Manege frei für Kenner Kinder

Manege frei für Kenner Kinder

Beim Zirkusprojekt geht es nicht nur um Spiel und Spaß. Hinter dem bunten Programm steckt auch ein pädagogischer Anspruch.

Einmal als Artist in einer Manege stehen und mit Kunststückchen oder Späßen das Publikum begeistern: Dieser Traum ist für 80 Grundschüler und 20 Vorschulkinder der Kita St. Margareta in Erfüllung gegangen. Sie schnupperten eine Woche lang Zirkusluft und übten mit Artisten des Projektzirkus Proscho. Zum Abschluss präsentierten sie 1000 Gästen in vier Vorstellungen in einem Zirkuszelt ihr artistisches Können.

Fünf Zauberer, in lange schwarze Kostüme gehüllt, marschieren durch die Manege und prosten dem Publikum mit ihren Zaubertrankgläsern zu. Die coolen Jungs legen ihre Köpfe tief in die Nacken und balancieren Gläser mit erstaunlicher Sicherheit auf ihrer Stirn. Dann gehen sie langsam und vorsichtig in die tiefe Hocke, setzen sich auf den Boden und stehen wieder auf. Zwei von ihnen vollziehen sogar eine Seitwärtsrolle, ohne dass die Gläser fallen. Ihr Trainer, Pascal Maatz, ist ganz nah dabei und schaut ganz konzentriert nach seinen Schützlingen.
Einer der Balancekünstler ist der zehn Jahre alte Michel, der über eine meterhohe Leiter klettert, ohne sein Glas zu verlieren.

"Es war schon eine Herausforderung für mich, aber keine ganz große. Die Gläser sind aus Plastik, so kann nichts passieren", verrät der kleine, selbstbewusste Künstler. Für ihre Glasbalancenummer gibt es reichlich Applaus von den versammelten Eltern, Geschwistern und Großeltern. Der Ruwerer Jürgen Wollmann, der sich mit seinem vier Jahre alten Enkel Jonas die Vorstellung ansieht, ist begeistert: "Es ist schon toll, was die Kinder in der kurzen Zeit so alles gelernt haben. Die Glasnummer ist toll", sagt er anerkennend. Seine Tochter ist Anke Penning, die Leiterin der Grundschule. "Ich habe soeben Gänsehaut bekommen", gesteht sie immer noch ganz gerührt. Sie erklärt den pädagogischen Auftrag des Zirkusprojektes: "Unsere Kinder können ihr Selbstvertrauen stärken. Sie können sich ausprobieren und lernen über ihre Grenzen hinauszugehen. Wir haben das Projekt in Kooperation mit der Kindertagesstätte initiiert. Ohne unsere Fördervereine wäre es nicht möglich gewesen. Sie haben Gelder bereitgestellt und Werbung für uns gemacht."

Währenddessen bezaubern die Hula-Hoop-Artisten mit ihren Reifenkunststückchen das Publikum. Die Clowns treiben ihre Späße mit den Vätern, die wie Kängurus durch die Arena springen müssen. Die Akrobaten beeindrucken mit ihrem turnerischen Können. Die Drittklässlerin Hannah erzählt voller Begeisterung: "Am liebsten schlage ich Räder und gehe in den Spagat. Pyramidenbauen finde ich auch klasse." Die sechs Jahre alte Frieda aus der Kita ist vom Artistenteam des Zirkus Proscho kunstvoll als Raubkatze geschminkt worden. Sie sagt: "Am liebsten springe ich als Löwe durch die Reifen." Am Trapez turnen sieben, als gruselige Vampire verkleidete, Mädchen. Sie hängen sich in ihre Kniekehlen, klettern aufeinander, ein Mädchen liegt sogar auf den Füßen einer anderen. Zwei der kleinen Trapezkünstlerinnen, Johanna-Marie (sechs Jahre) und Lia (sieben Jahre), erzählen: "Am liebsten mögen wir den Schwan, den Seitenhänger und das Vogelnest."

Und immer mit dabei ist die Trainerin Leslie, die das Trapez festhält und die Turner mit geschulten Griffen sichert. Sie gehört zur Artistenfamilie Maatz vom zertifizierten Familien- und Projektzirkus Proscho, die schon mit vielen Schulen in Deutschland kooperiert hat.Extra: ZIRKUSPÄDAGOGISCHE PROJEKTE

Seit den 1970er Jahren gibt es Projektzirkusse in Deutschland, die mit Schulen, Vereinen und Kitas kooperieren. Sie sind zumeist kleinere Familienbetriebe. Deren Artisten studieren in Workshops mit Kindern und Jugendlichen Auftritte in verschiedenen Zirkusgenres ein. Diese werden dann im mitgebrachten Zirkuszelt vorgeführt. Die Projektzirkusse müssen für ihre Arbeit mit Kindern pädagogische Anforderungen erfüllen. Einige haben hierfür Zertifikate erworben. In zirkuspädagogischen Projekten können die Kinder eigene Fähigkeiten und Grenzen kennenlernen.