Mantelsonntag im Sommer?

TRIER. Elf Freunde müsst ihr sein? Vielleicht auf dem grünen Rasen. Aber nicht im Trierer Einzelhandel. Dort sind die Akteure ganz und gar nicht einig, wenn es um verkaufsoffene Sonntage während der Fußball-WM geht. Selbst wenn sich die City-Initiative am 18. Mai dafür aussprechen sollte, könnte die Gewerkschaft Verdi einen dicken Strich durch die Rechnung machen.

Für potenzielle Kunden klingt's verlockend: An den Sonntagen 11. Juni und 2. Juli sind Triers Geschäfte von 13 bis 18 Uhr geöffnet sowie am Freitag, 16. Juni, bis Mitternacht. So hat es die City-Initiative via Ordnungsamt Trier bei der Dienstleistungs- und Aufsichtsbehörde (ADD) vorsorglich beantragt. Doch je näher die heiße Phase der Weltmeisterschaft in deutschen Stadien rückt, um so mehr bekommen ausgerechnet kleinere Händler kalte Füße. Mit ausschlaggebend für die um sich greifende Ablehnung war das ernüchternde Erlebnis der verkaufsoffenen vergangenen Sonntage: Fußgängerzone voller Leute - bei allerdings ausgeprägter Kauf-Unlust. Ein derartiges Zuschuss-Geschäft will man sich doch lieber ersparen.City-Initiative will sich am 18. Mai entscheiden

Die Gewerkschaft Verdi steht dem Ansinnen der City-Initiative von Anfang an ablehnend gegenüber. Alfons Scheuring (59), Bezirks-Fachsekretär für Handel: "Wir haben frühzeitig mit der City-Initiative vier verkaufsoffene Sonntage für 2006 vereinbart. WM-Sonntage wären zusätzliche Sonntage. Das ist weder mit dem Ladenschlussgesetz vereinbar noch mit uns machbar. Wir sind allerdings bereit, WM-Sonntage zu akzeptieren, wenn dafür die beiden noch ausstehenden am 3. September und 29. Oktober gestrichen werden." Darin liegt der Knackpunkt. Maximal vier Sonntage lässt das Ladenschluss-Gesetz zu unter der Voraussetzung, dass sie an bestimmte Anlässe geknüpft sind wie etwa der traditionelle "Mantelsonntag" Ende Oktober an die Allerheiligenmesse. Die Befürworter von WM-Sonntagen hoffen allerdings auf einen Paragrafen, der "Ausnahmen im öffentlichen Interesse" regelt. Diese Ausnahme sei aber für Trier nicht gegeben, sagt auch Karstadt-Betriebsratschef Herbert Kirsten (56): "Man kann doch nicht so tun, als fände die WM plötzlich an der Mosel oder im Westerwald statt. Die Erwartungen des Handels an zusätzliche Umsatz- und Ertragspotenziale sind völlig unrealistisch." Alfred Thielen (44), Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Trier, hat ebenfalls juristische Bedenken: "Wir glauben nicht, dass die rechtlichen Voraussetzungen für zusätzliche verkaufsoffene Sonntag gegeben sind. Dazu hat der Gesetzgeber die Trauben zu hoch gehängt." Schuld an der Misere - da sind sich Thielen und Gewerkschafter einig - sei das Land Rheinland-Pfalz. Während Hessen für die Zeit der WM den Ladenschluss freigegeben hat, schiebe Mainz den Schwarzen Peter in die Städte und Gemeinden weiter. Mit dem Risiko, dass die für Sonderöffnungen notwendigen Rechtsverordnungen angreifbar sind. Verdi-Funktionäre kündigen an, gegen alles, was über vier offene Sonntage hinausgeht und damit ein Versuch sei, "das Ladenschlussgesetz weiter aufzuweichen", vor das Landesarbeitsgericht zu ziehen. Die City-Initiative Trier will das Thema "Sonderöffnungszeiten zur WM" bei einem eigens anberaumten Treffen am Donnerstag, 18. Mai, 19.30 Uhr, im Ramada-Hotel besprechen. Daran können auch Nicht-Mitglieder teilnehmen. "Bislang besteht kein Konsens im City-Handel. Deshalb wollen wir die Chancen, aber auch die Risiken besprechen. Dann stimmen die Mitgliedsbetriebe über das weitere Vorgehen ab der City-Initiative ab", kündigt die Vorsitzende Karin Kaltenkirchen (36) an. Sie macht kein Hehl aus ihren " gemischten Gefühlen. Es gibt Aussagen von Kollegen, die ihre Läden in jedem Fall sonntags geschlossen lassen wollen." Und unvorstellbar ist für sie, den traditionell umsatzstarken Mantelsonntag zugunsten eine WM-Sonntags fallen zu lassen. Bei allem Zündstoff scheint aber ein kleiner Kompromiss möglich: Gegen ein Midnight-Shopping am 16. Juni gibt es offenbar weniger Bedenken bei Verdi.