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Mann der tausend Kandidaten - Trierer Tobias Hött sucht Bewerber für Back-, Single-, Tanz-, Gesangs- und Spielshows aus

Mann der tausend Kandidaten - Trierer Tobias Hött sucht Bewerber für Back-, Single-, Tanz-, Gesangs- und Spielshows aus

Er macht aus normalen Menschen Publikumslieblinge. Wenn der Trie rer Tobias Hött jemanden für eine Show gecastet hat, ist er davon überzeugt, dass dieser auch das Zeug dazu hat zu gewinnen. Im TV-Interview verrät er, was beim Fernsehen geht und was nicht.

Trier. Heidi Klum tut es, Dieter Bohlen tut es, und Tobias Hött tut es auch. Sie casten Kandidaten für Shows, die im Fernsehen hoffentlich so erfolgreich werden, dass eine zweite, dritte und vierte Staffel folgt. Tobias Hött (35) stammt aus Trier. Noch während seines Kunstgeschichtestudiums ging er nach Köln, um dort bei Fernsehproduktionsfirmen zu arbeiten. Als Rollenbesetzer und Kandidatenbetreuer für Familienduell und die Show Deutschland sucht den Superstar (DSDS) fing er an. Mittlerweile ist er Leiter der Casting-Abteilung von Shine Germany in Köln. Unsere Redakteurin Verona Kerl sprach mit ihm über Kunst, Cas tings und Quoten.

Was sind das für Leute, die sich für eine Casting-Show bewerben? Selbstdarsteller oder echte Talente?
Hött: Es gibt immer beides, wobei das variiert. Eine Sendung wie Berlin Tag und Nacht (RTL II) zum Beispiel zieht ganz andere Kandidaten an als etwa Got to Dance. Es gibt Kandidaten, die unbedingt im Fernsehen auftreten wollen, weil sie berühmt werden möchten. Und dann gibt es Kandidaten, die eine Begabung und einen Traum haben wie bei Got to Dance. Und dann gibt es ja nicht nur Casting-Shows. Beim Perfekten Dinner bewerben sich etwa Leute, die einfach gerne im Fernsehen kochen möchten. Spannend ist ein Casting immer.

Sie haben Kunstgeschichte studiert, und Ihr Vater Walter führt gemeinsam mit Ihrem jüngeren Bruder Nicolas eine bekannte Malerfirma in Trier. Kommt bei Ihnen daher die Liebe zu Farben, Formen und Kunst?
Hött: Wir sind ein Familienbetrieb. Ich bin damit groß geworden und bin daran gewöhnt, Farben, Formen und Räume intensiv wahrzunehmen. Mein Blick ist sehr geschult, und ich glaube, dass gerade dieser Blick dazu führt, dass ich sowohl im kunsthistorischen Bereich als auch in meiner jetzigen Tätigkeit erfolgreich arbeiten kann, weil ich eben manchmal Dinge sehe und Zusammenhänge erkenne, die andere in der Situation nicht so wahrnehmen würden. So unterstütze ich auch meine Mutter Birgit bei der Gestaltung des Showrooms mit der Präsentation originaler Kunstwerke. In der zweiten Jahreshälfte wird hier auch eines meiner nächsten Ausstellungsprojekte stattfinden.

Sie haben während des Studiums bei einer Produktionsfirma in Köln als Kandidatenbetreuer angefangen.
Hött: Ich habe für mehrere Produktionsfirmen gearbeitet. Bei einer Firma war ich fast die gesamte Zeit meines Studiums als freier Mitarbeiter tätig. Ich habe immer Castings gemacht für Quizsendungen, Studiobetreuung, später Kandidatenbetreuung für DSDS und dann für Supertalent und X-Faktor gearbeitet. Ich habe lange gekocht, war zwei Jahre beim Perfekten Dinner für Vox. Nach dem Studium hatte ich mehrere Angebote. Und dann habe ich meine jetzige Stelle angetreten, die ja auch mein Ziel war.

Also keine Kunst mehr?
Hött: Das kann ich so nicht sagen. Ich habe immer geschaut, was sich ergibt. Für den Job bei der Produktionsfirma habe ich mich entschieden, weil ich wusste, dass ich viele Menschen kennenlernen, viel unterwegs sein und unheimlich viele Chancen habe werde. Gleichzeitig hat mir diese Tätigkeit auch immer die Möglichkeit gegeben, nebenbei Projekte im kunsthistorischen Bereich zu realisieren. Ich habe in Trier zwei Ausstellungen kuratiert. 2009 die Reinhard-Heß-Retrospektive im Kurfürstlichen Palais - in der 25-jährigen Ausstellungs-Historie des Palais eine der erfolgreichsten. Dann habe ich vor zwei Jahren gemeinsam mit meinem Vater die Jakob-Schwarzkopf-Ausstellung beim Kunstverein Trier Junge Kunst umgesetzt. Er war ja mit Schwarzkopf befreundet, und es gab viele gemeinsame Projekte.

Erfüllt Sie Ihre Arbeit als Head of Casting oder ist es nur ein Job?
Hött: Wenn mich der Job nicht erfüllen und begeistern würde, könnte ich ihn nicht machen. Dafür sind die Anforderungen zu hoch. Ich glaube, das geht nicht ohne Begeisterung und Leidenschaft. Das geht auch nicht ohne meine Mitarbeiter, die ebenfalls leidenschaftlich und professionell arbeiten. Denn man muss trotz aller Begeisterung für die Kandidaten einen professionellen Abstand wahren. Es geht ja nie um die eigene Person, sondern immer um den Kandidaten. Man muss sich selbst unglaublich zurücknehmen. In vielen Fällen ist man für die Kandidaten Psychologe, Freund, Familie. In der Regel sind das alles Leute, die noch nie in einem Studio waren, eine Situation, die für sie extrem ungewohnt ist. Da muss man viel leisten, was nicht geht, wenn man nicht mit Leidenschaft dabei ist.
Die Single-Show Catch the Millionaire (Fang den Millionär) lief bis vor kurzem beim Sender sixx (montags, 22.25 Uhr).

Wenn ich mich dafür bewerben wollte, dann müsste ich …?
Hött: Nun, zunächst einmal sollten Sie Single sein (lacht). Sie sollten ein bestimmtes Alter und ein gewisses Interesse an der Sendung haben und daran, einen Mann kennenzulernen. Wir lernen jede Bewerberin näher kennen und prüfen gemeinsam, ob eine Teilnahme für beide Seiten passt.

Wer schafft es, wer schafft es nicht?
Hött: Das ist schwierig. In einem Cast versuchen wir immer eine gute Mischung zu haben. Ein Begriff, der oft fällt, ist Diversity - Vielfalt. Wir brauchen in der Gruppe verschiedene Typen. Letzten Endes hängt die Auswahl auch immer vom Auftraggeber ab. Der Sender hat Mitspracherecht. Es ist die gute Mischung, die es ausmacht.

Und wie finden Sie die Millionäre?
Hött: Da gibt es Quellen und Wege, die Leute in meiner Position haben. Die hütet natürlich jeder wie seinen Augapfel. Jeder hat über die Jahre ein gutes Netzwerk aufgebaut mit verschiedenen Kanälen und Kontakten, die man anklingeln kann. Der eine Millionär lebt seinen Reichtum öffentlich, der andere zurückgezogen.
Aber an den muss man ja auch rankommen. Aber mit etwas Geduld und Beharrlichkeit und den entsprechenden Kontakten ist das möglich.

Inwiefern ist das Casting entscheidend dafür, ob ein Format Top oder Flop ist?
Hött: Gute Frage. Ein Casting steht immer am Anfang, denn ohne Kandidaten keine Sendung. Ein guter Cast entscheidet darüber, ob sich der Sender neben dem Konzept für eine Sendung begeistert. Denn ein gutes Konzept nutzt nichts, wenn es so besetzt ist, dass es nicht authentisch rüberkommt. Wir brauchen also sensationell gute Talente. Ob die Sendung begeistert, liegt letzten Endes beim Zuschauer. Natürlich bestimmen auch Sendeplatz und Jahreszeit den Erfolg. Was tatsächlich geht, ist schwer vorhersehbar.

Welche Fähigkeiten haben Sie bei Ihrem Studium erworben, die Ihnen bei Ihrem Casting-Job helfen?
Hött: Ich habe mir in meinem Casting-Job Fähigkeiten angeeignet, die mir bei meinem Studium geholfen haben. Ich habe früh angefangen, Castings zu machen, gerade Sammelcastings, die auch moderiert werden müssen. Sie müssen sich das so vorstellen: Da gibt es an einem Wochenende in einem Hotel in Köln pro Tag vier Termine à 30 Bewerber. Und dann muss man den Leuten erklären, worum es geht.
Wenn Sie jetzt an einem Wochenende acht Mal hintereinander acht Termine machen und das über mehrere Wochen und Monate hinweg, dann bekommen Sie Routine. Wenn ich fürs Studium ein Referat oder einen Vortrag gehalten habe, hatte ich so einen großen Vorteil. Umgekehrt habe ich im Studium meinen Blick geschärft, gelernt, Dinge zu hinterfragen und noch intensiver in Zusammenhängen zu denken.

Quote, nicht unbedingt Qualität zählt im Fernsehgeschäft. Wie kommen Sie als "Schöngeist" damit zurecht?
Hött: Naja, in der Kunst gibt es auch unterschiedliche Qualitäten. Die Quote sagt nichts über Qualität aus. Wenn man weiß, man hat sowohl im Cast als auch in der Umsetzung alles dafür getan, um das beste Ergebnis zu erreichen, und wenn dann die Quote trotzdem nicht stimmt, hat man sich nichts vorzuwerfen.
Wir entscheiden nicht, was sich die Zuschauer ansehen sollen und was nicht. Wichtig für mich ist, dass ich das Feedback habe, dass wir in der Besetzung alles gegeben haben, was möglich war. vk