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"Man kann nicht alles gleich und sofort haben"

"Man kann nicht alles gleich und sofort haben"

Wenn Gerhard Deussen heute in Schweich offiziell sein Amt als Leiter des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums antritt, ist er dort kein Unbekannter mehr. Als Nachfolger von Heinrich Bentemann hatte er die Schule seit fast eineinhalb Jahren als kommissarischer Leiter geführt. Wie er die Situation an der Schule und die Herausforderungen in der Zukunft einschätzt, darüber sprach der Pädagoge in einem Exklusivinterview TV-Redakteur Friedhelm Knopp.

(f.k.) Superintent Christoph Pistorius und Oberkirchenrat Klaus Eberl werden Sie heute hier in Schweich - am Tor zur Römischen Weinstraße - als neuen Schulleiter begrüßen. Daher zunächst einmal eine persönliche Frage: Aus dem Westerwald an die Mittelmosel - das brachte für Sie und Ihre Familie doch einiges an Wechsel und Umstellung. Hat man sich nach über einem Jahr akklimatisiert?
Deussen: Es ging bei meinem Wechsel nach Schweich gar nicht so sehr ums Akklimatisieren. Meine Frau und ich haben in Trier studiert, und ich habe hier die Lehrerausbildung absolviert. Ich würde daher eher von einer Rückkehr sprechen.

An jeder Schule herrscht auch so etwas wie ein inneres Klima. Und das war bei Ihrer Ankunft im August 2007 noch von "Böen und Turbulenzen" geprägt. Hat sich die Wetterlage beruhigt?
Deussen: Von Turbulenzen ist im Schulalltag am DBG nach meinem Eindruck nichts mehr zu spüren. Unserer inneres Klima ist so, dass wir mit allen am Schulleben beteiligten Gruppen konstruktiv und vertrauensvoll zusammenarbeiten können.

Bei Ihrem Antritt als kommissarischer Leiter kündigten Sie insbesondere für die Mittelstufe mehr praxisnahen Unterricht an. Praktika in Betrieben und im Sozialbereich sollten Pflicht werden. Ebenso sollten die kreativen Lehrinhalte aufgestockt werden. Schon alles umgesetzt?
Deussen: Die Betriebs- und Sozialpraktika in Mittel- und Oberstufe sind eingeführt und in diesem Schuljahr erfolgreich angelaufen. Die Akzeptanz bei Schülern und Eltern ist gut, die Resonanz aus den Betrieben fällt positiv aus. Die Stärkung des künstlerisch-ästhetischen Bereichs ist ein Handlungsfeld für die nächsten Jahre. Man kann nicht alles gleich und sofort haben.

Schätzen Sie Teamarbeit und die Meinung des Kollegiums? Oder bevorzugen Sie doch die einsame Entscheidung, wenn es in einer bestimmten Frage einmal hart auf hart kommt?
Deussen: Ich begreife mich durchaus als Teamplayer. Viele Entscheidungsprozesse an unserer Schule sind durch unsere Schulmitwirkungsverordung geregelt, an die ich mich gebunden fühle. Aber natürlich gibt es an jeder Schule immer wieder Situationen, in denen ein Leiter schnell und allein entscheiden muss.

Nicht nur am DBG haben sich in kurzer Zeit grundlegende Veränderungen vollzogen. Gerade wird in der unmittelbaren Nachbarschaft, am Stefan-Andres-Schulzentrum, die gesamte Bildungsstruktur auf den Kopf gestellt. Besonders die Einrichtung eines staatlichen Gymnasiums wird von großen Teilen der regionalen Elternschaft als Verbesserung begrüßt. Wächst hier eine Konkurrenz heran, die das DBG langfristig in Frage stellen könnte?
Deussen: Vordergründig ist das natürlich eine Konkurrenzsituation. Aber es ist eine Binsenweisheit, dass Konkurrenz auch das Geschäft belebt. Außerdem wird die neue Situation mit Sicherheit auch Synergieeffekte und Möglichkeiten der Kooperation bieten, die wir im Interesse der Schülerinnen und Schüler in Schweich nutzen sollten.

Wird Ihre Schule mit einem speziellen Profil als Alternative dagegen halten können?
Deussen: Ich denke, dass wir als evangelische Ganztagsschule in verpflichtender Form mit den vielfältigen Angeboten, die wir unseren Schülerinnen und Schülern machen, jetzt bereits ein ganz eigenständiges Profil haben. Und damit sind wir durchaus konkurrenzfähig. Dieses Profil gilt es zu pflegen und weiterzuentwickeln.

Insbesondere in den Naturwissenschaften leiden alle Gymnasien derzeit unter Lehrkräftemangel. Wird sich die Situation mit dem kommenden Stefan-Andres-Gymnasium in Schweich allgemein und für das DBG im Besonderen verschärfen? Bleibt das erforderliche Mindestangebot im naturwissenschaftlichen Bereich gewährleistet?
Deussen: Der Lehrermangel, der ja längst nicht mehr nur die Naturwissenschaften betrifft, wird allen Schulen in den nächsten Jahren zu schaffen machen. Wir haben in der Sekundarstufe I zurzeit ein recht deutlich ausgeprägtes naturwissenschaftliches Profil, das wir auch in Zukunft aufrecht erhalten werden.

Kommen wir zur Finanzfrage. Ein effektives DBG verschlingt Geld. Und 2010, so heißt es, werde der Evangelische Kirchenkreis Trier als Geldgeber ausscheiden. Ist der materielle Bestand der Schule langfristig sicher?
Deussen: Durch Veränderungen im Bereich des Privatschulgesetzes wird sich die Ersatzschulfinanzierung in Rheinland-Pfalz insgesamt erheblich verbessern. Davon wird auch das DBG profitieren. Der Evangelische Kirchenkreis Trier hat bisher überhaupt noch keine Gelegenheit gehabt, auf diese Situation zu reagieren. Dies kann nur auf einer Synode geschehen.

Wird unter diesem Aspekt die Bedeutung des fördernden Schulvereins, der sicher eine entscheidende finanzielle Stütze bildet, weiter wachsen?
Deussen: Der Schulverein wird auch in Zukunft eine wichtige Säule im Finanzierungskonzept der Schule bleiben.

Gibt es eine Grenze, wo es für die förderbereiten Eltern im Schulverein heißen muss: Bis hier, und nicht weiter?
Deussen: Wie Ihnen sicherlich bekannt ist, erheben wir keine festen Beiträge, sondern wir bitten die Eltern, sich auf freiwilliger Basis gemäß ihrer jeweiligen finanziellen Möglichkeiten an der Förderung der Schule zu beteiligen. Dies geschieht nach dem Solidaritätsprinzip, bei dem diejenigen, die mehr geben können, andere stützen.

Sie leiten nun seit über einem Jahr das DBG: Sehen Sie darin eine langfristige Aufgabe? Vielleicht die Aufgabe Ihres Lebens? Oder haben Sie weiterführende Perspektiven?
Deussen: Das DBG ist eine sehr vielfältige und lebendige Schule, die sich immer noch im Aufbau befindet. Von daher gibt es hier noch viele Dinge anzupacken und zu gestalten und im Zusammenhang mit dem künstlerisch-ästhetischen Bereich war ja schon die Rede davon, dass die Arbeit am Schulprofil noch längst nicht abgeschlossen ist. Medienerziehung wäre ein weiteres Feld, das es zu beackern gilt. Ich bin jetzt am DBG angekommen, und so wie es aussieht, werde ich meine aktive Zeit im Schuldienst auch hier beenden, wenn es so weit ist.

Zur Person
Gerhard Deussen wurde am 12. März 1953 in Lahnstein geboren. Seinen schulischen Werdegang beendete er 1972 mit dem Abitur in Montabaur. In Trier studierte er Germanistik, Anglistik und Evangelische Religionslehre. Nach dem zweiten Staatsexamen Ende 1982 fand er seine erste Anstellung als Lehrer und Internatserzieher im privaten Landschulheim Schloss Buldern bei Münster. In den Jahren 1990 bis 2000 war er als Gymnasiallehrer am staatlichen Thomas-Morus-Gymnasium in Daun tätig. Anfang 2001 trat Deussen in den kirchlichen Dienst ein und wurde stellvertretender Schulleiter am evangelischen Martin-Butzer-Gymnasium in der Westerwaldgemeinde Dierdorf, wo er insbesondere für den Bau neuer Schulgebäude zuständig zeichnete. Im August 2007 übernahm Deussen die kommissarische Leitung des DBG Schweich. Deussen ist verheiratet und Vater zweier volljähriger Kinder. (f.k.)