ist ihr der Streifen zwischen Eifel und Hunsrück natürlich nicht fremd. Wenn dann auch noch der offizielle Gastgeber in Trier, Oberbürgermeister Klaus Jensen, ihr Ehemann ist, kann die Vertrautheit auch schon mal zu kleinen protokollarischen Kabinettstückchen führen. "Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin, herzlich willkommen in Trier", begrüßt sie der OB. Der formelle Akt der Eintragung ins Goldene Buch der Stadt gebiete es, seine Frau zu siezen. Vor Malu Dreyer durften sich 230 Menschen dort verewigen, darunter alle Ministerpräsidenten des Landes Rheinland-Pfalz, ferner Repräsentanten von Staaten, den Partnerstädten Triers oder große Söhne und Töchter der Moselstadt wie Ruder-Olympiasieger Richard Schmidt oder Opern-Weltstar Franz Grundheber. Im Lauf der Jahrzehnte erhöhte sich die Messlatte. Nach dem Krieg waren sogar die ersten Touristen aus den Niederlanden für so wichtig erachtet worden, dass sie sich eintragen durften.
Geschichte und Gegenwart, Tradition und Moderne - diese Begriffe ziehen sich wie ein roter Faden durch das Besuchsprogramm der Ministerpräsidentin. Im Museum am Dom faszinieren sie besonders die konstantinischen Deckenmalereien. "Ein kostbarer Schatz, auf den wir stolz sein dürfen", sagt Dreyer. Beeindruckt ist sie auch von der nächsten Station, dem Zentrum für Altertumswissenschaft an der Uni Trier. Auf höchstem Niveau werde hier gearbeitet, ob es die Erstellung eines Pflanzenlexikons der Antike sei, die Erfassung von Inschriften oder der Bau eines römischen Militärschiffs.
Führender Innovationsstandort


Viel Zeit für Gespräche mit der Firmenleitung und den Beschäftigten nimmt sich Malu Dreyer beim Stoßdämpfer-Hersteller Bilstein in Mandern. Auch hier spannt sie den Bogen von der Tradition zur Moderne, vom 1873 gegründeten Familienunternehmen zum "Hightech-Betrieb, der sich auf dem Weltmarkt behauptet". Dreyer schwärmt von der "wunderbaren Unternehmenskultur". Hier wird das gelebt, was ihr für das ganze Land vorschwebt: Unternehmen, Gewerkschaften und die Politik entwickeln eine gemeinsame Strategie, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Die Landeschefin lässt keine Gelegenheit aus, um das an Rheinland-Pfalz klebende Image vom "Land der Reben und Rüben" zu korrigieren. "Wussten sie, dass wir einer der führenden Innovationsstandorte in Deutschland sind?", fragt Dreyer die geladenen Gäste beim Bürgerempfang in Schweich. Der Anteil der Industrie an der Bruttowertschöpfung liege bei 35 Prozent, im Bund nur bei 22 Prozent. Auch habe Rheinland-Pfalz mit 5,2 Prozent die drittniedrigste Arbeitslosenquote.
Eigentlich braucht Malu Dreyer keine Zahlen, um zu glänzen. Die 300 Besucher im Schweicher Bürgersaal sind ihretwegen gekommen, nicht wegen Statistiken. Sie erleben eine Frau, die trotz MS-Erkrankung eine Stunde lang stehend Landräten und Bürgermeistern zuhört und dann selber spricht. Erst für Einzelgespräche nimmt sie einen Hocker. "Eine starke und sehr sympathische Persönlichkeit", sagt Claudia Thein aus Oberbillig. Selbst der Kreis-CDU scheint es ein wenig peinlich zu sein, Dreyers Besuch für eine Demo gegen die Einführung der Biotonne zu nutzen. "Eigentlich ist ja der Bund zuständig, sie kann ja nichts dafür", sagt ein Teilnehmer.