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"Man kann das Rad nicht mehr zurückdrehen"

"Man kann das Rad nicht mehr zurückdrehen"

Der Gemeinderat Trierweiler hat am Donnerstagabend mehrheitlich der Aufhebung des Bebauungsplans "Windpark Hungerberg" zugestimmt. Damit fällt auch die Höhenbegrenzung von 100 Meter für Windräder. Investoren wollen dort neue, rund 180 Meter hohe Anlagen errichten.

Trierweiler. Der Gemeinderat Trierweiler ist der Empfehlung der Verwaltung und eines Fachanwalts gefolgt und hat den Weg frei gemacht für eine neue Generation von Windrädern auf dem Hungerberg (bis 180 Metern hoch). Elf Ratsmitglieder stimmten am Donnerstag im Gemeindehaus Trierweiler mit Ja, drei mit Nein, fünf enthielten sich der Stimme. Zuvor hatten sich die Ortsbeiräte von Trierweiler, Sirzenich und Fusenich für eine Aufhebung des Plans ausgesprochen, der Udelfanger Rat dagegen.
Zurzeit drehen sich auf dem Hungerberg, einer Anhöhe zwischen Neuhaus und Udelfangen, vier kleinere Windräder (bis 100 Metern Höhe). Die Begrenzung auf 100 Meter hatte die Gemeinde 2001 in den Bebauungsplan aufgenommen. Rechtlich sei diese Beschränkung in einem Windkraft-Vorranggebiet heute aber nicht mehr haltbar, weil es einem sinnvollen Betrieb entgegenstehe, so das Ergebnis eines Rechtsgutachtens. Der Ratsbeschluss bedeute nicht, dass die Bürger jetzt rechtlos seien, sagte Alfred Dewald von der VG-Verwaltung Trier-Land. "Sie können sicher sein, dass in den anstehenden Verfahren alles geprüft wird. Jeder, der sich durch die Planung betroffen fühlt, kann bei der Offenlage seine Bedenken vorbringen."
Projektgegner gibt es vor allem dort, wo die Windräder am ehesten einsehbar sind: in Neuhaus und Udelfangen. Man sei nicht grundsätzlich gegen Windkraft, stellte Udelfangens stellvertretender Ortsvorsteher Michael Becker klar, aber die Windräder seien eine Belastung für die Bürger und beeinträchtigten das Ortsbild. Bedenken habe man insbesondere wegen der enormen Höhe von 180 Metern. Becker erinnerte daran, dass sich 85 Prozent der Udelfanger und 70 Prozent der Fusenicher bei einer Unterschriftensammlung gegen neue Windräder ausgesprochen haben. Auf seine Frage, ob die Gemeinde mit der Aufgabe des Bebauungsplans nicht zu früh die Flinte ins Korn werfe, bemerkte Dewald: "Die Frage steht schon seit etwa einem Jahr im Raum. Sie müssen auch sehen, dass es der Gemeinderat Trierweiler war, der seinerzeit die Windkraft haben wollte. Nun ist es Vorranggebiet im Raumordnungs- und Flächennutzungsplan, man kann das Rad nicht mehr zurückdrehen." Ein neuer oder geänderter Bebauungsplan, mit dem die Gemeinde die Investorenziele durchkreuzen könne, habe nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn gewichtige Argumente, etwa des Landschaftsschutzes, angeführt werden könnten. Angesichts eines Gewerbegebiets, einer Autobahn und Hochspannungsmasten in der Nähe sei dies allerdings auszuschließen, meinte Dewald.
Für Ortsbürgermeister Matthias Daleiden ("Ich kann die Argumente der Gegner gut nachvollziehen") sind es drei Hauptgründe, die für eine Bebauungsplan-Aufhebung sprechen: Die Rechtslage, drei zustimmende Voten in den vier Ortsbeiräten und die nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima eingeläutete Energiewende. "Die Zukunft liegt bei erneuerbaren Energien und Repowering ist der Schlüssel dazu." (Repowering nennt man die Erneuerung von Altanlagen). Auf dem Hungerberg sollen zwei Anlagen abgebaut und drei neue (zwei 180 Meter und eine 150 Meter hoch) errichtet werden. Dem Vernehmen nach gibt es mindestens zwei Gesellschaften, die Interesse am Hungerberg haben, darunter der einheimische Unternehmer Herbert Kluth mit der Windstrom Trierweiler GbR. Was er zu den Riesenrädern sagt, dazu mehr im Extra.
Windkraft-Investor Herbert Kluth möchte demnächst seine Gutachten und Pläne für die Hungerberg-Anlagen bei der Kreisverwaltung einreichen. Vermutlich ist er der erste Bewerber, womit seine Chancen für einen Zuschlag steigen. Der Kreis ist Genehmigungsbehörde für das Verfahren nach dem Emissionsschutzgesetz. Kluth glaubt, dass die neuen Windräder trotz ihrer gigantischen Höhe nicht mehr stören als die alten. Das liege an den geringeren Blattprofilen. Wegen ihres größeren Rotordurchmessers wirke die geplante 150 Meter hohe Anlage wuchtiger als die 30 Meter höheren. alf