Manege frei in Leiwen

Eine Woche lang war etwas anderes Büffeln in der Grundschule Leiwen angesagt: Akrobatik und Gemeinschaft im Zirkuszelt am Moselufer. Und das machte Eltern und Lehrer mindestens ebenso viel Spaß wie Grund- und Vorschulkindern.

Leiwen. Die glänzenden Augen von Kindern und Erwachsenen sprechen Bände. Die etwas andere Unterrichtswoche in der Grundschule Leiwen scheint das ganze Dorf verzaubert zu haben. Selbst Schulleiter Wieland Eßling ist begeistert. "Ich hab mir das vorher schön vorgestellt", macht er seinen Kommentar spannend - "aber es war viel schöner", schwärmt der Rektor von der tollen Stimmung aller Beteiligten. "Es ist ein Traum, wenn hier Kinder und Erwachsene ums Zelt etwas vorbereiten - und alle sind richtig dabei."
Etwa 100 Grundschüler aus Leiwen plus 20 Vorschulkinder studierten eine Woche lang mit Pädagogen des "Circus ZappZarap" (siehe Extra) Zaubertricks und artistische Kunststückchen ein. Und das war schon mal ganz schön anspruchsvoll, wie der siebenjährige Elias durchblicken ließ. "Ich bin über Glasscherben gegangen - aber das tat überhaupt nicht weh." Dabei hätten sie vorher Schuhe und Strümpfe ausziehen müssen, erzählt er. Staunenden Zuschauern erklärt er auch gleich, warum die Übung unerwartet schmerzfrei war. "Weil das große Scherben waren, die kleinen lagen unten drunter." Ganz mutig traute er sich hinterher sogar noch auf ein Nagelbrett: "Das hat schon ein bisschen gezwickt", gesteht er - aber auch das habe nicht wehgetan." Theodora (9) nutzte die Gelegenheit, sich einen Traum zu erfüllen und in die Rolle eines Clowns zu schlüpfen. Den einstudierten Sketch wird sie bei den die Woche abschließenden Aufführungen in echten Clowns-Kostüms vorführen. Alles in allem sei die Zirkuswoche "sehr schön und aufregend" gewesen, schwärmte sie von den Proben. Und es sei toll gewesen, einmal ein richtiges Zirkuszelt im Dorf zu haben - und Hausaufgaben hätten sie auch nicht machen müssen. Dass dafür sogar die Eltern vollstes Verständnis zeigten, beeindruckt fast noch mehr. "Ich finde diese Zirkuswoche ganz klasse", versicherte Natascha Tapp, die wie viele andere Mütter und Väter täglich mit dabei war, um nach besten Kräften zu helfen. Was sie vor allem begeisterte, war die völlig reibungslos funktionierende Teamarbeit von Eltern, Lehrern, Schülern und Zirkuspädagogen mit bunt zusammengewürfelten Gruppen völlig unterschiedlich alter Kinder. Alle hätten ihre Aufgaben gemeistert und fantastische Arbeit geleistet, was sie Tag für Tag aufs Neue fasziniert habe: "Jeder packte mit an und half." Lehrerin Natalie Marmann sprach vor allem den engagierten Eltern dafür ein Riesenkompliment aus: "Ohne sie wäre das hier nicht möglich gewesen - sie haben einen ganz großen Beitrag geleistet." Am meisten beeindruckte die Lehrerin während der Zirkuswoche, dass das Miteinander aller so gut harmoniert habe.Nach der Generalprobe am Freitag mit 280 zuschauenden Kindern aus sechs Schulen boten die Nachwuchsartisten am Samstag zwei, mit je 350 Besuchern, ebenfalls ausverkaufte Vorstellungen um 11 und 14 Uhr an. urs
Extra

Das pädagogische Zirkusprojekt Zappzarap ( www.zappzarap.de) tourt von Leverkusen-Opladen aus über die Lande. Neben Zirkuswochen in Schulen bietet das Unternehmen auch Ferienfreizeiten, Mehrgenerationenprojekte oder Management-Trainings in Unternehmen an. Ähnliche Projekte organisierten zuvor Grundschulen in Schweich, Fell oder Thalfang, wo sich Schulleiter Eßling die Idee abkuckte. Finanziert wurde die Zirkuswoche dank 4500 Euro Zuschuss des Kulturbüros für Ganztagsschulen - als Dankeschön für die Beschäftigung von Absolventen eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ). Den restlichen Betrag der insgesamt voraussichtlich etwa 10 000 Euro steuert der Schul-Förderverein der Grundschule bei. urs