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Manche Bürger in Schweich und Ralingen-Kersch haben trotz Breitbandausbau langsames Internet von unter 30 Megabit

Breitbandausbau : Lahmes Internet: Wenn die letzte Meile muckt

Der Kreis Trier-Saarburg, Land und Bund fördern den Leitungsbau für schnelles Internet mit Millionen Euro. Beispiele aus Schweich und Ralingen zeigen, dass die Geschwindigkeit der Übertragung vor Ort mitunter deutlich geringer ist als angegeben. Was die Gründe sind und wer verantwortlich ist.

Ralf Werner aus Schweich ist sauer. Wenn seine Frau und er versuchen, zeitgleich aus dem Home Office im Neubaugebiet Ermesgraben zu arbeiten, stocken die Videokonferenzen. Werner sagt: „Effektiv kommen im Durchschnitt um die 12 Megabit pro Sekunde an. Manchmal sind es 23, manchmal auch nur vier.“ Dabei sollten den Bürgern im Ermesgraben seit Neuestem Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 120 Megabit pro Sekunde zur Verfügung stehen, so hat es der Schweicher Stadtbürgermeister Lars Rieger Anfang Mai im Amtsblatt verkündet.

Der Netzbetreiber innogy TelNet GmbH hat das Glasfaserkabel ins Neubaugebiet Ermesgraben gelegt. Mitte August 2018 hat die Firma in weiten Teilen des Landkreises Trier-Saarburg begonnen, ein Hochgeschwindigkeits-Internetnetz aufzubauen – im Auftrag des Kreises und mit einer 90-Prozent-Förderung durch Bund und Land. 8,6 Millionen Euro kamen da zusammen. Einen zusätzlichen Eigenanteil von fast einer Million Euro tragen je zur Hälfte der Landkreis und die sieben Verbandsgemeinden.

Werner ist Kunde beim Internetanbieter Telekom. Das sollte aber kein Problem sein. David Kryszons, Pressesprecher für innogy in Trier, erklärt auf TV-Nachfrage: „Alle Anbieter werden auf dem Open-Access-Netz (offener Zugang)  der innogy gleich behandelt. Diese entscheiden anhand einer gemeinsamen Datenbasis selbst darüber, welche Bandbreite sie anbieten.“ Auch die Telekom bestätigt auf Nachfrage, dass innogy die mit Fördergeld ausgebauten Leitungen auch seinen Mitbewerbern vollständig zur Verfügung stellen muss.

Unter anderem hindert Werner seine vertragliche Restlaufzeit bei der Telekom daran, einfach direkt zu innogy zu wechseln. Und nach der Erklärung der Anbieter müsste er ja auch bei Telekom vom Breitbandausbau profitieren können. Seit Mitte Mai bekommt er von der Telekom nun bis zu 25 Megabit pro Sekunde.

Sein Vorwurf: „innogy stellt seinen Mitbewerbern nicht mehr zur Verfügung.“ innogy behandelt seiner Meinung nach eigene Kunden bevorzugt, und der Steuerzahler habe das auch noch finanziert. George McKinney, Sprecher der Telekom RLP, kann dies auf TV-Nachfrage nicht bestätigen.

Werner sagt, sein Ansprechpartner bei der Telekom habe innogy beauftragt, die Bandbreite zu erhöhen. Der 47-Jährige sieht den Beleg für seinen Verdacht bei seinem Nachbarn: Dieser, ebenfalls ursprünglich Telekom-Kunde, sei so verzweifelt mit dem langsamen Internet gewesen, dass er sich – obwohl er den Vertrag mit der Telekom noch nicht habe kündigen können – parallel auch einen Vertrag bei innogy geholt habe. Und siehe da, es flössen nun stabil 51 Megabit ins Haus. Und das, obwohl beide Anschlüsse über die gleiche Leitung ins Haus kommen.

David  Kryszons von innogy sagt, für das Produktangebot eines anderen Anbieters über deren Netz sei innogy nicht verantwortlich. Stadtbürgermeister Rieger ist zufrieden mit dem schnelleren Internet in Schweich und glaubt nicht, dass es im Ermesgraben ein allgemeines Problem gibt. Er sagt: „Dass es immer mal wieder Störungen gibt, ist überall so, nicht nur im Ermesgraben.“ In den letzten Tagen haben bei Ralf Werner immerhin die Schwankungen aufgehört, er bekomme nun konstant 23 Megabit ins Haus.

Nikolaus Schröder aus Ralingen-Kersch hat ein ganz anderes Problem, aber mit der gleichen Folge: langsames Internet. Er ist im Dezember zu innogy gewechselt, weil diese ihm damals 60 Megabit pro Sekunde anbot. Er wohnt nicht weit vom DSL-Verteilerkasten weg, heute sind für seine Adresse laut Webseite von innogy 120 Megabit möglich. Aber es hakt an der Weiterleitung zum Haus, der sogenannten letzten Meile. Nur das auf 24 Megabit pro Sekunde limitierte ADSL 2Plus tröpfele bei ihm mit etwa 18 Megabit ein.

Wenn seine zwei Söhne, er und seine Frau das Internet für Schule und Arbeit zu Hause gleichzeitig nutzen wollten, gehe das nicht. Seit Anfang Januar ist er deshalb mit seinem Anbieter innogy in Kontakt. Die Schwierigkeit: Das Kupferkabel vom Verteilerkasten zum Haus gehört noch der Telekom, innogy mietet es an.

Wer ist nun verantwortlich? Innogy und Telekom erklären übereinstimmend, dass die Verantwortung bei der Telekom liege, sofern es sich um konkrete physische Störungen an der Leitung handele. Probleme bei der aktiven Technik, wie Vermittlungstechnik und Übertragungstechnik, liegen laut McKinney von der Telekom aber in der Hand von innogy. Beide Unternehmen sagen, sie seien mit den anderen Anbietern in regelmäßigen Diskussionen. Man versuche eine Kooperation zu gestalten und Einzelfallkonflikte gemeinsam zu lösen.

Nikolaus Schröder fragt sich nun, wer eigentlich den Erfolg des Einsatzes der Fördermittel kontrolliert, wo doch für seine Gemeinde das Breitband-Projekt schon seit Oktober 2019 als abgeschlossen gilt. Thomas Müller, Pressesprecher beim Kreis Trier-Saarburg, sagt, dass der Kreis die Internetprobleme trotz Breitbandausbaus nicht in jedem Einzelfall kontrollieren könne. Das sei Aufgabe der Anbieter.

Auf seiner Webseite schreibt der Kreis, Grund für die Förderung des Breitbandausbaus sei, dass der „Markt“ versagt habe, da vorher nur „bis zu-Leistungen“ und keine verlässlichen Bandbreiten von 30 Megabits pro Sekunde angeboten wurden. Auf die Nachfrage, ob 30 Megabit pro Sekunde nun technisch garantiert werden könnten, sagt David Kryszons, dass die Ausbauplanung im Ausschreibungsgebiet auf die vorgegebenen Mindestanforderungen ausgelegt sei. Was laut Kreis 30 Megabit pro Sekunde sind.  Kryszons verspricht: „Sollten die geforderten Mindestbandbreiten gegen Erwarten nicht erreicht werden können, wird nachgearbeitet.“

Blick aus der Vogelperspektive auf das große Neubaugebiet Ermesgraben (Bildvordergrund) in Schweich. Zur Qualität der Internetverbindung gibt es unterschiedliche Aussagen und Erfahrungen.  Foto: Portaflug Föhren

Die Familien Schröder aus Ralingen und Werner aus Schweich hoffen, dass auch sie in ihren Häusern das Projektziel des Kreises bald erreichen. Von einer Gigabit-Gesellschaft sind sie jedenfalls noch etwas entfernt.