Marathon-Lauf in Sachen Trierer Kultur

Marathon-Lauf in Sachen Trierer Kultur

Seit vergangenem Sommer diskutiert die Trierer Kulturszene über die Leitlinien, an denen sich die künftige Kulturpolitik orientieren soll. In einem mehrmonatigen, aufwendig gestalteten öffentlichen Prozess lässt Kulturdezernent Thomas Egger nach einem Konsens suchen. Die Halbzeitbilanz fällt unterschiedlich aus.

Trier. Wer bei allen Diskussionen über die künftige Trierer Kulturpolitik dabei sein will, braucht vor allem eines: Sitzfleisch. Sechs große, jeweils mehrstündige öffentliche Veranstaltungen hat es seit dem Auftakt im Juli 2013 gegeben, Open-Space-Konferenzen, Streitgespräche, Zukunftswerkstätten, Dialogveranstaltungen. Mindestens vier weitere werden folgen, bevor der Leitbild-Vorschlag im Frühjahr in den Stadtrat wandert.Schar der Diskutanten schrumpft


Eine Tendenz ist unübersehbar: Die anfangs große Schar der Diskutanten ist merklich geschrumpft. Zuletzt, als es um "Kulturelles Erbe" und "Kulturelle Bildung" ging, blieben die Experten und Insider weitgehend unter sich. Gerade in Sachen Kultur und Bildung habe er "mehr Andrang erwartet", sagt Kulturdezernent Egger, ist aber gleichwohl mit den aus seiner Sicht "inhaltlich hervorragenden" Veranstaltungen zufrieden. Man habe einen "Diskussionsprozess innerhalb der Kulturschaffenden angestoßen" und die "Qualität der Debatte spürbar erhört". Das sieht Klaus Reeh ganz anders. "Viel Schall und Rauch" habe der bisherige Prozess gebracht, aber wenig konkrete Arbeit am Text möglicher Leitlinien. Das sei, sagt der Vorsitzende des Tufa-Trägervereins, seine persönliche Meinung. Aber um Reeh gruppiert sich eine Reihe Trierer Kultur-Institutionen vom Theater über die Tufa und die Europäische Kunstakademie bis hin zur Gesellschaft Bildende Kunst. Sie haben einen eigenen, gemeinsamen Entwurf für die Leitlinien eingebracht - als Gegenpol zum ursprünglichen Papier des Kulturdezernenten.
Beide Vorlagen gehen in unterschiedliche Grundrichtungen. Das Egger-Papier setzt in Zeiten knapper öffentlicher Mittel verstärkt auf Nachfrage-Orientierung, kulturelle Eigeninitiative der Bürger und weniger auf feste Kultur-Institutionen. Das Reeh-Papier sieht Kultur eher als offensiven Auftrag der Gesellschaft, für dessen Umsetzung es stabile Strukturen braucht - und die nötigen Finanzmittel.
Eingekeilt zwischen der mächtigen Kommunalpolitik und den großen Institutionen finden sich auch andere. Die Amateur-Kulturmacher beispielsweise. Oder die freien Gruppen. Oder die junge, kreative Kulturwirtschaft. So fordert etwa der Trierer Filmemacher Uwe Thein "mehr Wertschätzung und Anerkennung" für diesen Bereich, und vor allem eine "faire und transparente Verteilung der Budgets".
Da rennt er bei Thomas Egger offene Türen ein. Für die nächsten Dialog-Runden hat er "Kultur und Wirtschaft" (am heutigen 11. Januar), "Teilhabe und Soziokultur" (18. Januar) sowie die Gretchenfrage: "Wie finanzieren wir unsere Kultur?" (25. Januar) auf die Agenda gesetzt. Spätestens wenn es ums Geld geht, dürfte die Ist-Stärke des Publikums wieder spürbar steigen. Vielleicht belebt sich dann auch die bislang müde Debatte auf dem von der Stadt eingerichteten Internet-Forum www.trier.de/Kultur-Freizeit/Kulturpolitische-Leitlinien.Am Ende entscheidet der Rat


Bis zur öffentlichen Präsentation am 15. März soll dann eine Steuerungsgruppe die Ergebnisse der Diskussion in eine Ratsvorlage ummünzen. Aber es sei "überhaupt nicht absehbar, was denn nun am Ende zu Papier gebracht wird", kritisiert Klaus Reeh. Sein unausgesprochener Verdacht: Der ganze, aufwendige Prozess sei nur ein Vehikel, um zum Schluss doch wieder die Egger-Vorlage zu etablieren.
Der Kulturdezernent sieht das anders. Der Vorgang sei transparent und ergebnisoffen, auch wenn "natürlich nicht alles eingebracht werden kann". Die Erarbeitung der Leitlinien ist für ihn nur ein Auftakt, dem die Formulierung konkreter Zielvereinbarungen für die von der Stadt geförderten kulturellen Einrichtungen folgen müsse.
Den großen Ratschlag der Kulturszene will er als dauerhafte Institution beibehalten: Eine entsprechende Konferenz könne man künftig "mindestens einmal im Jahr machen".